Deborah Sharon Abeles, DESSA, Stolzesteine - Stones-of-Pride, Hommage an das Kaufhaus N. Israel, Berlin - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

VOM BAUEN DER ZUKUNFT ÔÇô 100 JAHRE BAUHAUS AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur > Jüdisches Leben AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 14.10.2016

Deborah Sharon Abeles, DESSA, Stolzesteine - Stones-of-Pride, Hommage an das Kaufhaus N. Israel, Berlin
Yvonne de Andr├ęs

Die in Afrika als Tochter j├╝discher Emigrant_innen geborene K├╝nstlerin hat sich in Berlin auf Spurensuche begeben und dabei kaum noch sichtbare Erinnerungsorte aufgesucht. ├ťber ihre k├╝nstlerischen Arbeiten versucht sie, vergessene Geschichten in das kollektive Ged├Ąchtnis zur├╝ckzubringen.



"Wie kann Kunst einer kollektiven j├╝dischen Erinnerung dienen?"fragt Deborah Sharon Abeles (DESSA). Ihr ist es ein Bed├╝rfnis, das kollektive Ged├Ąchtnis wieder lebendig zu machen. Dabei geht es der K├╝nstlerin auch um die Erinnerung an den Verlust in ihrer eigenen Familie. Diese vergessenen Geschichten m├Âchte sie wieder einbinden in die stadthistorischen Ereignisse und Narrative.

Bereits in ihrem Projekt "Ein Verm├Ąchtnis f├╝r Theresienstadt" hat sie sich im Jahr 1997 intensiv mit verschiedenen Formen und Perspektiven der Erinnerungs- und Ged├Ąchtniskulturen auseinandergesetzt. Sie hatte ihre Malerei mit der Musik von Viktor Ullmann verbunden,dem ├Âsterreichisch-ungarischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten, der nach seiner Deportation nach Theresienstadtin Ausschwitz-Birkenau vergast wurde.

Das neue Projekt besch├Ąftigt sich mit dem Kaufhaus Nathan Israel und seiner Familie.Der Familie geh├Ârte einst das ├Ąlteste und zeitweilig das gr├Â├čte Kaufhaus in Berlin. Der erste Standort lag in der J├╝denstra├če 18. Die darauf folgende Anschrift lautete im Jahr 1818: Am Molkenmarkt 2. Ein Ort, der 1818 noch vor den Toren Berlins lag. 1843 er├Âffnete das gro├če sechsst├Âckige Kaufhaus direkt an der Spandauer Stra├če gegen├╝ber des Roten Rathauses. Am 9. Februar 1939 wurde es "arisiert" und Wilfried Israel konnte zwar noch aus Deutschland fliehen, kam aber w├Ąhrend eines Fluges, die Maschine wurde von der Wehrmacht abgeschossen, ums Leben. Eine unscheinbare Erinnerungstafel (Ecke Spandauer Stra├če / Am Nu├čbaum) erinnert heute an die Kaufhausfamilie Nathan Israel.

DESSA malt und collagiert diese meist aus dem kollektiven Ged├Ąchtnis vergesseneGeschichten. So gestaltet sie u.a.das Bild "The World of Wilfried Israel" als eine Collage, die den Kosmos von Wilfried Israel mit Bildern, Namen, Gesichtern und Orten ausf├╝llt, denen man wie bei einer Spurensuche nachgehen kann. Wilfried Israels Portr├Ąt befindet sich zentral im Bild, es ist leicht mit wei├čer Kreide aufgetragen, drum herum befinden sich ein Foto des Kaufhauses N. Israel, wichtige Pers├Ânlichkeiten mit denen er verkehrte, wie z. B. Dr. Elisabeth Rotten, eine Schweizer J├╝din und Reformp├Ądagogin, Albert Einstein und Martin Buber. Es zeigt aber auch eine Abbildung des Kibbuz Hazorea, dem er seine Kunstsammlung vermachte. Die Collage ist ein Versuch, Bez├╝ge sichtbar zu machen.

Aus dieser und anderen Erfahrungen der Erinnerungs- und Mahnmalskultur wurde DESSA eine Verfechterin des Projekts Stolzesteine. Der Name ist abgeleitet aus dem Englischen: Stones-of-Pride. F├╝r DESSA bedeutet Stolpern = Scheitern. Daher setzt sie Stolpersteine mit "Schwierigkeit, Behinderung, die bestimmte Absichten oder das gute Ansehen von jemandem zunichtemachen kann", gleich. Dagegen setzt sie den Stolzestein, der f├╝r DESSA als Kennzeichnung von Anerkennung und Ehrung, Anerkennung und Wertsch├Ątzung einer Person steht.

Die Ausstellung "Hommage an das Kaufhaus N. Israel, Berlin" im Stadtmuseum Mitte (2015) fand ich anregend und eine gute Erg├Ąnzung zu den regelm├Ą├čigen Stadtf├╝hrungen die die Heinrich-B├Âll-Stiftung (Berlin) zu Wilfried Israel anbietet.
Auch ist die Idee, wie wir Gedenken und leere Erinnerungsr├Ąume wieder ins kollektive Ged├Ąchtnis einer Stadtgesellschaft hineintragen, sehr spannend. In Museum Moabit jedoch erlebte ich einen anderen Diskurs, der eine harsche Kritik an Gunter Demnigs Stolperstein-Initiative darbot, ohne eine wirklich konkrete Alternative zu bieten. Im Oktober 2004 wurde vor dem ehemaligen Standort des Kaufhauses Nathan Israel, Berlin-Mitte, Spandauer Stra├če 26-32 (heute Spandauer Stra├če 17), ein Stolperstein verlegt.

AVIVA-Tipp: "Stolzesteine ÔÇô Stones-of-Pride" erinnert an die Geschichte der Kaufhausfamilie Nathan Israel und stellt umfassend die wichtigen ├ťberlegungen und Ans├Ątze der K├╝nstlerin DESSA zur Mahnmahl- und Erinnerungskultur vor.

Zur Autorin: Deborah Sharon Abeles wurde 1948 in S├╝drhodesien, heute Simbabwe, als Tochter j├╝discher Emigrant_innen geboren. Sie studierte Ergotherapie in Israel. Ihre Arbeiten aus Musik und Bildender Kunst spiegeln ihre Auseinandersetzung mit dem k├╝nstlerischen Ausdruck im Dienst einer kollektiven Erinnerung, ihr Interesse an der j├╝dischen Geschichte, sowie ihrem eigenen Verlust der Familie in Auschwitz. Daraus entstanden"A Legacy from Theresienstadt" (1997) und "A Tribute to Kaufhaus N. Israel 1815ÔÇô1939" (2003). Ausstellungen in Deutschland, der Schweiz, der Tschechischen Republik, Polen, Frankreich und Italien. Seit 1983 Schweizer Staatsb├╝rgerin, lebt DESSA, so das Pseudonym der K├╝nstlerin und Autorin, mit ihrem Ehemann Herv├ę Petrozin Pully (Schweiz)und in Berlin.
Mehr Infos zur Autorin und K├╝nstlerin unter: dessa-art.com

Deborah Sharon Abeles DESSA
Stolzesteine ÔÇô Stones-of-Pride

Hommage an das Kaufhaus N. Israel, Berlin
Mit einem Essay von Holt Meyer
Sprache: Deutsch, Englisch
Hentrich & Hentrich Verlag, Hardcover, 96 Seiten, 34 Farbabbildungen
20,00 Euro [D]
Hentrich&Hentrich, erschienen 2015
ISBN: 978-3-95565-112-1
www.hentrichhentrich.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Gesa Kessemeier - Herrmann Gerson. Das erste Berliner Modekaufhaus
Die Mode- und Zeithistorikerin hat sich schon in ihrem Buch "Ein Feentempel der Mode oder Eine vergessene Familie, ein ausgel├Âschter Ort" der Unternehmens- und Familiengeschichte der Gersons gewidmet. Im Band 185 der Reihe "J├╝dische Miniaturen" recherchiert sie zu den Jahren 1836-1889. (2016)

Uwe Westphal - Ehrenfried & Cohn
Es ist der erste Roman, der sich der Modeindustrie und Konfektion Berlins w├Ąhrend der 1930er Jahre und der systematischen Enteignung j├╝discher Konfektion├Ąre annimmt. Ein historischer Roman ├╝ber die Berliner Konfektion und ihren Untergang ÔÇô und ein Roman dar├╝ber, wie Diktaturen den Charakter von Menschen verderben und ruinieren k├Ânnen. (2015)

Christoph Kreutzm├╝ller und Bjoern Weigel ÔÇô Nissim Zacouto. J├╝discher Wunderknabe und t├╝rkischer Teppichgro├čh├Ąndler
Der Hentrich & Hentrich Verlag hat sich auf Exilforschung und j├╝disches Leben spezialisiert. Mit seiner Miniaturen-Reihe holt er immer wieder fast vergessene j├╝dische Personen aus der Vergessenheit. (2011)

Die Wertheims. Von Erica Fischer und Simone Ladwig-Winters
Die Autorinnen rekonstruieren den Aufstieg der j├╝dischen Kaufmannsfamilie ├╝ber die zwangsweise Arisierung und Enteignung durch die Nazis bis zur Klage gegen den jetzigen Eigent├╝mer KarstadtQuelle (2004)

Literatur > Jüdisches Leben Beitrag vom 14.10.2016 Yvonne de Andr├ęs 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken