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AVIVA-BERLIN.de im September 2020 - Beitrag vom 01.03.2010


Erica Fischer - Mein Erzengel
Sharon Adler

Der neue Roman der Autorin, Übersetzerin und Journalistin, Mitbegründerin der österreichischen Frauenbewegung, erzählt schonungslos offen vom Verlust einer obsessiven Liebe und dem langen Weg ...




... zurück in die Freiheit.

Sie, die feministische Aktivistin, Theoretikerin und Rednerin sollte tragischerweise das erleben, wogegen sie jahrelang vehement öffentlich gekämpft hatte: die seelische Abhängigkeit von einem Mann.

Einem Mann mit Charisma, dessen schlechte Manieren und ungepflegte Erscheinung so gar nicht zu der politisch und kulturell interessierten Schmuckdesignerin Ruth passten. Bewusst war ihr das schon seit der ersten gemeinsamen Begegnung, wirklich gestört hatte es sie nicht. Magisch zog er sie an, dieser ungeschlachte Mann, der sie schon seit langem von weitem heimlich bewundert hatte.

So etwas tut gut, vor allem, wenn frau zwar attraktiv, aber doch nicht mehr ganz jung ist und sich schon lange nach einer neuen Liebe sehnt. An Männergeschichten hatte es nicht gemangelt und doch hatte Ruth aus purer Langeweile und Neugierde eine Anzeige in der Wiener Stadtzeitung aufgegeben, auf der Suche nach Freiheit und Lust ohne Liebe.

Das, was sie nicht mehr gewollt hatte zum Zeitpunkt des Kennenlernens, Liebe, "die klein und abhängig macht, dieses ekelhafte Betteln um Zuwendung und Schutz", sollte ihr nun in Gestalt dieses Mannes, Michaël, begegnen, der sich, aber das sollte Ruth erst sehr viel später erfahren, darauf verstand, die Frauen zu fesseln.

Er, der manisch und auf der Suche nach Anerkennung seinem fanatisch anmutenden Engagement für Roma-Kriegsflüchtlinge nachkam, mit feministischen Theorien das Bild des Neuen Mannes bediente, machte es Ruth nicht leicht, zurechtzukommen mit der aufkommenden Kälte und dem Schweigen zwischen den nun in Amsterdam lebenden Eheleuten.

Dass sie nicht die einzige war, die er unglücklich gemacht, eine seiner Ex-Frauen sogar in den Selbstmord getrieben, außerdem eines oder mehrere Kinder haben sollte, hörte sie erst viele Jahre nach der Trennung, als sie sich auf die Suche machte nach Spuren, nach Zeichen und Ursachen, die in das Scheitern geführt hatten. Auf ihrer Reise wird Ruth auch mit ihrer eigenen jüdischen Geschichte konfrontiert, einer Geschichte, die von Ausgrenzung, aber auch von dem Erfolg der Unabhängigkeit, der Abnablung aus dem Elternhaus, gekennzeichnet war.

AVIVA-Tipp: Prägnant, nüchtern und konstatierend seziert die Autorin in glasklaren Worten den schmerzhaft schleichenden Verfall einer Liebe, die wie im Märchen begonnen hatte. Minutiös und äußerst plastisch schildert sie den langen Weg aus der Abhängigkeit, die sie noch lange Jahre später und unzählige Therapiestunden nach der Trennung begleiten sollte. "Mein Erzengel" ist, wie die bisherigen Veröffentlichungen der Autorin Erica Fischers, ein sehr persönliches Werk. Eines, das noch lange nach der letzten Seite nachhallt.

Zur Autorin: Erica Fischer, 1943 als Tochter von EmigrantInnen in England geboren. 1948 ging die Familie zurück nach Wien, wo Erica Fischer später Sprachen studierte und journalistisch arbeitete. Anfang der 1970er Jahre wurde sie zu einer der Gründerinnen des österreichischen Feminismus, ist Mitbegründerin der feministischen Zeitschrift "AUF - Eine Frauenzeitschrift" und der Buchhandlung "Frauenzimmer".
Seit 1988 lebt Erica Fischer als freie Autorin, Übersetzerin und Journalistin in Deutschland, seit 1994 in Berlin. Ihre dokumentarische Erzählung "Aimée & Jaguar" (1994) wurde ein Weltbestseller, er ist mittlerweile in zwanzig Sprachen übersetzt. Erschienen sind weiterhin: in 2002 der Bildband "Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim", in 2003 "Ich wählte die Freiheit. Geschichte einer afghanischen Familie" (gemeinsam mit Mariam Notten), in 2004 die Dokumentation "Die Wertheims. Geschichte einer Familie" (gemeinsam mit Simone Ladwig-Winters) und in 2005 "Das Wichtigste ist, sich selber treu zu bleiben".
2007 erschien die viel beachtete Familiengeschichte "Himmelstraße. Geschichte meiner Familie". Am 7. Juni 2009 wurde Erica Fischer für ihre Arbeit mit der Hedwig-Dohm-Urkunde des Journalistinnenbundes in Weimar geehrt. Die Laudatio hielt Prof. Dr. Christina von Braun.

Weitere Infos und Kontakt: www.erica-fischer.de

Erica Fischer
Mein Erzengel

Rowohlt Verlag Berlin, erschienen 16. Januar 2010
ca. 256 Seiten, gebunden
Euro 19,95
ISBN: 978-3-87134-660-6

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Auszeichnungen des Journalistinnenbundes für Erica Fischer und Stephanie Dötzer am 6. Juni 2009.

Unser Interview mit Erica Fischer aus dem Jahr 2003.





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Beitrag vom 01.03.2010

Sharon Adler 






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