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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 11.01.2017

2x Terézia Mora - Die Liebe unter Aliens und Nicht sterben
Yvonne de Andrés

Die in Ungarn geborene und auf Deutsch publizierende Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Verfasserin von TheaterstĂŒcken TerĂ©zia Mora wird am 23. Januar 2017 mit dem 63. Bremer Literaturpreis fĂŒr ihren ErzĂ€hlbandband "Die Liebe unter Aliens" ausgezeichnet.



Ihre BĂŒcher wĂŒhlen auf. Lassen uns nicht indifferent fĂŒr ihre einsamen Figuren, Sonderlinge und Querköpfe, die durch ihr Leben stiefeln und dabei versuchen in dem verwirrenden Leben klar zu kommen. Dabei bleibt immer alles in Bewegung.

Die Liebe unter Aliens

Elf unterschiedlich fragile ErzĂ€hlungen umfasst der Band. In der ersten ErzĂ€hlung begegnen wir Hellmut. Er ist erst 57, sieht aber aus wie 75. Seine einzige Leidenschaft ist der Marathon. Deswegen nennen ihn auch alle so. Als er von einem jungen Mann ĂŒberfallen wird, entwendet der ihm seinen kanariengelben Einkaufsbeutel mit Portemonnaie und SchlĂŒssel. "Die Sekunde, um zu begreifen, die Sekunden, das Gleichgewicht wieder zu erlangen, sich umzudrehen." Sehr genau beschreibt TerĂ©zia Mora die EindrĂŒcke des Eindringens in die geordneten Bahnen von Hellmut und die anschließende wilde Verfolgungsjagd. "Der Junge schaut sich um, bevor er auf die Fahrbahn ausweicht, und Marathonmann sieht in seinem Gesicht, dass er das nicht etwa wegen eventueller Autos getan hat, sondern um sich des Unfassbaren zu vergewissern: ihn, der ihm immer noch hinterherlĂ€uft." Der Marathonman hechtet dem Dieb hinterher. Über und durch Hindernisse entlang wie RosenbĂŒsche, BĂ€nke, Aufsteller, FahrradstĂ€nder, ĂŒber Straßen und PlĂ€tze zieht sich der Lauf. Dabei bleibt er diesem dicht auf den Fersen. Untypisch fĂŒr ihn, denn er ist ein Gewohnheitsmensch und verlĂ€sst seine fest gezogenen Bahnen nur bei WettlĂ€ufen, seine bekannte Umgebung hingegen niemals.

Diese Geschichte ist ebenso kunstfertig konstruiert wie die des Rezeptionisten, dem das Tageslicht fehlt. Doch wĂŒrde dieser die Schicht wechseln, wĂŒrden ihm 200.- Euro fehlen. Er entscheidet sich fĂŒr die Nachtschichten, ein einsames Leben mit Gedichten. Seine Freunde können diese Entscheidung nicht verstehen. "Es gibt schlimmere Leben. Aber dass seine Freunde nicht verstehen, was mit ihm los ist, ist klar, und auch, dass er es ihnen nicht erklĂ€ren könnte."

Nicht sterben

Wenige Monate nachdem TerĂ©zia Mora im Herbst 2013 fĂŒr ihren Roman "Das Ungeheuer" mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde, hielt sie ihre Frankfurter Poetik-Vorlesungen, die unter dem Titel "Nicht sterben" erschienen sind. Hier stellt die Autorin die Grundlagen und Bedingungen ihres literarischen Schaffens vor: "Meine ersten Narrative waren die Repression". Dabei beschreibt TerĂ©zia Mora die Situation in dem kleinen westungarischen Dorf in den 70er und 80er Jahren, in dem sie aufwuchs."OberflĂ€chlich betrachtet, war der real existierende Sozialismus die Ursache fĂŒr die Enge in allem, doch hinter/unter/neben dieser Tyrannei wirkte ein ganzer Komplex mehrerer durchweg autoritĂ€rer Systeme, die Ă€lter waren als der real existierende. Zusammengefasst, vereinfacht und verkĂŒrzt: die bĂ€uerliche Lebensweise, katholische Religionsausbildung sowie (...) die Zugehörigkeit zu einer ethnischen (genauer: sprachlichen) Minderheit. Jedes dieser Systeme befand sich zu meiner Zeit bereits in der Auflösung bzw. war mitten in dieser erstarrt." Sie reflektiert in einem SelbstgesprĂ€ch die eigenen Bedingungen, Möglichkeiten, Begrenzungen und FĂ€higkeiten des Schreibens, ihrer Biografie, und, wie ihr erstes Buch entstanden ist. Wie kam sie zum ersten Roman? Wie zu den Figuren? Mora beschreibt, wie sie sich mit Störungen und Irritationen auseinandersetzt, wie sie mit ihrem "deterritorialisierten" Minderheitendeutsch erstmal eine Übergangszeit des Ausharrens und Lernens verordnete, bevor sie ĂŒber die KrĂ€fte ihres Schreibens verfĂŒgte. Sprachfindung und Persönlichkeitsbildung ist fĂŒr die Autorin ein langer Prozess. "Vertraue deiner Methode, aber verliebe dich nicht in sie", so der Leitsatz von TerĂ©zia Mora. Ein wichtiges Buch fĂŒr alle, die selber schreiben. Über den Umgang mit Manuskripten und die Arbeitsweise der TerĂ©zia Mora erfĂ€hrt die Leserin dabei Vieles.

AVIVA-Tipp: Die Figuren in TerĂ©zia Moras ErzĂ€hlungen sind einsam, verloren und entwurzelt und glauben sich mit dieser Situation ganz allein auf der Welt. Stecken fest in einem trostlosen GefĂŒhlspanorama. Das verbindende Element ist die Liebe. Mittels feiner ErzĂ€hlstrukturen beobachtet und begleitet TerĂ©zia Mora intensiv, sensibel und fĂŒrsorglich die Regungen und Reaktionen dieser emotionalen Sonderlinge, die vom Raster gesellschaftlicher Normen und Zuschreibungen abweichen.

Zur Autorin: TerĂ©zia Mora wurde 1971 in Sopron, Ungarn, geboren und lebt seit 1990 in Berlin. Sie gewann 1997 den Open-Mike und kurz darauf ein Angebot eines Autorinnenvertrags bei Rowohlt. Seit 1998 arbeitet Mora als freie Autorin und gilt heute zu den wichtigsten deutschsprachigen AutorInnen. Mit ihrem literarischen DebĂŒt, dem ErzĂ€hlungsband "Seltsame Materie" (1999) sorgte sie fĂŒr Furore. TerĂ©zia Mora arbeitet an einer Trilogie um den IT-Spezialisten Darius Kopp, von der Band I "Der einzige Mann auf dem Kontinent" (2009) und Band II "Das Ungeheuer" (2013) bereits erschienen sind. Zuletzt erschien bei Luchterhand der Band "Nicht sterben" (2016) mit ihren Frankfurter Poetikvorlesungen. TerĂ©zia Mora zĂ€hlt zu den renommiertesten Übersetzerinnen aus dem Ungarischen. Mora ist Mitglied des Deutschen PEN-Zentrums und seit 2015 der Deutschen Akademie fĂŒr Sprache und Dichtung. Auszeichnungen unter anderem: Ingeborg-Bachmann-Preis (1999), Adelbert-von-Chamisso-Preis der Robert Bosch Stiftung (2010), Deutscher Buchpreis (2013), Bremer Literaturpreis (2017) fĂŒr ihren ErzĂ€hlungsband "Die Liebe unter Aliens".

Weitere Infos und Kontakt: www.tereziamora.de



Terézia Mora
Die Liebe unter Aliens. ErzÀhlungen

Luchterhand Literaturverlag, Fester Einband, 272 Seiten
22,00 Euro [D] als E-Book 17,99 Euro
Luchterhand Literaturverlag, erschienen am 26.09.2016
ISBN: 978-3-630-87319-0
www.randomhouse.de



Terézia Mora
Nicht sterben

Luchterhand Literaturverlag, Fester Einband, 160 Seiten
18,99 Euro [D]
Luchterhand Literaturverlag, erschienen am 07.03.2016
ISBN: 978-3-630-87451-7
www.randomhouse.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Terezia Mora - Das Ungeheuer
Die Hauptfigur von TerĂ©zia Moras neuem Roman ist den LeserInnen schon aus dem Werk "Der einzige Mann auf dem Kontinent" bekannt. Darius Kopp ist ein EinzelgĂ€nger, derneben seinem sinnlosen Job fĂŒr eine Computerfirma nur seine Frau Flora zu seinem Lebensinhalt zĂ€hlen kann, ansonsten lebt er seine Tage einfach ab. (2013)

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Jetzt treiben wir dahin - Terézia Mora im Interview
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Literatur > Romane + Belletristik Beitrag vom 11.01.2017 Yvonne de AndrĂ©s 





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