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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.05.2017

Lizzie Doron - Sweet Occupation
Sharon Adler

Die in Tel Aviv und Berlin lebende Schriftstellerin (u.a. "Warum bist Du nicht vor dem Krieg gekommen?", "Das Schweigen meiner Mutter") f├╝hrt ihren in "Who the Fuck Is Kafka?" begonnenen inneren und direkten Dialog weiter. Dass Frieden zwischen Israelis und Pal├Ąstinensern m├Âglich ist, fordert sie in "Sweet Occupation" ein, stellvertretend f├╝r ihre Protagonisten, die Combatants for Peace.



Die Begegnung mit dem Fremden ÔÇô eine Begegnung mit dem Fremden in sich selbst

F├╝nf M├Ąnner in der Mitte ihres Lebens: Die verurteilten ehemaligen Terroristen Muhammad, Suleiman und Jamil aus den besetzten Gebieten sowie die Israelis Chen und Amil, die den Dienst an der Waffe verweigert haben. M├Ąnner, die im Gef├Ąngnis sa├čen und, nachdem sie wieder freikamen, die "Friedensk├Ąmpfer-Bewegung" (Combatants for Peace) gr├╝ndeten, entschlossen, ihrem Leben eine entschieden andere Richtung zu geben. Muhammad nahm Kontakt zu Lizzie Doron auf, und so traf sie diese M├Ąnner: Feinde, Widersacher. Pal├Ąstinenser, die die Juden t├Âten wollten, und Israelis, die sich geweigert hatten, ihr Land zu verteidigen.

Ein Jahr lang h├Ârte sie ihren Kindheitserinnerungen zu, lernte ihre Gef├╝hle kennen, ihre Tr├Ąume und ├ängste, erfuhr von dem Moment, als sie anderen das Leben nahmen. Entstanden ist ein ergreifendes Dokument ├╝ber einst Radikale, die dem sinnlosen Hass eine Perspektive entgegensetzen: Worte sind st├Ąrker als Molotowcocktails, Handgranaten oder Steine. Und Rettung bringen oft diejenigen, die nicht mit dem Strom schwimmen.

AVIVA-Tipp: Das richtige Buch zur richtigen Zeit. Ein literarisches Engagement wie das von Lizzie Doron schafft ein Bewusstsein dar├╝ber, wie viel Arbeit noch vor uns liegt und dass es sich lohnt, ├Âffentlich daf├╝r einzutreten. W├╝nschenswert w├Ąre es, wenn "Sweet Occupation" auch in Israel und der arabischen Welt erscheinen und gelesen werden w├╝rde.

Zur Autorin: Lizzie Doron, geboren 1953, lebte in einem Kibbuz auf den Golanh├Âhen, bevor sie Linguistik studierte und lehrte. 2003 wurde ihr Roman "Ruhige Zeiten" mit dem von Yad Vashem vergebenen Buchman-Preis ausgezeichnet. 2007 erhielt sie den Jeanette Schocken Preis - Bremerhavener B├╝rgerpreis f├╝r Literatur. In der Begr├╝ndung der Jury hie├č es: "Lizzie Doron ist eine israelische Schriftstellerin, die jenen eine Stimme gibt, die sie selber nicht erheben, die jenen Raum verschafft, den sie sich selber nicht nehmen k├Ânnten. Sie schreibt ├╝ber Menschen, die von ┬┤dort┬┤ kommen, die den Holocaust ├╝berlebten und nun zu leben versuchen. In Israel. Fremd, schweigend, versehrt ÔÇô und stets ihre W├╝rde wahrend. Mit gro├čer Behutsamkeit n├Ąhert die Autorin sich ihren Figuren und mit gro├čem Respekt wahrt sie Distanz." "Warum bist Du nicht vor dem Krieg gekommen?", das erste Buch von Lizzie Doron, erschien 2004 im J├╝dischen Verlag im Suhrkamp Verlag. Zuletzt erschienen von ihr ist 2015 das Buch "Who the Fuck Is Kafka?" in dem sie von der problematischen Freundschaft einer Israelin aus Tel Aviv (Lizzie Doron) mit einem in Ost-Jerusalem lebenden Pal├Ąstinenser (fiktiv: Nadim Abu Heni) erz├Ąhlt.
Lizzie Doron lebt in Tel Aviv und Berlin.
Lizzie Doron im Interview auf Deutschlandradio Kultur (20.04.2017):
www.deutschlandradiokultur.de
Mehr Infos zu den Combatants for Peace unter: cfpeace.org

Zur ├ťbersetzerin: Mirjam Pressler wurde 1940 in Darmstadt geboren. Sie studierte an der Akademie f├╝r Bildende K├╝nste in Frankfurt a.M. und in M├╝nchen. Nachdem sie ein Jahr lang in einem Kibbuz in Israel gelebt hatte, kehrte sie 1970 nach Deutschland zur├╝ck. In der Folgezeit verfasste sie mehr als 30 Kinder- und Jugendb├╝cher und erhielt hierf├╝r den "Deutschen Jugendliteraturpreis". Neben ihrer Arbeit als Schriftstellerin arbeitete Pressler als ├ťbersetzerin. So verdanken ihr zahlreiche Originaltitel auf Hebr├Ąisch, Niederl├Ąndisch und Englisch ihre ├ťbersetzung, darunter Werke von Uri Orlev ("Lauf, Junge, lauf"), Amos Oz ("Unter Freunden"), Zeruya Shalev ("Sp├Ąte Familie"), sowie von Lizzie Doron, Nava Semel, Tamar Verete-Zahavi, Mira Mag├ęn und Aliza Olmert. Im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2015 wurde Mirjam Pressler f├╝r ihre ├ťbertragung des Buches "Judas" von Amos Oz aus dem Hebr├Ąischen mit dem Preis in der Sparte ├ťbersetzung ausgezeichnet.
Weitere Auszeichnungen: u.a. der Gro├če Preis der Deutschen Akademie f├╝r Kinder- und Jugendliteratur Volkach und die Carl-Zuckmayer-Medaille.

Lizzie Doron
Sweet Occupation

Dtv premium, erschienen 7. April 2017
Aus dem Hebr├Ąischen von Mirjam Pressler
Deutsche Erstausgabe, 208 Seiten
ISBN 978-3-423-26150-0
16,90 Euro
www.dtv.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Lizzie Doron - Who the Fuck Is Kafka? (2015)
Die israelische Schriftstellerin, die sich in ihren Werken wie "Ruhige Zeiten" und "Das Schweigen meiner Mutter" literarisch vor allem mit der Auseinandersetzung um die Traumata der Shoah -├ťberlebenden und der 2. Generation im Israel der 1950er Jahre verdient gemacht hat, erz├Ąhlt in ihrer aktuellen Ver├Âffentlichung von der problematischen Freundschaft einer Israelin aus Tel Aviv (Lizzie Doron) mit einem in Ost-Jerusalem lebenden Pal├Ąstinenser (fiktiv: Nadim Abu Heni).

Interview with Lizzie Doron (anl├Ąsslich der Deutsch-Israelischen Literaturtage 2012)

"Das Schweigen meiner Mutter" von Lizzie Doron (2011)

"Es war einmal eine Familie", von Lizzie Doron (2009)

"Der Anfang von etwas Sch├Ânem" von Lizzie Doron (2007)

"Ruhige Zeiten" von Lizzie Doron (2005)

Claire Hajaj - Ismaels Orangen
Wenn es um den israelisch-pal├Ąstinensischen Konflikt geht, ist fast immer nur von Kampf und Verlusten die Rede. Die britische Autorin Claire Hajaj erz├Ąhlt in ihrem Deb├╝troman "Ismaels Orangen" von dem unverdrossenen Versuch, einander ├╝ber kulturelle und religi├Âse Differenzen hinweg zu lieben und aneinander festzuhalten.

Eva Illouz - Israel. Soziologische Essays
In ihrer Essay-Sammlung zeichnet die renommierte Soziologin Eva Illouz ein beunruhigendes Bild von der israelischen Gesellschaft. Ihre Kritik an der wachsenden Ungleichheit im Land, die arabische Israelis, aber auch misrachische J├╝dinnen und Juden in ihren Staatsb├╝rger_innenrechten diskriminiert, appelliert an die universalen Menschenrechte und das s├Ąkulare Erbe des modernen Zionismus. Eine eindringliche Gesellschaftsstudie einer linken Zionistin, die aus Liebe zu ihrer Heimat dieser einen Spiegel vorh├Ąlt. (2015)


Quellen: dtv, AVIVA-Berlin

Literatur Beitrag vom 29.05.2017 Sharon Adler 





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