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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.09.2008

Beate und Serge Klarsfeld ÔÇô Endstation Auschwitz. Die Deportation deutscher und ├Âsterreichischer j├╝discher Kinder aus Frankreich
Franziska Nixdorf

├ťber 11.400 Kinder wurden im Nationalsozialismus aus Frankreich in Vernichtungslager deportiert und dort ermordet. Beate und Serge Klarsfeld erinnern mit ihrem Buch an deren Gesichter und Geschichte.



Bis heute ist es unbeschreiblich, mit welcher Grausamkeit Juden w├Ąhrend des Nationalsozialismus in den europ├Ąischen L├Ąndern gefangen genommen und get├Âtet wurden. Keinem Menschen gelingt es, die Sinnlosigkeit und Ersch├╝tterung dar├╝ber in Worte zu fassen. Dies ist der Grund, warum Beate und Serge Klarsfeld in ihrem Buch "Endstation Auschwitz. Die Deportation deutscher und ├Âsterreichischer j├╝discher Kinder aus Frankreich" nicht nur Worte, sondern auch Bilder f├╝r sich sprechen lassen.

Es zeigt die unbeschwerten Gesichter von Kindern und Jugendlichen, die nicht ahnten, wie kurz ihr Leben sein w├╝rde. Sie wussten nicht, dass sie zu den j├╝dischen Kindern geh├Âren w├╝rden, die zwischen 1942 und 1945 von den NationalsozialistInnen aus Frankreich verschleppt und ermordet werden w├╝rden. BetrachterInnen lernen ihre Namen kennen, ihre Geschichte, ihr Schicksal. Mit seiner Einleitung geht Serge Klarsfeld in "Endstation Auschwitz" auf diese Hintergr├╝nde ein. Im Anschluss folgen die rekonstruierbaren Lebensl├Ąufe von 163 Kindern mit Fotos und anderen Dokumenten sowie eine vollst├Ąndige Liste der ermittelten Kinder. Dadurch k├Ânnen sie als individuelle und nicht als Massenopfer in Erinnerung bleiben. Briefe der Ermordeten dokumentieren zus├Ątzlich ihren tragischen Weg in den Tod getrennt von ihren Eltern.

Die Familien der Kinder stammten aus Deutschland und ├ľsterreich. Nachdem Hitler und sein NS-Regime an die Macht gekommen waren, planten die j├╝dischen Eltern zu ihrem Schutz die Flucht mit ihren Kindern nach Frankreich. Doch obwohl sie sich dort sicher glaubten, wurden die Familien von der franz├Âsischen Vichy-Regierung verraten und an die deutschen NationalsozialistInnen ausgeliefert.

Unter ihnen 11.400 j├╝dische Kinder im Alter zwischen zwei und achtzehn Jahren. Sie wurden gewaltsam von ihren Eltern getrennt und in Begleitung anderer Erwachsener nach Auschwitz deportiert, um den Schein zu wahren, dass Familien nicht entzweit wurden. Der erste von sieben Transporten mit Kindern war der Transport Nr. 20, in dem sich etwa 584 Kinder und Jugendliche befanden. In sp├Ąteren Transporten wurden selbst Neugeborene deportiert.

Zu den AutorInnen: Serge Klarsfeld, der 1935 als Sohn j├╝discher Eltern in Bukarest geboren wurde, ist Rechtsanwalt und Historiker. Auch er erlebte die Flucht vor den NationalsozialistInnen mit seiner Familie und verlor seinen Vater, der in Auschwitz ermordet wurde.
Beate Klarsfeld wurde durch ihre Ohrfeige am 7. November 1968 gegen den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger ber├╝hmt, dem sie seine Nazivergangenheit vorwarf. Die 1939 in Berlin geborene Journalistin k├Ąmpfte zusammen mit ihrem Mann unerm├╝dlich f├╝r die Bestrafung von NS-Verbrechern. Es ist vor allem ihnen zu verdanken, dass gegen einige Hauptverantwortliche des NS-Polizeiapparates in Frankreich Strafprozesse gef├╝hrt wurden. 1971 versuchte sie gemeinsam mit ihrem Mann, den f├╝r die Deportation von 76.000 Menschen aus Frankreich verantwortlichen Kurt Lischka gewaltsam aus Deutschland zu entf├╝hren und der Justiz in Paris auszuliefern. Weiterhin bewirkten sie unter anderem Verfahren gegen Herbert Hagen, Ernst Heinrichsohn, Klaus Barbie und Alois Brunner, die ebenso f├╝r die Ermordung hunderttausender Juden verantwortlich waren.
Beate Klarsfeld ist zusammen mit ihrem Mann Serge Klarsfeld Begr├╝nderin der franz├Âsischen Organisation "Fils et Filles des D├ęport├ęs Juifs de France", FFDJF, und der Beate Klarsfeld Foundation, die auf die Vergangenheit zahlreicher NS-Verbrecher aufmerksam machte und Gerechtigkeit forderte. Die franz├Âsische Bahn SNCF unterst├╝tzte das Fotoprojekt der Organisation ├╝ber die 11.400 ermordeten j├╝dischen Kinder und zeigte drei Jahre lang auf 18 Bahnh├Âfen eine Wanderausstellung. Die Deutsche Bahn hingegen lehnte diese Ausstellung "aus Sicherheitsgr├╝nden" ab. Erst 2006 fand eine Einigung ├╝ber die Wanderausstellung "Sonderz├╝ge in den Tod" statt.

Weitere Informationen zur Beate Klarsfeld Foundation finden Sie unter:
www.klarsfeldfoundation.org

Weitere Informationen zur franz├Âsischen Organisation "Fils et Filles des D├ęport├ęs Juifs de France"/FFDJF (S├Âhne und T├Âchter der j├╝dischen Deportierten Frankreichs) finden Sie unter:
ffdjf.org

AVIVA-Tipp: Beate und Serge Klarsfeld konnten nach jahrezehntenlangen Recherchen mit "Endstation Auschwitz" ein Gedenkbuch an die Deportation aller j├╝discher Kinder aus Frankreich schaffen, das unter die Haut geht. Die fr├Âhlichen, unbeschwerten Augen, die die BetrachterInnen auf den Bildern anschauen und die nicht ahnten, welches Schicksal ihnen bevorstand, lassen einen nicht mehr los. Das Buch erm├Âglicht nicht nur eine historisch informative, sondern ebenso eine sehr pers├Ânliche Betrachtungsweise der Schicksale tausender junger Menschen, die ihr ganzes Leben noch vor sich hatten. Ihr sinnloser und grausamer Tod sollte eine Mahnung sein und jedem/r vor Augen halten, dass solche Verbrechen nie wieder geschehen d├╝rfen.

Beate und Serge Klarsfeld
Endstation Auschwitz
Deportation deutscher und ├Âsterreichischer j├╝discher Kinder aus Frankreich
Ein Erinnerungsbuch

B├Âhlau Verlag, 1. Auflage, erschienen im August 2008
Gebundene Ausgabe, 187 Seiten, 24 x 16 x 1,8 cm
ISBN: 978-3-412-20156-2
Preis: 17,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Initiative Elftausend Kinder - Deutsche Bahn AG verweigert Stellpl├Ątze f├╝r Fotoausstellung.

Literatur Beitrag vom 08.09.2008 AVIVA-Redaktion 





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