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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.06.2016

Christa Winsloe - Auto-Biographie und andere Feuilletons. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Doris Hermanns
Annika H├╝ttmann

In ihren Feuilletons aus den 20er und 30er Jahren widmet die Schriftstellerin und Tierbildhauerin sich clever, humorvoll und wunderbar subjektiv den unterschiedlichsten Themen und beschreibt so die vielen Seiten einer optimistischen und chaotischen, ...



... lebensbejahenden und bedrohlichen Zeit.

Zu Lebzeiten war Christa Winsloe als Autorin, Tierbildhauerin und Journalistin bekannt, heutzutage wird ihr Name vor allem mit einem Werk verkn├╝pft, ihrem Roman "Das M├Ądchen Manuela", der unter dem Titel "M├Ądchen in Uniform" mehrfach, u.a. mit Romy Schneider, Lilli Palmer und Therese Giehse unter der Regie von G├ęza von Radv├ínyi im Jahr 1958 verfilmt wurde.

Dass Winsloes Schaffen durchaus facettenreicher war als dieses eine Buch, zeigen ihre Feuilletons, die zwischen 1926 und 1938 zun├Ąchst in Deutschland ("Der Querschnitt", "Berliner Tageblatt", "Frankfurter Zeitung"), dann in den USA ("Harper┬┤s Bazaar", "Saturday Evening Post" ver├Âffentlicht wurden. Die Autorin beschreibt hier unter anderem ihr Leben als K├╝nstlerin, ihre Liebe zu Tieren, Probleme, die Ehen mit sich f├╝hren, Flugzeuge, Autos, l├Ąstige soziale Verpflichtungen und ihre Reisen. Zwar ist das Feuilleton ein Genre, das sich eher durch ironische und humorvolle Betrachtungen auszeichnet, aber Winsloe gelingt es auch, Themen wie gesellschaftliche Umbr├╝che, Inflation und Krieg zu bearbeiten.

"Auto-Biographie", welchem dieser Sammelband seinen Titel verdankt, ist eine dieser Betrachtungen mit einem ernsten Hintergrund und zugleich das Feuilleton, das vielleicht am meisten hervorsticht. Winsloe, zu der Zeit mit einem der reichsten M├Ąnner Ungarns verheiratet, schildert hier die Geschichte ihres Mercedes. Zumindest vordergr├╝ndig. Im Hintergrund - verwoben mit dem Schicksal ihres geliebten Autos - finden der Erste Weltkrieg, die Oktoberrevolution und die Ausrufung der ungarischen R├Ąterepublik statt. Dass die Autorin w├Ąhlt, die Biographie ihres Autos zu erz├Ąhlen und (scheinbar) nebenher menschliche Biographien und politische Ereignisse beschreibt, zeigt wie perfekt sie sowohl das Genre als auch das Erz├Ąhlen beherrscht.

Egal, ob sie sich einem schlafenden Mops oder der Inflation zu Beginn der 20er Jahre widmet, es lohnt sich, Christa Winsloes Feuilletons wiederzuentdecken. Ihr Humor ist manchmal subtil, oft b├Âse und wirkt heute noch erfrischend. Bemerkenswert (vielleicht auch beunruhigend?) ist auch, wie treffend und aktuell viele ihrer Beobachtungen heute noch sind, w├Ąhrend mensch sich gleichzeitig beim Lesen immer wieder auf eine Zeitreise in die Vergangenheit begibt.

Herausgegeben und mit einem interessanten Nachwort versehen wurde diese erste Sammlung von Winsloes Feuilletons von Doris Hermanns, der Autorin einer 2012 erschienenen Winsloe-Biographie. Hermanns hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Werk und turbulente Leben der K├╝nstlerin einem gr├Â├čeren Publikum wieder nahe zu bringen und mensch muss sagen: Zum Gl├╝ck.

AVIVA-Tipp: Mit Humor und Scharfsinn gibt Winsloe Einblicke in den Beginn des 20. Jahrhunderts und ihr eigenes Leben mit allen Sonnen- und Schattenseiten. Die Lekt├╝re lohnt sich!

Zur Autorin: Christa Winsloe, 1888 in Darmstadt geboren, geht Winsloe 1909 nach M├╝nchen, um Bildhauerei zu studieren. 1913 heiratet sie den ungarischen Schriftsteller und M├Ązen Baron Ludwig von Hatvany und lebt mit ihm in Paris, Ungarn, Berlin und Wien. Nach ihrer Scheidung kehrt sie 1924 nach M├╝nchen zur├╝ck, wo sie als Tierbildhauerin arbeitet und zahlreiche Feuilletons in deutschen Zeitungen ver├Âffentlicht. Bekannt wird sie mit dem Theaterst├╝ck "Ritter N├ęrestan", das erstmals 1931 unter dem Titel "M├Ądchen in Uniform" verfilmt wird und 1933 als Roman "Das M├Ądchen Manuela" erscheint, ber├╝hmt. Zusammen mit ihrer Partnerin, der amerikanischen Journalistin Dorothy Thompson, geht Winsloe 1933 in die USA, wo sie trotz weiterer Ver├Âffentlichungen nie recht Fu├č fasst. 1935 kehrt sie endg├╝ltig nach Europa zur├╝ck, allein. Ab 1938 lebt Winsloe in Frankreich, wo sie die letzten Jahre ihres Lebens gemeinsam mit ihrer Lebensgef├Ąhrtin Simone Gentet in Cluny verbringt. Dort wird sie im Juni 1944, kurz vor ihrer geplanten Abreise ├╝ber Deutschland nach Ungarn, erschossen.
(Quelle: Verlagsinfos)


Christa Winsloe
Auto-Biographie und andere Feuilletons

Herausgegeben und mit einem Nachwort von Doris Hermanns
AvivA Verlag, erschienen 16.03.3016
Gebunden mit Abbildungen, 272 Seiten
19,90 Euro
ISBN/EAN: 978-3-932338-83-0
www.aviva-verlag.de

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Christa Winsloe - Das M├Ądchen Manuela
Manuela von Meinhardis ist anders als es von ihr in Preu├čen um die Jahrhundertwende erwartet wird. Und trotz des gro├čen zeitlichen Abstands f├╝hlt sich Winsloes einf├╝hlsame Schilderung einer ungl├╝cklichen Kindheit und Jugend auch heute noch sehr nah an. "Der Roman zum Film M├Ądchen in Uniform" hei├čt es im Untertitel des Buches. (2013)

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Die Memoiren der Regisseurin von "M├Ądchen in Uniform", 1951 geschrieben und 1996 in Johannesburg auf Englisch erschienen, sind nun erstmals in deutscher Sprache bei Hentrich & Hentrich erschienen. (2010)

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Als der Volkss├Ąnger K├Ąsebier 1931 zum Megastar wird, ist Berlin ist eine aufregende und dynamische Stadt, eine Stadt vieler Kulturen und Identit├Ąten. Der satirische Gesellschaftsroman der als Elise Hirschmann geborenen Schriftstellerin und Gerichtsreporterin erschien 1931 erstmals im Rowohlt Verlag. In den Folgejahren wurde das Werk ├╝ber das Berlin der sp├Ąten Weimarer Republik in verschiedensten Verlagen ver├Âffentlicht, geriet schlie├člich in Vergessenheit, bevor er nun, im Fr├╝hjahr 2016, im Sch├Âffling Verlag von Nicole Henneberg herausgegeben und mit einem Nachwort versehen wurde. (2016)



Literatur Beitrag vom 08.06.2016 Annika H├╝ttmann 





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