Miranda July - Der erste fiese Typ. Lesung am 13.11.2015 in der Arena - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

Der Theaterverlag AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   Jüdisches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   Jüdisches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im August 2018 - Beitrag vom 04.09.2015

Miranda July - Der erste fiese Typ. Lesung am 13.11.2015 in der Arena
Clarissa Lempp

Miranda July ist ein Allroundtalent. Als Filmemacherin und Künstlerin hat sie sich längst in den Zeitgeist eingeschrieben. Mit "Der erste fiese Typ" liefert sie jetzt ihr Debüt als Roman-Autorin.



Cheryl hat die 40 Jahre überschritten, ist unverheiratet, kinderlos und Chef-Sekretärin bei einer Firma, die Fitness- und Selbstverteidigungs-DVDs für Frauen vertreibt. Cheryl sieht in ihrem alleinstehenden Leben eigentlich kein Problem. Im Gegenteil. Sie fühlt sich völlig frei in der Gestaltung ihrer Haushaltsordnung und der Welt um sie herum. Da ist zum Beispiel Phillip, ein älteres Vorstandsmitglied ihres Unternehmens. Sie ist sicher, dass er seit gemeinsamen Höhlenmenschentagen ihr reinkarnierender Liebhaber ist. So eine wiederkehrende Seele ist auch Kelko Bondy, die Cheryl bereits in vielen Babys begegnete. In diesem Konstrukt ist sie glücklich und nur ihr "Globussyndrom", das mit dem ständigen Gefühl eines Kloßes im Hals einhergeht, wirft einen kleinen Schatten über ihren Alltag. Als Cheryl sich deshalb von einem Wunderdoktor behandeln lässt, bei dem auch Phillip Patient ist, wirft das Schicksal sein Rad an.

Bereits als Performancekünstlerin ("Learning to love you more"), Filmemacherin ("Du und ich und alle die wir kennen"/ "The Future") und Autorin von Kurzgeschichten ("Zehn Wahrheiten") bewies July ihr Händchen für komisch-schöne Absurditäten mit lebensbejahenden Botschaften. Auch Cheryl passt hervorragend in die Typologie des introvertierten Individuums, das sich selbst abhandenkommt.

"Ich erlebe meine Tage wie einen Traum, ohne die Ecken und Kanten, für die das Leben so berühmt ist. Nach mehreren Tagen allein wird es so glatt und geschmeidig, dass ich mich selbst nicht mehr spüre; es ist, als würde ich nicht existieren."

Aber dann überlappt die Realität. Phillip ist plötzlich verliebt, aber nicht in sie und als auch noch Clee, die halbstarke Tochter ihrer Chefs, bei ihr einzieht, kommen Cheryls Traumbilder erst recht ins Wanken. Zwischen Clee und Cheryl entwickelt sich eine verrückte Beziehung aus Gewalt und Fürsorge, durch die sich Cheryl immer weiter von ihren Lebenslügen entfernt. Sie existiert wieder und darf auch ihre sexuelle Identität entdecken, in wunderbar-komischen Szenarien.

Miranda July lässt ihre Protagonist_innen in ihrem Roman "Erwachsenenspiele" spielen. Sie erproben sich in neuen, wenn auch außergewöhnlichen, Formen der Kommunikation. Ein Spezialthema von July. Sie produzierte zuletzt die App "Somebody", bei der Nutzer_innen Textnachrichten persönlich den Adressat_innen übermitteln. July will Menschen mit Kontaktproblemen zueinander führen. Auch im Roman kommen sich Cheryl und Clee näher, als die schwanger wird und damit auch Kelko Bondy und Cheryl schließlich zusammenführt. Trotz aller Durchbrüche von heteronormativen Strukturen bleibt das Buch am Ende eben vor allem eine Ode an die Elternschaft, die sich auch in der Danksagung der Autorin wiederspiegelt. "Du wirst ein Kind bekommen und einen Roman schreiben", wurde July vorausgesagt. Sie hat beides geschafft.

AVIVA-Tipp: Wer die Kurzgeschichten aus Miranda Julys Feder kennt, wird von "Der erste fiese Typ" vielleicht ein bisschen enttäuscht sein. Die Sprache ist weniger poetisch, die Handlung weniger konzentriert. Es bleibt aber ein außergewöhnlicher Roman, für den July bereits so illustre Fans wie Lena Dunham gewinnen konnte.

Zur Autorin: Miranda July wurde 1974 in Vermont, USA geboren. Schon seit ihren Teenager-Jahren ist sie im feministischen Pop- und Kunstkontext unterwegs. Mit Johana Fateman (LeTigre) gründete sie ein Fanzine und begann eigene Filme zu drehen. Mit ihren Performances, Spielfilmen und Kurzgeschichten konnte sie auch ein größeres Publikum begeistern. Ihr Film "Me and You and Everyone We Know" erhielt unter anderem den Jury Preis des Sundance Festivals und auch ihre Kurzgeschichten wurden mehrfach ausgezeichnet.
www.mirandajuly.com

Miranda July
Der erste fiese Typ

Kiwi-Verlag, erschienen August 2015
Originaltitel: The First Bad Man
Aus dem amerikanischen Englisch von Stefanie Jacobs
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 336 Seiten
ISBN: 978-3-462-04770-7
www.kiwi-verlag.de


Miranda July liest am 13. November 2015 in der Arena, Berlin. Karten und Infos gibt es hier: www.arena.berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Miranda July - Zehn Wahrheiten. "Stories", so der Untertitel des Kurzgeschichtenbandes von Miranda July. Nobles Understatement für diese kostbaren Schätze literarischer Erzählkunst der Filmemacherin und Performance-Künstlerin…

THE FUTURE - ein Film von Miranda July. Portrait der Generation 30+. "In fünf Jahren, da sind wir 40. Und 40, das ist fast 50. Was danach kommt, ist nur noch das Kleingeld im Leben..."

Lena Dunham - Not That Kind Of Girl. Lena Dunham ist aus der Kult-Serie "Girls" bekannt und geliebt. In ihren Essays blickt sie jetzt humorvoll, kritisch und immer sehr persönlich auf Leben, Lieben, Kunst und "Frau-Sein"...


Literatur Beitrag vom 04.09.2015 Clarissa Lempp 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken