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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 13.03.2011

Karen Duve - Anständig Essen
Britta Leudolph

Von der passionierten Alles-Konsumentin zur Fast-Veganerin: Karen Duve macht den Selbstversuch: Jeweils 2 Monate testet sie moralisch inspirierte Lebensweisen. Ein steiniger Weg, der Erkenntnis,...



... aber auch den Abschied von vielen liebgewonnene Gewohnheiten bedeutet.

Nach dem letzten Lebensmittelskandal, dem Dioxin-Skandal, ist in Deutschland eine rege Debatte √ľber Massentierhaltung aufgekommen. Zu dem Thema sind mehrere B√ľcher erschienen, unter anderem "Tiere Essen" von Jonathan Safran Foer, der sich umfassend mit den Grausamkeiten der industriellen Fleischerzeugung befasst und in den USA damit viel Aufmerksamkeit erregte. Sein Werk legt eine vegetarische Lebensweise nahe und fragt, ob es n√∂tig ist, √ľberhaupt noch Fleisch zu essen, schlie√ülich g√§be es gen√ľgend Alternativen, f√ľr die keine Tiere mehr gequ√§lt werden m√ľssen.

Karen Duve ist bis zu ihrem Beschluss, "ein besserer Mensch zu werden", alles andere als eine √∂kologisch korrekte Konsumentin, sie isst und trinkt sich quer durch das Angebot industriell erzeugter Produkte, hat eine besondere Vorliebe f√ľr die "Grillh√§hnchenpfanne f√ľr 2,99 Euro" und kann ohne Coca Cola Light nicht arbeiten. Einzig ihre Mitbewohnerin, die sie nach dem personifizierten Gewissen der Holzpuppe Pinocchio "Jiminy Grille" nennt, appelliert immer wieder an ihre Vernunft. So beschlie√üt Duve zum Jahreswechsel 2009/2010 ihren Lebensstil zu √§ndern und ein Buch dar√ľber zu schreiben. Jeweils zwei Monate lang will sie moralisch anspruchsvolle Lebensweisen testen: Sie beginnt mit einer Ern√§hrung mit ausschlie√ülich biologisch-organisch erzeugten Lebensmitteln, f√§hrt mit einer zun√§chst vegetarischen, dann veganen Ern√§hrungsweise fort, zuletzt ern√§hrt sie sich 2 Monate lang frutarisch, isst also nur Pflanzen, die ihre Fr√ľchte freiwillig hergeben ohne dabei Schaden zu nehmen.

Die erste Phase ihrer Lebens- und Ern√§hrungsumstellung verursacht bei der Autorin zun√§chst einmal h√∂here Kosten. Duve diskutiert recht ausgiebig das Angebot der Bio-Company und muss immer wieder feststellen, wie sehr sie an die vielen Geschmacksverst√§rker der konventionell erzeugten Produkte gew√∂hnt ist: "Der zweite gro√üe Vorsprung, den die mit Chemie und √∂kologischem Leichtsinn operierenden Lebensmittelhersteller gegen√ľber der Bio-Branche haben, ist nat√ľrlich der, dass ich bereits mit ihren Produkten aufgewachsen bin und mich an den Geschmack gew√∂hnt habe. Au√üerdem hatte ich 48 Jahre Zeit, die Marken herauszufinden, die mir am besten schmecken." Die Umstellung auf eine vegetarische und sp√§ter auf die vegane Ern√§hrung erfordert zudem ein umfangreiches Wissen √ľber die Inhaltsstoffe der verschiedenen Produkte. Von immer mehr vorher so hei√ügeliebten Lebensmitteln muss sie sich verabschieden.

Neben ihren neuen Essgewohnheiten besch√§ftigt sich die Autorin vornehmlich mit Literatur zu diesem Thema. So findet sie immer mehr Argumente gegen den Fleischkonsum. Sie trifft sich mit den unterschiedlichsten VerfechterInnen der einen oder der anderen Ern√§hrungsweise, beginnt damit, die Menschen ihrer Umgebung und ihre Familie zu belehren und versucht, ihre Katzen von veganer Kost zu √ľberzeugen. Komischerweise fangen diese daraufhin an, vermehrt M√§use zu fangen.

Am Ende ihres Selbstversuchs steht die Entscheidung, wie sie nun in Zukunft leben möchte.

Zur Autorin: Karen Duve, 1961 in Hamburg geboren, lebt in Brandenburg. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, ihre Weihnachtsgeschichten "Weihnachten mit Thomas M√ľller" und "Thomas M√ľller und der Zirkusb√§r" sind inzwischen Klassiker, ihre Romane "Regenroman" (1999), "Dies ist kein Liebeslied" (2002), "Die entf√ľhrte Prinzessin" (2005) und "Taxi" (2008) waren Bestseller und wurden in 14 Sprachen √ľbersetzt.

AVIVA-Tipp Karen Duve hat es sich nicht leicht gemacht, es geh√∂rt sicherlich eine geh√∂rige Portion Idealismus und Konsequenz dazu, sein Leben so entscheidend zu √§ndern. Sie betreibt einen erheblichen Aufwand und besch√§ftigt sich umfassend mit Fakten, die ausdr√ľcklich gegen eine fleischliche Ern√§hrung sprechen. Sie verbannt nicht nur fleischliche Kost aus ihrem Leben, sondern verzichtet zunehmend auch auf weitere Produkte, f√ľr die Tiere ihr Leben lassen mussten wie Lederwaren oder Daunenbetten. Und doch wirkt ihr Buch seltsam aufgesetzt. Mit ihren Belehrungen schl√§gt sie oft √ľber die Str√§nge und √ľberzeugt auch nicht vor dem Hintergrund, dass sie ihr Leben doch erst vor kurzem umgestellt hat. "Anst√§ndig Essen" ist EinsteigerInnenlekt√ľre, f√ľr jene, die sich auch erst seit kurzem mit dem Thema besch√§ftigen.

Karen Duve
Anständig essen. Ein Selbstversuch

Galiani Berlin Verlag, erschienen Januar 2011
Gebunden mit Schutzumschlag, 338 Seiten
ISBN 978-3-86971-028-0
19,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit Karen Duve

Hilfe, jetzt m√ľssen wir auch noch bessere Menschen werden, die AVIVA-Kolumne von Isabell Serauky

We feed the world

"The Story of Stuff. Wie wir unsere Erde zum√ľllen" von Annie Leonard

"Landleben. Von einer, die raus zog" von Hilal Sezgin

Good Food. Bad Food. Anleitung f√ľr eine bessere Landwirtschaft

"Tiere Essen" von Jonathan Safran Foer

Literatur Beitrag vom 13.03.2011 Britta Leudolph 





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