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AVIVA-BERLIN.de im November 2019 - Beitrag vom 06.10.2019


Tove Jansson – Das Puppenhaus
Doris Hermanns

Auch wenn Tove Jansson vor allem mit ihren Moomins bekannt geworden ist, so sind ihre Erzählungen immer wieder eine Entdeckung wert. In diesem Band, der uns an verschiedene Orte führt, gibt es unter anderem auch eine Erzählung, in dem es um einen Comic-Zeichner geht, dessen Erfahrungen an ihre eigenen erinnert.



Im inzwischen dritten Erzählungsband der finnlandschwedischen Autorin Tove Jansson – nach "Reisen mit leichtem Gepäck" und "Die Zuhörerin" – stehen die unterschiedlichsten Personen an verschiedenen Orten der Welt im Mittelpunkt ihrer Geschichten.

In der titelgebenden Erzählung "Das Puppenhaus" fragt sich ein pensionierter Mann, der als Polsterer gearbeitet hat und der mit seinem ebenfalls gerade in Rente gegangenen Partner zusammenlebt, was er mit seiner Zeit anfangen soll. So wirklich begeistert ihn an sich nichts, bis er anfängt, kleine Möbel zu bauen. Was erst als eine Art Hobby beginnt, nimmt immer mehr Raum in seinem Leben ein und auch in der gemeinsamen Wohnung. Es bleibt nicht bei Möbeln, bald folgt ein ganzes Puppenhaus, das ins Schlafzimmer ziehen muss, da der Platz in der Küche nicht mehr ausreicht. Zu Spannungen kommt es, als ein dritter Mann für die Elektrizität hinzugezogen wird. Aber am Ende wird klar, um wessen gemeinsames Haus es hier geht.

In der meines Erachtens stärksten Geschichte dieses Bandes "Die Lokomotive" geht es um einen zurückgezogenen Mann, der seine Zeit damit verbringt, Maschinen, vor allem Lokomotiven, zu zeichnen und "souveräne Gleichgültigkeit" liebt. Zum ersten Mal scheint er eine Frau kennengelernt zu haben, die seine Träume zu teilen scheint. Wie er, schaute sie sich gerne Eisenbahnen am Bahnhof an, aber beide waren noch nie mit der Bahn gefahren. "Das Erlebnis kann nie so werden wie die Vorstellung des Erlebnisses. Das nahm er an." Immer weiter steigert er sich in seine Phantasien und braucht lange, bis er erkennt, dass diese Frau nicht so ist, wie er sie sich erträumt hat. Letztendlich schlagen seine Gefühle in Hass um und er will sie nur noch loswerden.

In "Der Comiczeichner" greift Jansson auf ihre eigenen Erfahrungen als Comiczeichnerin der Mumins für die britische Evening News zurück. Sie hatte dort ab 1954 einen Vertrag für sieben Jahre, nach denen sie diese Aufgabe an ihren Bruder abgab, mit dem sie bis dahin eng zusammen gearbeitet hatte. Sie hatte genug von diesem Dauerstress und der Reiz daran war für sie verflogen. In der Geschichte in diesem Band verschwindet der Zeichner der beliebten Serie "Blubby" von einem Tag zum anderen. Sein Nachfolger erhält einen Siebenjahresvertrag und als er nach langer Suche den eigentlichen Urheber findet, meint dieser: "Das reicht. Und viel länger wollen sie wohl auch kaum riskieren, nachdem das Ding schon so lange gelaufen ist. Irgendwann wollen die Leute etwas Neues haben." (Dieser Zeitpunkt scheint, was die Mumins betrifft, bis heute noch nicht erreicht zu sein, denn sie sind nach wie vor ein weltweiter Erfolg!) Und er erzählt ihm von einem anderen Zeichner, der sich umgebracht hat, vorher hatte er noch einen Brief an die anderen Comiczeichner geschrieben "und warnte davor, lange Verträge zu unterschreiben". Er erklärt ihm, wie es war, immer wieder etwas Neues schaffen zu müssen: "Der eigene Vorrat ist geleert, da holst du dir alles, was die anderen haben, benützt es und presst es aus. Was immer sie dir auch anvertrauen, du denkst nur, lässt sich das verwerten …"

Auch wenn diese Erzählungen bereits in den 1970er Jahren veröffentlicht wurden, so haben sie keineswegs an Aktualität verloren, wie sich beispielsweise deutlich an der Geschichte über einen Touristen zeigt, der nach Hawaii reist. Er hat sehr konkrete Vorstellungen, was dort wie zu sein hat. Aber er muss dort erfahren, wie die Amerikaner dort alles mit ihrem Imperialismus kaputt gemacht haben. Er hängt sich an einen Barkeeper, der jedoch schnell genug von ihm bekommt, ihn zum Narren hält und ihm immer wieder Phantasiegeschichten über den Ort erzählt. Seine Großmutter stellte fest, "alle Touristen würden ihr leid tun, die seien töricht und würden hinter Sachen herrennen, die sie genauso gut bei sich zu Hause finden könnten." Eine witzige Geschichte, die auf wunderbare Weise aufzeigt, wie Mythen über Touristen-Orte entstehen können.

In anderen Erzählungen geht es um die unterschiedlichsten Situationen und Menschen. So beispielsweise um einen Bildhauer, der mit einem Affen zusammenlebt, um drei finnische Schwestern, die in die USA ausgewandert sind und wie unterschiedlich sie sich dort einleben, um eine Schriftstellerin, die über die Jugend schreibt, diese aber überhaupt nicht mehr versteht, eine Kunstausstellung auf einer Insel (mit Anspielungen auf die Verhüllungen von Jeanne-Claude und Christo, mit denen die KünstlerInnen 1969 angefangen hatten), einer Schauspielerin, die ein Vorbild für ihre erste große Rolle in ihrer Cousine zu finden glaubt und einer Frau, die nach 35 Ehe in den USA wieder in ihre Heimat zurückkehrt und dort auf die alte Wärme und Geborgenheit hofft.

Besonders berührend ist die Erzählung über eine Großmutter, sie ist "auf eine offensichtliche, bezaubernde Art alt", hat aber ihr Gefühl für die Zeit verloren. Für sie sind Tag und Nacht gleich schön. Gemeinsam mit ihrem Enkel, der mit ihr zusammenlebt, reist sie zu einem alten Freund nach Anchorage. "Das weite blaue Schneefeld erstreckt sich eisig auf den glühenden Horizont zu. Es war wie eine Landschaft aus einem Traum, aus einem der atemlosen Träume, in denen alles abwartend verharrt."

Auch in der letzten Geschichte des Bandes geht es um Reisen, reale und Phantasiereisen. Diesmal stehen zwei Geliebte, zwei Frauen, im Mittelpunkt, von denen die eine noch bei ihrer Mutter lebt, die früher über ihr Leben bestimmt hat. Unfähig sich zu entscheiden, übernimmt die Geliebte die Planung der lang angedachten Reise ihrer Freundin mit der Mutter.

Und zur Vorfreude für die Tove Jansson Liebhaberinnen: Im Herbst 2020 soll der Kurzgeschichtenband "Briefe von Klara und andere Geschichten erscheinen.

AVIVA-Tipp: Wie immer beschreibt Tove Jansson auf wunderbare Weise die Menschen, die sie in den Mittelpunkt ihrer Erzählungen stellt. Ob sie einsam sind oder ihr Leben mit anderen Menschen teilen, immer schaut sie ganz genau hin, interessiert sich für das jeweilige Leben und beschreibt liebevoll Einzelheiten, ohne sich dabei in Details zu verlieren.

Zur Autorin: Tove Jansson (1914-2001) wuchs in einem KünstlerInnenhaushalt in Helsinki auf. Mit 16 begann sie in Stockholm ihre künstlerische Ausbildung, studierte in Paris und Helsinki und arbeitete als Illustratorin und Karikaturistin. International wurde sie durch ihre Mumin-Bücher und -Comics bekannt, schrieb aber außerdem viele Romane und Kurzgeschichten für Erwachsene. In den 50er-Jahren traf sie die Graphikerin Tuulikki Pietilä, mit der sie bis zu ihrem Lebensende zusammenblieb.

Tove Jansson
Das Puppenhaus. Erzählungen

Originaltitel: Dockskåpet och andra berättelser
Aus dem Schwedischen von Birgitta Kicherer
ISBN 978-3-8251-5170-6
Urachhaus, erschienen 2018
185 Seiten, Hardcover mit Umschlag
Euro 18,00
Mehr zum Buch unter: www.urachhaus.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Tove Jansson – Stadt der Sonne
In der Sun City St. Petersburg in Florida, angepriesen als Paradies auf Erden, verbringen die BewohnerInnen eines Gästehauses ihren Lebensabend. Auf gekonnt liebevolle Art beschreibt die 2001 gestorbene finnische Malerin, Karikaturistin, Grafikerin, Comic-Zeichnerin, Illustratorin und Schriftstellerin, Dramaturgin und Bühnenbildnerin Tove Jansson ihre skurrilen Persönlichkeiten. (2018)

Tove Jansson – Die Zuhörerin
In diesem Band sind die frühen Erzählungen von Tove Jansson versammelt. Diesmal haben sie kein zentrales Thema, sondern jede von ihnen führt uns in eine andere Welt. Es sind wunderbare Kleinode der 2001 gestorbenen finnischen Malerin, Karikaturistin, Grafikerin, Comic-Zeichnerin, Illustratorin und Schriftstellerin, Dramaturgin und Bühnenbildnerin. (2018)

Tove Jansson – Reisen mit leichtem Gepäck
Geschichten vom Reisen sind es, die jetzt neu von Tove Jansson vorliegen: vom Abfahren und Verlassen des Alltags, vom Ankommen, von neuen Umgebungen, davon sich selber anders erleben. (2016)

Tove Jansson - Mumin und das Meer, das Buch, und die DVD, Mumins an der Riviera nach den Comics von Tove Jansson
Passend zu den steigenden Temperaturen fahren die Mumins diesmal sowohl im Buch als auch im Film übers Meer und erkunden neue Welten – um letztendlich doch wieder nach zu Hause zurückzukehren, wo es bekanntlich doch am schönsten ist. (2016)

Tove Jansson – Die ehrliche Betrügerin
Es waren die Mumins, die Tove Jansson weltberühmt machten, aber sie schrieb auch zahlreiche Werke für Erwachsene. Mit "Die ehrliche Betrügerin" wurde einer ihrer besten Romane im Verlag Urachhaus wieder neu aufgelegt. (2016)

Tuula Karjalainen - Tove Jansson. Die Biografie
Die Mumins machten sie weltbekannt, aber die nun zum 100. Geburtstag ihrer Erfinderin Tove Jansson erschienene erste Biografie auf Deutsch zeigt auf, wie vielfältig und umfangreich ihr Werk ist. (2014)

Tove Jansson - Fair Play
Das wunderbare Leben und Lieben zweier Künstlerinnen beschreibt Künstlerin Tove Jansson auf hinreißend witzige, gleichzeitig sehr berührende Weise. (2014)

Tove Jansson - ein Portrait der Erfinderin der Mumins und Gründerin von Oy Moomin Characters Ltd
Am 9. August 2014 wäre die finnische Comic-Ikone Tove Jansson 100 Jahre alt geworden. In einem Interview mit AVIVA erklärt die Presseagentin und Ausstellungsmacherin Jutta Harms, warum die Künstlerin in Deutschland noch immer kaum bekannt ist, und was ihre "Mumins" weltweit so unglaublich beliebt macht. (2014)

Weiterlesen:

Website zu Tove Jansson: www.tovejansson.com

Das Unternehmen Oy Moomin Characters Ltd, das Tove Jansson mit ihrem Bruder Lasse Ende der 1950er Jahre gründete, ist im Netz zu finden unter: www.moomin.com

www.fembio.org

www.reprodukt.com

Westin, Boel: Tove Jansson: Life, Art, Words. The Authorized Biography. Translation: Silvester Mazzarella. Sort of Books 2014



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