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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2021 - Beitrag vom 03.02.2021


Dan Morain – Kamala Harris. Die Biografie
Silvy Pommerenke

"Du magst die Erste sein, die viele Dinge tut, aber stell sicher, dass du nicht die Letzte bist" ermahnte Shyamala Gopalan Harris, die Mutter der neuen Vizepräsidentin der USA, Kamala Harris. Wie ihr Weg zur ersten Frau und zugleich die erste Person of Color in dieser Position verlief, ist in der ersten deutschsprachigen und spannenden Biografie nachzulesen.




Das Buch

Die Lebensgeschichte von Kamala Harris, die Dan Morain aufgeschrieben hat, wurde zwar nicht von der amtierenden US-Vize-Präsidentin autorisiert (was an ihrem knappen Terminkalender lag – zu sehr war sie während der Entstehungszeit des Buches mit dem Wahlkampf beschäftigt) -, aber Morain hält sich vielfach an die Autobiographie von Kamala Harris, die sie unter dem Titel "The Truths We Hold: An American Journey" im Januar 2019 veröffentlichte (sie erscheint in deutscher Übersetzung im März 2021 beim Siedler-Verlag). Neben den autobiografischen Aufzeichnungen stützt er sich auf Interviews mit politischen Weggenoss*innen, Zeitungsartikel und Sitzungsprotokolle.

Er betrachtet nicht nur die politische Karriere von Kamala Harris, sondern stellt parallel dazu den zeithistorischen Kontext. Das ist insofern wichtig, weil Harris als Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners einen besonderen und vor allem schwierigeren Karriereweg als eine weiße US-Amerikanerin hatte. Trotz dieser erschwerten Bedingungen legt sie eine beeindruckende Karriere hin, die den "Amerikanischen Traum" Wirklichkeit werden lässt.

Es wird ihr kometenhafter Aufstieg geschildert, wie sie sich innerhalb kürzester Zeit nach ihrem Jura-Studium von einer stellvertretenden Bezirksstaatsanwältin bis zur Senatorin in Kalifornien hocharbeitet. Sie ist eine enorme Netzwerkerin, hat ein klares Ziel vor Augen und scheinbar nichts lässt sie aus ihrem Konzept bringen. Sie steht von Anfang an auf der demokratischen Seite, sicherlich auch bedingt durch ihre Eltern, die sie bereits als Kind mit auf politische Demonstrationen nahmen und ihr damit den Zugang zur kritischen Weltbetrachtung eröffneten.

Dan Morainhebt Kamala Harris´ Stärken hervor, wozu ihr Ruf als knallharte Ermittlerin und ihr Ehrgeiz zählen, ihre intensive Vorbereitung vor Sitzungen oder Rechtsfällen, ihre Klugheit oder ihre Effizienz. Neben diesen beruflichen Skills ist sie aber vor allem eins: menschlich und nahbar.

Die Familie

Die Mutter Shyamala Gopalan Harris, tamilischer Abstammung, promovierte in Ernährungswissenschaften und Endokrinologie und forschte zum Thema Brustkrebs, der Vater, Donald J. Harris, stammte aus Jamaika, studierte Wirtschaftswissenschaften und wurde später der erste Schwarze Wirtschaftswissenschaftler mit einer Festanstellung an der ökonomischen Fakultät von Stanford. Bis heute hat er den Status eines emeritierten Professors. Beide Eltern engagierten sich in der Bürger*innenrechtsbewegung und ließen sich 1972 nach einer dreijährigen Trennungszeit scheiden. Die beiden Töchter (Kamala, geboren 1965, und die jüngere Schwester Maya, geboren 1967, die ebenfalls Jura studiert hat und später zum Wahlkampf-Team von Kamala Harris gehörte) blieben bei der Mutter. Über ihre Mutter sagt Kamala: "Sie war eine Naturgewalt und die größte Inspiration in meinem Leben" – als sie 2009 an Krebs starb, riss das eine riesige Lücke in das Leben von Kamala.

Das universitäre Fundament

1986 machte Kamala Harris ihren Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft und Volkswirtschaft an der Howard University in Washington, eine 1867 ursprünglich für Afroamerikaner*innen gegründete private Hochschule, und gehörte der studentischen Verbindung Alpha Kappa Alpha an. 1989 absolvierte sie ihr juristisches Staatsexamen im zweiten Anlauf und begann ihre berufliche Karriere als stellvertretende Bezirksstaatsanwältin in der kalifornischen Kleinstadt Alameda.

Die juristische Karriere

Durch die Beziehung zwischen 1994 und 1995 zu Willie Brown, einem afro-amerikanischen Politiker, bekam sie Kontakt zu den politischen Größen des Landes, und lernte, wie frau einen Wahlkampf führt.
Ihre Karriere ab Mitte der 1990er Jahren begann in einem Landesausschuss, führte sie zu einer ersten leitenden Position und in das Kuratorium des San-Francisco Museum of Modern Art. Sie zeigte sich auf wichtigen öffentlichen und glamourösen Veranstaltungen und geriet immer mehr ins Rampenlicht.
2002 gewann sie die Wahl zur Bezirksstaatsanwältin. Ihr Programm: die Verurteilungsquote zu erhöhen und gegen die Kriminalität anzugehen. Gleichzeitig setzte sie sich gegen die Todesstrafe ein, was bei den Republikaner*innen zwar mehrheitlich auf Ablehnung stieß. Bestätigt in ihrer zweiten Amtsperiode wurde sie dennoch. Ihre geschickte Taktik war, weniger links als ihre Gegner*innen zu wirken. Sie versprach einerseits Reformen und appellierte andererseits gleichzeitig an die konservativen Wähler*innen.

2010 ging sie als Siegerin bei der Wahl zur Generalstaatsanwältin von Kalifornien hervor, ein Amt, das als Sprungbrett ins Amt der Gouverneurin diente. Auf ihrem Programm stand nach wie vor die Ablehnung der Todesstrafe – auch wenn sie sich öffentlich dazu nicht äußerte –, die Befürwortung der gleichgeschlechtlichen Ehe und der Einsatz für Umweltschutz. Auch vier Jahre später konnte sie ohne sonderliche Schwierigkeiten die Wahl zur Generalstaatsanwältin zum zweiten Mal gewinnen. Kurz nach der Wahl bewarb sie sich um das Amt als Senatorin - der Sieg war ihr gewiss.

Die politische Karriere

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten war auch für Kamala Harris ein Schock. Sie machte es sich fortan zur Aufgabe, den politischen Widerstand gegen den frauenverachtenden, rassistischen und korrupten Präsidenten anzuführen. Dazu gehörte in erster Linie Trumps Vorgehen gegen Einwanderer, Arbeiter*innenfamilien und People of Color.
Ende Januar 2019 kündete Kamala Harris an, dass sie für das Amt der Präsidentin der USA kandidieren würde. Sie legte einen phänomenalen Start hin, doch ihre Umfragewerte stürzten bald in den einstelligen Bereich ab, was vor allem daran lag, dass sie nicht genügend Spendengelder einholen konnte. Daraufhin beschloss sie, ihre Kandidatur zurückzuziehen.

Im März 2020 teilte Joe Biden mit - er stand kurz vor seiner Nominierung zum US-Präsidenten -, dass er das Vize-Präsidentenamt mit einer Frau besetzen wolle. Das war Kamala Harris Chance. Unter allen Anwärterinnen entschied sich Joe Biden für Kamala Harris. Eine gute Wahl, wie der Ausgang der Präsidentschaftswahl gezeigt hat. Nun muss die Zukunft zeigen, dass die beiden auch halten, was sie versprechen.

AVIVA-Tipp: Die Biografie über Kamala Harris ist das spannende Portrait einer zielstrebigen, engagierten und sympathischen Politikerin, die sich für soziale Themen, den Umweltschutz aber auch für die Bekämpfung von Kriminalität einsetzt. Kamala Harris versteht es, durch geschicktes Agieren auch republikanische Anhänger*innen für sich zu gewinnen. Es wird spannend, was sie in den nächsten vier Jahren in ihrem Amt als Vize-Präsidentin bewirken und ob sie die gespaltene USA wieder versöhnen kann.

Kamala Harris im Netz:
Auf Twitter und auf Instagram.
Die offizielle Seite des Weißen Hauses sowie im Biographischen Verzeichnis des Kongresses der Vereinigten Staaten.

Zum Autor: Dan Morain, ein Journalist aus Kalifornien, schreibt seit über 40 Jahren über politische und juristische Themen. Er war 27 Jahre lang als Redakteur bei der Los Angeles Times und acht Jahre bei der Sacramento Bee tätig.

Dan Morain – Kamala Harris – Die Biografie
Heyne Verlag, Erscheinungstermin 01/2021
Gebunden, 384 Seiten mit 8 S. farbiger Bildteil
Originaltitel: Kamala´s Way
Übersetzer*innen: Sylvia Bieker, Christiane Bernhardt, Karsten Singelmann, Astrid Becker, Eva Schestag, Henriette Zeltner-Shane, Pieke Biermann, Hella Reese, Stephan Kleiner
ISBN 978-3-453-21824-6
Euro 22,00
Mehr zum Buch unter: www.randomhouse.de

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Literatur

Beitrag vom 03.02.2021

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