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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 31.05.2012

Barbara Holland-Cunz - Gefährdete Freiheit. Über Hannah Arendt und Simone de Beauvoir
Laura Wösch

Die beiden Philosophinnen in einem Atemzug zu nennen, irritiert zunächst, weiß mensch doch von ihrem eher distanzierten Verhältnis zueinander. Dennoch begibt sich die Autorin auf die Suche nach ...



... verbindenden Elementen dieser (Nicht-)Beziehung und findet mehr als nur zwei Abbildungen der beiden Denkerinnen, die √ľber √Ąu√üerlichkeiten eine √Ąhnlichkeit konstruieren wollen, n√§mlich deren Weltbezug.

Barbara Holland-Cunz` Versuch einer Ann√§herung der wohl prominentesten Theoretikerinnen des 20. Jahrhunderts beginnt zun√§chst mit einem eher trennenden Kommentar: "Sie kannten sich nicht gut und mochten sich offenbar nicht besonders." Die Abtastung ihrer Freiheitskonzepte nach inhaltlichen √Ąhnlichkeiten wirkt dennoch niemals konstruiert, sind sie doch die gro√üen Eckpfeiler beider theoretischen Werke. Intersubjektivit√§t und Kommunikation kristallisieren sich f√ľr Holland-Cunz schnell als verbindende Schl√ľsselbegriffe beider Freiheitskonzepte heraus, die durch ihre Abh√§ngigkeit vom Drau√üen ihre Zuverl√§ssigkeit verlieren.

Angst macht sich breit

Nicht zuletzt der Titel des Buches verr√§t bereits, dass beide Denkerinnen die Realisierung menschlicher Freiheit mit gro√üer Anstrengung in Verbindung setzen. "... es lag in der Natur der Sache, dass sie erst im Vollzug des Kampfes um die Befreiung das Wesen der Freiheit...entdeckten..." (Hannah Arendt). F√ľr Arendt und Beauvoir h√§ngt das Menschsein also von seiner Strahlkraft nach Au√üen ab. Transzendenz vollzieht sich nicht im stillen K√§mmerlein.

Au√üen und Innen ‚Äď Kollektiv und Individuum

Detailliert zeichnet die Autorin Holland-Cunz im Kapitel Freiheitsangst und Weltverlust die Weltbez√ľge der beiden Philosophinnen nach, die sich aus zwei unterschiedlichen r√§umlichen Perspektiven, n√§mlich einer "Hinein in die Welt" (Beauvoir) und einer "Hinaus in die Welt" (Arendt), erkl√§ren lassen. Aus beiden Perspektiven gesehen wird klar: Freiheitsangst und Weltverlust drohen immer dort, wo sich ein Schweigen ausbreitet, sei es im Inneren der Person oder im Drau√üen der Welt . Einem nicht uninteressanten Aspekt schenkt die Autorin Beachtung, wenn sie den Balanceakt zwischen √Ėffentlichkeit und Privatheit der beiden Denkerinnen selbst untersucht und beispielsweise Hannah Arendt als Schreibtisch-Denkerin skizziert, die sich gerne der √Ėffentlichkeit entzog. Arendt √ľber Arendt: "aufgrund meines Temperaments und meiner Neigung ‚Äď also jener angeborenen, psychischen Merkmale."

"Natur der Unfreiheit"

Grund genug, sich der Betrachtung der Naturseite und welche Bedeutung die Theoretikerinnen ihr beimessen, zuzuwenden. Dem oft kritisch betrachteten Naturbegriff bei Arendt begegnet Holland-Cunz in ihren Ausf√ľhrungen √ľberraschend wohlwollend. Aus ihrer feministischen Sicht, ist die Ablehnung der "weiblichen" K√∂rperlichkeit bei Beauvoir dabei schwerer zu verkraften als Arendts Ignoranz jeglicher biologischer Gegebenheiten des menschlichen K√∂rpers. Holland-Cunz` Verdienst hierbei ist es aber sicherlich, die feministische Bedeutung Simone de Beauvoirs nicht gegen die politische Relevanz von Hannah Arendts Theorien zu setzen.

Existentialismus als "weibliche" Denkform

Klar wird Holland-Cunz` feministische Sichtweise auch, wenn sie den Existentialismus auf m√∂gliche "weibliche Denkformen" abtastet. Kommunikation, Intersubjektivit√§t und Selbst-√ľberwindung werden von ihr als Treibstoff eines durch den Rausch der Freiheit (an)getriebenen Menschens und Merkmale eines "weiblichen" Weltverh√§ltisses beschrieben. Das Ziel: Ruhm, Rausch und Zauber als Lohn menschlicher Selbst√ľberwindung - eine fast √ľbermenschliche Herausforderung, weswegen das menschliche Weltverh√§ltnis in den meisten F√§llen sich eher folgenderma√üen definiert: prek√§r.

AVIVA-Tipp: Barbara Holland-Cunz` Ausf√ľhrungen sind in den meisten Abschnitten durchwegs differenziert und nachvollziehbar. Ihre genaue Untersuchung des Freiheitsbegriffes bei Hannah Arendt und Simone de Beauvoir zeigt seine √§u√üerst fragile Konstitution. Ihre an manchen Stellen etwas √ľbervorsichtig wirkende Zur√ľckhaltung, die Freiheitskonzepte der Theoretikerinnen auf die (feministische) Waagschale zu legen, wird letztendlich auch der Komplexit√§t der beiden Werke gerecht.

Zur Autorin: Barbara Holland-Cunz, ist Professorin f√ľr Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Frauenforschung und Leiterin der Arbeitsstelle Gender Studies an der Justus-Liebig-Universit√§t Gie√üen. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind: Politische Theorie, Frauenbewegung, Gleichstellungspolitik, Partizipation, neue soziale Bewegungen, Wissenschafts- und Naturtheorie. (Quelle: Gender Politik Online)
Weitere Informationen finden Sie unter:
Gender Politik Online

Barbara Holland-Cunz
Gefährdete Freiheit. Über Hannah Arendt und Simone de Beauvoir

Barbara Budrich Verlag, erschienen März 2012
Taschenbuch, 149 Seiten
ISBN 978-3-86649-457-2
19,90 Euro
www.budrich-verlag.de

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Literatur Beitrag vom 31.05.2012 AVIVA-Redaktion 





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