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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.03.2010

UNBELICHTET. M├╝nchner Fotografen im Exil
Sharon Adler

Die Begleitpublikation zur gleichnamigen Ausstellung des J├╝dischen Museums M├╝nchen von Februar bis Mai 2010 stellt, neben einem erstmals erstellten bio-bibliografischen Lexikon aller j├╝dischen Fotografinnen udn Fotografen, die in M├╝nchen gelebt und gewirkt haben, die Arbeiten von drei Fotografen vor: Alfons Himmelreich, Efrem Ilani und Jakob Rosner.



Diese drei konnten in den 1930er Jahren noch rechtzeitig nach Pal├Ąstina emigrieren und in den Folgejahrzehnten mit ihren eindrucksvollen Schwarz-Wei├č Aufnahmen die Entstehung, die Atmosph├Ąre sowie den Gr├╝nderInnen- und Zeitgeist des Landes dokumentieren. Ma├čgeblich beteiligt waren sie durch ihre Arbeit am Bild des "Neuen Hebr├Ąers", der nun endlich die Karikatur des ostj├╝dischen Shtetljuden abl├Âsen sollte.

Die Fotografien waren haupts├Ąchlich Auftragsarbeiten f├╝r den Keren Kajemeth LeIsrael (KKL) oder den Keren HaYesod (KH), eine im Jahr 1901 gegr├╝ndete Wohlt├Ątigkeitsorganisation, die mittels Informationsmaterial das Engagement des KKL in Pal├Ąstina dokumentieren wollte, um so die zionistische Idee zu verbreiten und m├Âglichst viele Juden und J├╝dinnen in das Land zu bringen.
Die Fotografien von Alfons Himmelreich (1904-1993), Efrem Ilani (1910-1999) und Jakob Rosner (1902-1950) zeigen den, allen widrigen Umst├Ąnden trotzenden, konstanten Aufbau des Landes, beginnend mit der Dokumentation der Situation in Pal├Ąstina unter britischem Mandat bis 1948.

Durch die in die Emigration gezwungenen M├╝nchner Fotografen gelangte auch der sich seit Ende der 1920er Jahre durchsetzende fotografische Stil des Neuen Sehens nach Pal├Ąstina und sp├Ąter nach Israel.
Gemeinsam ist den Dokumentar- und Industrieaufnahmen die schn├Ârkellose und dabei dynamische Bildsprache, die nun an Stelle romantisierender Landschaftsimpressionen treten sollte. Die Aufnahmen zeigen haupts├Ąchlich das Werk und die Anstrengungen derer, die ma├čgeblich am Aufbau des Landes beteiligt waren: Textil- und LandarbeiterInnen ebenso wie Menschen bei der Pflanzung des Waldes der Verteidiger um 1950, Elektriker bei der Errichtung von Verteilern oder Stra├čenbauern bei der Verlegung von Wasserrohren im Negev.
Doch auch technisches Ger├Ąt, so Ersatzteile f├╝r die Autoindustrie oder Schaufenster in Tel Aviv und das Innere einer Textilfabrik in Haifa wurden abgelichtet.

Deutlich wird in den eindringlichen Fotografien die Entschlossenheit in der Realisierung dieses waghalsigen Unterfangens, darunter auch, die W├╝ste urbar zu machen. Ob inszenierte Industrieaufnahme oder die ungestellte Momentaufnahme einer Stra├čenszene ÔÇô sp├╝rbar ist die Liebe zum Detail, der Komposition und zur Lichtf├╝hrung.

Ein besonderes Anliegen der AusstellungsmacherInnen und HerausgeberInnen der Begleitpublikation war es auch, durch die Schoa "Verschwundenes, Verborgenes und Vergessenes wieder in das kulturelle Ged├Ąchtnis zur├╝ckzuholen". "UNBELICHTET. M├╝nchner Fotografen im Exil" setzt der Arbeit derer ein Denkmal, die Ausstellung und das Erscheinen der Begleitpublikation nicht mehr erleben konnten. Mit der bio-bibliografischen Lexikon 1900-1938 wird den LeserInnen zudem ein wertvolles Kompendium zur Verf├╝gung gestellt, das dazu anregt, mehr zu den genannten und zum gr├Â├čten Teil unbekannten FotografInnen zu recherchieren.

AVIVA-Tipp: "UNBELICHTET. M├╝nchner Fotografen im Exil" zeigt nicht nur den Gestaltungsprozess des Landes Israel sondern auch die ganze Bandbreite des Schaffens der hier gew├╝rdigten Fotografen. Dank an die AusstellungsmacherInnen und HerausgeberInnen, denen es gelungen ist, verschwundenes und vergessenes Archivmaterial zu neuem Leben zu erwecken und f├╝r die ├ľffentlichkeit zug├Ąnglich zu machen.

Zur Herausgeberin: Tatjana Neef, 1979 in Leipzig geboren, studierte in Potsdam und Haifa J├╝dische Studien und Geschichtswissenschaften. Von 2004 bis 2007 war sie f├╝r das American Jewish Committee t├Ątig und wirkte an der Erstellung eines Demokratiebildungsprogramms f├╝r Sch├╝lerInnen mit. Im Rahmen ihres wissenschaftlichen Volontariats am J├╝dischen Museum M├╝nchen von 2008 bis 2010 realisierte sie unter anderem zwei Kabinettsausstellungen zur j├╝dischen Geschichte der Stadt M├╝nchen.


Tatjana Neef (Herausgeberin)
Bernhard Purin, Sabine Brantl, Tatjana Neef (AutorInnen)
UNBELICHTET. M├╝nchner Fotografen im Exil

K├╝nstler: Alfons Himmelreich, Efrem Ilani, Jakob Rosner
Festeinband, 23 x 27,5 cm, 144 Seiten, 116 S/W-Abb.
Deutsch/Englisch
ISBN 978-3-86828-114-9
36 Euro
Kehrer Verlag, erschienen 2010

Die Publikation "Unbelichtet. M├╝nchner Fotografen im Exil" erschien anl├Ąsslich der gleichnamigen Ausstellung des J├╝dischen Museums M├╝nchen von Februar bis Mai 2010.
Weitere Informationen finden Sie unter: www.juedisches-museum.muenchen.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Drei Fotografinnen. Eine Doku von Antonia Lerch

Ellen Auerbach. Das dritte Auge

Eine Frau mit Kamera - Liselotte Grschebina. Deutschland 1908 - Israel 1994


Literatur Beitrag vom 25.03.2010 Sharon Adler 





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