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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.09.2017

Stefan Moses - Begegnungen mit Peggy Guggenheim
Silvy Pommerenke

Zweimal kam es zu Begegnungen zwischen dem Fotografen Stefan Moses und der Kunstsammlerin Peggy Guggenheim. 1969 und 1974. Beide Male reiste Moses nach Venedig, wo Guggenheim ihren ber├╝hmt-ber├╝chtigten Palazzo Venier dei Leoni hatte, der ihr Wohnraum und ├Âffentliches Museum zugleich war.



Dem Wahl-M├╝nchner Stefan Moses ist ein schillerndes Portrait einer schillernden Pers├Ânlichkeit gelungen, die zu Lebzeiten bereits eine Legende war. Und dies alles vor der Kulisse Venedigs, "die Stadt als B├╝hne, in deren Mittelpunkt Peggy Guggenheim als launenhafter Star und Paradiesvogel agiert". Mit dabei nat├╝rlich immer ihre hei├čgeliebten Lhasa-Terrier. Vierzehn St├╝ck hatte sie zwischen 1949 und 1979. Und was k├Ânnte bei dieser tierischen Liebe angebrachter sein, als dass sie neben ihrem Frauchen begraben liegen. Im Garten der Villa finden sich die beiden Grabsteine. Auf dem der Hunde lautet die Inschrift: "Here lie my beloved Babies". Peggy Guggenheim, exzentrisch, bis ├╝ber ihren Tod hinaus.

Aber neben ihrer Leidenschaft f├╝r Hunde hatte sie zeitlebens vor allem eine au├čergew├Âhnliche Leidenschaft f├╝r moderne Kunst. Seit 1938 sammelte sie diese und war gleichzeitig M├Ązenin. Vor allem leistete sie einigen ber├╝hmten europ├Ąischen K├╝nstlerInnen finanzielle Hilfe, die vor den Nazis fliehen mussten. Selbst einer j├╝dischen Familie entstammend, musste auch sie Frankreich verlassen, jedoch nicht bevor auch der Transport ihrer mittlerweile beachtlichen Sammlung europ├Ąischer Kunstwerke nach Amerika geregelt war. Gemeinsam mit Max Ernst, den sie noch im gleichen Jahr heiratete, floh sie 1941 von Frankreich nach New York. Peggy Guggenheim ├╝bersiedelte 1948 schlie├člich nach Venedig, wo sie den Palazzo Venier dei Leoni am Canal Grande mit Garten aus dem 18. Jahrhundert kaufte und umbauen lie├č. Ab 1951 ├Âffnete sie ihn in den Sommermonaten auch f├╝r die ├ľffentlichkeit. Der Palazzo ist im vorliegenden Bildband sowohl Kulisse als auch B├╝hne, auf der Peggy Guggenheim trotz ihres Alters nichts an Ausdruckskraft verloren hat. Das ganze Haus atmet Kunst aus und Guggenheim inmitten dieses musealen Ambientes zu sehen, ist ├Ąu├čerst beeindruckend. Selbst ihr t├╝rkisfarbenes Schlafzimmer hat sie f├╝r Moses ge├Âffnet, und das Kopfteil des Bettes (von Alexander Calder 1945/46 angefertigt) findet in einer Nahaufnahme besonderes Augenmerk.

Ein weiterer Schatz des Bildbandes ist, dass auch das private Familienalbum von Peggy Guggenheim zu sehen ist, da Moses damals die Erlaubnis von ihr erhielt, dass er es ablichten durfte. Sp├Ątestens hier wird deutlich, mit welchen Ber├╝hmtheiten Guggenheim verkehrte. Neben ihrem kurzzeitigen Ehemann, dem Maler Max Ernst, sind dort unter anderem Marc Chagall oder Jackson Pollock zu finden. Moses Intention seiner Arbeit: "Fotografieren ist permanente Erinnerungsarbeit. Meine ist: Menschen festzuhalten, bevor sie verlorengehen."

Moses ist einer der bekanntesten Fotografen Deutschlands, der unter anderem f├╝r Magnum, Der Spiegel, Stern, Zeit-Magazin oder die S├╝ddeutsche Zeitung fotografierte. Geboren 1928 in Schlesien, begann mit 16 Jahren eine Ausbildung zum Fotografen, nachdem er als "Halbjude" von der Schule relegiert wurde. Kurz darauf, 1944, wurde er im Lager Ostlinde, dann im Lager Gr├╝nberg interniert, von wo er im Februar 1945 fliehen konnte. Seitdem hat er sich explizit dem Fotografieren gewidmet und machte 1967 mit seinem bahnbrechenden Bildband "Manuel" das erste Mal in der breiten ├ľffentlichkeit auf sich aufmerksam. Ein Werk, das bis heute G├╝ltigkeit hat und antiquarisch zu H├Âchstpreisen gehandelt wird. Stefan Moses bekam 1990 die David-Octavius-Hill-Medaille und 1991 den Kulturellen Ehrenpreis der Landeshauptstadt M├╝nchen verliehen. Eher f├╝r Schwarz-Wei├č-Fotografien bekannt, ver├Âffentlichte er neben "Manuel" unter anderem das Foto-Buch "Deutschlands Emigranten" ÔÇô Fotografien von fast durchweg j├╝dischen Emigrantinnen. Mit Begegnungen mit Peggy Guggenheim ver├Âffentlicht er nun erstmals Farb-Fotos. Der banale Grund daf├╝r war, dass er eigentlich die Gem├Ąlde-Sammlung von Guggenheim fotografieren wollte. Denn sein eigentliches Credo lautet: "Farbe vergeht, Schwarz-Wei├č besteht". Das Besondere an seiner Foto-Serie von Peggy Guggenheim: "eine Normalit├Ąt des Au├čergew├Âhnlichen, die ├╝ber jede Pose erhaben ist".

Neben den Fotografien findet sich ein Vorwort von Philip Rylands, dem Direktor der Peggy Guggenheim Collection Venedig wieder, der den Fotografen als "Diener der Erinnerung" bezeichnet. Zudem ist ein Essay von Thomas Elsen abgedruckt, dem Museumsleiter des H2 Zentrums f├╝r Gegenwartskunst im Glaspalast in Augsburg, worin er einen knappen Lebenslauf von Peggy Guggenheim und die beiden Zusammentreffen der Kunstsammlerin mit dem Fotografen schildert. Elsen hebt hervor: "die Kamera lichtet nicht nur ab, was da ist, sondern visualisiert, was Moses in Bildern fortdenkt".

AVVA-Tipp: Der Bildband ├╝ber Peggy Guggenheim zeigt zum Teil bislang unver├Âffentlichte Bilder der Kunstsammlerin vor der malerischen Kulisse Venedigs. Der Fotograf Stefan Moses hat sich der exaltierten Frau mit seiner Kameralinse aufs Ungew├Âhnlichste gen├Ąhert, so dass intime Portraits von Guggenheim entstanden sind. Auch inmitten ihrer unsch├Ątzbaren Kunstsammlung!

Zu Peggy Guggenheim: die US-amerikanische Sammlerin und Galeristin avancierte zu einer der bedeutendsten M├Ązeninnen der Kunst des 20. Jahrhunderts. Geboren 1898 als Nichte von Solomon R. Guggenheim, dem Stifter des gleichnamigen Museums in New York, legte Peggy Guggenheim mit Werken von Pablo Picasso, Piet Mondrian und Constantin Brancusi den Grundstein f├╝r eine der bedeutendsten Sammlungen moderner Kunst. Nicht aus Prestige- oder Modegr├╝nden, sondern frei nach ihren eigenen ├ťberzeugungen erwarb Peggy Guggenheim ausgew├Ąhlte Kunstwerke, weshalb ihre Sammlung ebenso Volkskunst und Werke weniger bekannter K├╝nstler wie auch Gem├Ąlde Kandinskys, Man Rays (der sie fotografierte), Rothkos oder Mondrians enth├Ąlt. Insgesamt verdankt ihr die Avantgarde eine zentrale Rolle in der Verbreitung und Rezeption moderner Werke. Der unerwartete Tod ihres Vaters Benjamin im Jahr 1912 beim Untergang der Titanic brachte Peggy jedoch nur ein vergleichsweise kleines Erbe ein. Mit 22 Jahren begann Peggy eine Ausbildung im New Yorker Buchladen "Sunwise Turn". Die 1916 von Madge Jenison und Mary Mowbray-Clarke gegr├╝ndete Buchhandlung wurde innerhalb kurzer Zeit zum kulturellen Fixpunkt in Manhattan und Peggy kam hier mit vielen K├╝nstler_innen und Intellektuellen in Kontakt, darunter auch mit Djuna Barnes. Bereits nach kurzer Zeit beschloss sie, nach Paris zu ziehen und konnte dort mit vielen K├╝nstler_innen und Schriftsteller_innen Freundschaft schlie├čen.
1922 heiratete sie den franz├Âsischen K├╝nstler Laurence Vail, mit dem sie einen Sohn, Sindbad, und eine Tochter, Pegeen, bekam. Die Ehe wurde bereits nach wenigen Jahren geschieden.
Trotz der vielen Aff├Ąren und Beziehungen mit verschiedenen K├╝nstlern, so auch mit Max Ernst, (mit dem sie von 1941ÔÇô1946 verheiratet war) Samuel Beckett und Yves Tanguy, gab es f├╝r Peggy Guggenheim nur einen Mann, den sie als den wichtigsten in ihrem Leben bezeichnete: John Holms, ein britischer Literaturkritiker, mit dem sie von 1928 bis zu seinem pl├Âtzlichen Tod 1934 eine Beziehung f├╝hrte. Am 23. Dezember 1979 starb Peggy Guggenheim in einem Krankenhaus au├čerhalb von Venedig.
(Quelle: AVIVA-Berlin)

Zu Stefan Moses: 1928 in Schlesien geboren, lebt seit 1950 in M├╝nchen. Mit seinen fotografischen Bildgeschichten wurde er zum eigentlichen Chronisten der Europ├Ąischen Nachkriegsgesellschaften. Als er in den 1960er-Jahren Life- und Konzeptfotografie zu einer neuen Bildsprache zusammenf├╝hrte, setzte er dem alten "entscheidenden Augenblick" eine k├╝nstlerisch und psychologisch ├╝berzeugende Alternative entgegen, die inzwischen selbst zum Klassiker neuer Fotografie wurde. Portr├Ątserien stehen seitdem im Zentrum. Heute geh├Âren diese Arbeiten zu den g├╝ltigen Geschichtsdokumenten unserer Zeit. (Quelle: Verlagsinformationen)

Stefan Moses
Begegnungen mit Peggy Guggenheim

Suhrkamp Verlag, erschienen Mai 2017
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 144 Seiten
123 Fotografien (schwarz-wei├č und farbig)
Gr├Â├če: 23,1 x 2,5 x 29,9 cm
ISBN: 978-3-945543-34-4
Euro 48,00
www.suhrkamp.de

Mehr Infos zu Peggy Guggenheim unter:

Peggy Guggenheim Collection www.guggenheim-venice.it

Die Guggenheim Museen und Sammlungen www.guggenheim.org

Publikationen zu Peggy Guggenheim in der Deutschen Nationalbibliothek portal.dnb

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

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