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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 20.02.2016

Else Krell - Wir rannten um unser Leben. Illegalit├Ąt und Flucht aus Berlin 1943. Herausgegeben von Claudia Schoppmann
Sharon Adler

Sorgf├Ąltig und kenntnisreich hat die Historikerin und Publizistin die ihr anvertrauten Erinnerungen und Manuskripte in Buchform aufbereitet und schlie├člich, sechs Jahre sp├Ąter, eine Ver├Âffentlichung erwirkt.



Dr. Claudia Schoppmann forscht und publiziert seit vielen Jahren zur Geschichte lesbischer Frauen im Nationalsozialismus, wof├╝r sie mehrfach ausgezeichnet wurde. Erst im November 2015 wurde auf ihre Initiative in Berlin-Mitte ein Stolperstein im Gedenken an Elli Smula verlegt, die 1940 als lesbisch denunziert, verhaftet und ins KZ Ravensbr├╝ck deportiert wurde. Die biografische Zusammenstellung haben wir im Dezember 2015 auf AVIVA ver├Âffentlicht.

Mindestens ebenso lange arbeitet die Historikerin und Publizistin im Bereich der Exilforschung. Neben diversen Publikationen zum Thema wie "Im Fluchtgep├Ąck die Sprache. Deutschsprachige Schriftstellerinnen im Exil" war sie Fellow am Center for Advanced Holocaust Studies am United States Holocaust Memorial Museum in Washington, DC.

In Berlin hat sie als Mitarbeiterin der Gedenkst├Ątte Deutscher Widerstand die 2008 er├Âffnete Dauerausstellung "Stille Helden. Widerstand gegen die Judenverfolgung 1933-1945" mit konzipiert und ist bis heute f├╝r deren Erg├Ąnzung und Erweiterung aktiv. Am Zentrum f├╝r Antisemitismusforschung der Technischen Universit├Ąt Berlin war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland.

Als sie f├╝r die Ausstellung "Fluchtziel Schweiz" der Gedenkst├Ątte Stille Helden die Geschichte von 28 j├╝dischen Frauen und M├Ąnnern, die aus Berlin kommend mit Hilfe von Fluchthelfer_innen 1943/44 vom Bodensee aus in die Schweiz fl├╝chten konnten, kam sie lange bei einem der Namen nicht weiter: Margot Linczyc. Im Jahr 2009, einige Monate nach der Er├Âffnung, erreichte Claudia Schoppmann ein Brief von Margot Linczyc, die vor ihrer Heirat Murzynski hie├č.
Im Zuge ihrer Recherchen konnte die Historikerin nicht ausfindig machen, was aus Margot und ihrer Mutter Else geworden war, bis diese Kontakt zu ihr aufnahm. Ein Gl├╝cksfall.

Die nun vorhandenen Informationen bilden die Grundlage f├╝r dieses Buch. Es schildert anhand der Aufzeichnungen von Else Krell/Else Murzynski (1900-1989), wie Else Krell unter dramatischen Umst├Ąnden den Nazis entkam und dar├╝berhinaus auch, wie diese mutige Frau ihr Leben vor und nach den Nazis lebte.

Else Krell heiratete zwanzigj├Ąhrig den Kaufmann Adolf Murzynski. 1936 mussten sie und ihr ebenfalls j├╝discher Mann ihr Kaufhaus in Weiden in der Oberpfalz verkaufen und sie zogen darauf hin nach Berlin.
In ihren Erinnerungen beschreibt sie, wie nach 1933 Diskriminierung und Verfolgung das Leben ihrer Familie immer mehr einschr├Ąnkten und sie schlie├člich auseinanderrissen. Ende Januar 1943 entgingen sie und ihre Tochter Margot in letzter Minute der Gestapo und damit der drohenden Deportation. Monatelang lebten sie "illegal" in Berlin und Umgebung, immer auf der Suche nach neuen Verstecken. Dabei halfen ihnen wohlgesonnene Menschen, aber auch solche, die aus der Verzweiflung noch Profit schlagen wollten. Im November 1943 gelang Mutter und Tochter schlie├člich eine dramatische Flucht in die Schweiz, wo sie das Kriegsende in Sicherheit erleben konnten.

AVIVA-Tipp: Der akribischen Recherche und Initiative der Historikerin und Publizistin Claudia Schoppmann ist es zu verdanken, dass dieses Buch ├╝berhaupt erscheinen konnte. Das von Claudia Schoppmann im Herbst 2015 herausgegebene Buch der j├╝dischen Zeitzeugin Else Krell verhilft deren (lange versch├╝tteten) und ihrer dramatisch-couragierten Lebensgeschichte zu einer verdienten ├ľffentlichkeit und hat unbedingt Leser/innen verdient.

Claudia Schoppmann
Else Krell. Wir rannten um unser Leben
Illegalit├Ąt und Flucht aus Berlin 1943

Metropol Verlag, Publikationen der Gedenkst├Ątte Stille Helden, Band 5, erschienen Herbst 2015
229 Seiten
Preis: 19 Euro
www.metropol-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Elli Smula (1914-1943) - eine biografische Zusammenstellung von Dr. Claudia Schoppmann Am 16. November 2015 wurde auf Initiative der Historikerin und Publizistin in Berlin-Mitte gegen├╝ber der Singerstr. 120 ein Stolperstein im Gedenken an Elli Smula verlegt. Sie wurde 1940 als lesbisch denunziert, verhaftet und ins KZ Ravensbr├╝ck deportiert.

Marie Jalowicz Simon - Untergetaucht. Eine junge Frau ├╝berlebt in Berlin 1940-1945

Ilse-Margret Vogel - ├ťber Mut im Untergrund. Eine Erz├Ąhlung von Freundschaft, Anstand und Widerstand im Berlin der Jahre 1943-1945

Als J├╝din versteckt in Berlin. Margot Friedlander mit Malin Schwerdtfeger

Schuhhaus Pallas - Wie meine Familie sich gegen die Nazis wehrte

Inge Lammel, J├╝dische Lebenswege

Das Haushaltsbuch der Elsa Chotzen

├ťberleben in der H├Âlle

Ich besa├č einen Garten in Sch├Âneiche bei Berlin. Das verwaltete Verschwinden j├╝discher Nachbarn und ihre schwierige R├╝ckkehr von Jani Pietsch

Ruth Liepman - Vielleicht ist Gl├╝ck nicht nur Zufall. Erz├Ąhlte Erinnerungen

Mehr Informationen zum ├ťberleben im Untergrund finden Sie unter:

Inge Deutschkron: www.inge-deutschkron-stiftung.de

Gedenkst├Ątte Stille Helden: www.gedenkstaette-stille-helden.de

Quellen und Studien zu lesbischen Frauen im Nationalsozialismus

www.freie-radios.net Interview mit der Historikerin Claudia Schoppmann zum Thema Lesben im Nationalsozialismus


Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 20.02.2016 Sharon Adler 





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