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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.03.2011

Angela Elis - Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr
Ute Vetter

Die erste √úberlandfahrt der Welt mit dem dreir√§drigen Motorwagen auf unwegsamen Stra√üen, ohne Tankstellen, F√ľhrerschein und Verkehrszeichen wurde von einer Frau mit ihren zwei Kindern...



.... durchgef√ľhrt.

Die Romanbiographie erz√§hlt die Geschichte einer Beziehung, in der ein Traum vom pferdelosen Stra√üenwagen die H√∂hen, Tiefen, Pleiten und Pannen einer Ehe √ľberstehen lie√ü. Im Mittelpunkt steht Bertha Benz, die ihren Ehemann, den Erfinder Carl Benz ihr Leben lang unterst√ľtzte.

Im Januar 1886 meldete Carl Friedrich Benz unter der Nummer 37435 beim Reichspatentamt in Berlin sein neues Fahrzeug zum Patent an. Bertha, seine Frau, fuhr zwei Jahre sp√§ter mit dem dreir√§drigen Benz-Motorwagen erstmalig die l√§ngste Strecke der Welt (ohne Pferd). Mit dieser Reise promotete sie das Mobil ihres Mannes. Mit ihren beiden S√∂hnen Eugen und Richard (damals 15- und 13-j√§hrig) bew√§ltigte sie die abenteuerliche Strecke von 106 Kilometer von Mannheim nach Pforzheim. Drei Tage sp√§ter nahm das Trio eine andere Strecke zur√ľck.

Bertha stellt sich der Leserin als eine Frau dar, die ihren eigenen Weg gegangen ist und allen konventionellen Regeln und Pflichten entkommen zu sein scheint. Sie erhielt eine Ausbildung an einer Höheren Töchterschule und ihr größtes Trauma war der Eintrag ihres Vaters anlässlich ihrer Geburt in der Familienchronik: "Leider wieder nur ein Mädchen!"

Abbildungen und Fotos lockern die gut gegliederte und informative Romanbiographie der Eheleute auf und erinnern daran, dass es authentische Bez√ľge zur Vergangenheit gibt: Carl, der immer nur in der Werkstatt forschte, bastelte, baute, t√ľftelte und Bertha, die ihn unentwegt unterst√ľtzte, die Kinder zur Welt brachte und Carl immer wieder dazu ermunterte, im Zeitalter des Fortschritts ein zuversichtlicher Pionier zu sein.

Die biographischen Angaben st√ľtzen sich auf Recherchen der Autorin und eine Reise an die Wirkungsst√§tte des Ehepaares. Angela Elis f√ľhrte Gespr√§che mit den UrenkelInnen und suchte Firmenarchive auf. Carl und Bertha Benz f√ľhrten bedauerlicherweise kein Tagebuch und nur wenige Briefe oder Pers√∂nliches befindet sich in ihrem Nachlass. Am Anfang des Buchprojekts stand die Verwunderung der Autorin dar√ľber, "dass die Lebensgeschichte von Bertha Benz und das Auf und Ab ihrer fast sechzigj√§hrigen Ehe noch nie erz√§hlt wurde."(S. 339). Zum 125. Jahr des Automobils 2011 wollte sie dem etwas entgegensetzen.

Insgesamt pendelt die Romanbiographie etwas ungl√ľcklich zwischen dem Genre der Fiktion und dem der Authentizit√§t. Bekannte Daten und Fakten mischen sich mit Phantasie und das Buch weist neben der sachlichen Note Kommentare, Dialoge oder Gedanken der Autorin auf.
Ansichten, Lebenssituationen und Vorlieben des Ehepaares scheinen h√§ufig erzwungen nachempfunden. Carl und Bertha bleiben oberfl√§chlich gestaltete Charaktere. Bedeutende Tatsachen wiederum, wie die, dass Bertha Benz mit 84 Jahren in einem Radiointerview mit gro√üer Sachkenntnis √ľber die technischen Probleme bei der Erfindung des Automobils sprach, finden hingegen keine Erw√§hnung.

Die Biographie ist jedoch als eine bemerkenswerte Firmengeschichte zu lesen. Die Autorin Angela Elis platziert in konventioneller Erzählmanier die Entwicklung des Automobils neben das Leben der Eheleute und versucht den Zeitgeist der Jahrhundertwende zu skizzieren. Das Portrait von Carl und Bertha Benz wird leider durch dieses Buch nicht viel schärfer. Schade.

Zur Autorin: Angela Elis, geboren und aufgewachsen in Leipzig, ist als Fernsehmoderatorin des Wissenschafts- und Zukunftsmagazins nano auf 3sat und verschiedener Sendungen von ARD und ZDF bekannt. Sie studierte Theologie, Kunstgeschichte und Psychoanalyse. Zusammen mit Michael J√ľrgs schrieb sie "Typisch Ossi ‚Äď typisch Wessi. Eine l√§ngst f√§llige Abrechnung unter Br√ľdern und Schwestern und Kreuzweise deutsch. Politisch Unkorrektes aus Ost und West". Sie lebt mit ihrer Familie in Freiberg.(Quelle: Hoffmann und Campe Verlag)

AVIVA-Tipp: Die vorliegende Romanbiographie bettet die fast sechzig Jahre andauernde Ehe von Carl und Bertha Benz in die Geschichte der Automobilindustrie. Die Autorin erz√§hlt nicht nur von den M√ľhen einer abenteuerlichen Reise, die in die Geschichte einging, sondern gibt einen famili√§ren Einblick in das Zeitalter des Fortschritts. Faktenreich kreiert Angela Elis eine Romanbiographie, die knapper gefasst, mehr Esprit gehabt h√§tte.

Angela Elis
Mein Traum ist länger als die Nacht. Wie Bertha Benz ihren Mann zu Weltruhm fuhr

Hoffmann und Campe Verlag, erschienen März 2010
www.hoffmann-und-campe.de
Gebunden, 352 Seiten, mit Fotos
ISBN: 978-3-455-50146-9
20,00 Euro

Hinweis: Am 25. Mai 2011 um 20.15 Uhr wird im Rahmen der Themenwoche "Mobilit√§t" der neue Spielfilm √ľber Bertha und Carl Benz "Carl und Bertha" mit Felicitas Woll als Bertha und Ken Duken als Carl Benz in der ARD ausgestrahlt.
(www.swr.de/kultur/film/carlundbertha)

Weitere Infos zum Thema Carl und Bertha Benz finden Sie unter: www.zeno.org/Naturwissenschaften/M/Benz

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:
Damenwahl ‚Äď Frauen und ihre Autos, Bildband von Sharon Adler, Fotografin und Herausgeberin der AVIVA-Berlin

Frauen in der Automobilbranche, Artikel aus der Existenzielle von Nicola Schuldt-Baumgart

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Literatur Beitrag vom 29.03.2011 AVIVA-Redaktion 





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