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AVIVA-BERLIN.de im Februar 2021 - Beitrag vom 24.03.2010


Louise Carpenter - Ida und Louise
Adriana Stern

Die Recherche der englischen Journalistin Louise Carpenter über das Leben der im Nationalsozialismus beherzt und unerschrocken handelnden Schwestern Ida & Louise Cook liegt hiermit weltweit ...




… erstmals als Buch vor. Schon 1965 als "Gerechte der Völker" ausgezeichnet, ehrte der englische Premierminister Gordon Brown die beiden Schwestern am 11. März 2010 postum als "Heroes of the Holocaust", eine Auszeichnung für über zwanzig britische StaatsbürgerInnen, zu denen nun auch Ida und Louise Cook gehören.

Das Leben von Ida und Louise Cook ist beeindruckend, ungewöhnlich und einzigartig. Louise wird 1901 geboren, Ida drei Jahre später. Louise liebt ihre kleine Schwester von Anfang an und Ida erwidert diese Begeisterung in jeder Beziehung. Dazu Louise Carpenter: "Als sie zu jungen Frauen heranwuchsen, waren sie im Grunde zwei Hälften eines Ganzen." Ida drückt ihren Zusammenhalt mit Louise in ihren 1950 erschienenen Erinnerungen We followed our Stars folgendermaßen aus: "Zwei Mädchen schaffen häufig, was eine allein nicht zustande bringt."

Die Schwestern sind von Beginn an untrennbar miteinander verbunden. So leben sie seit 1919 über 60 Jahre lang in der elterlichen Wohnung in London in der Morella Road und teilen einfach alles. Ihre Liebe zur Oper, den Glauben an übersinnliche Erfahrungen, das verdiente Geld und die waghalsigen und pfiffigen Rettungsaktionen in 29 Fällen, in denen sie einzelne Juden bzw. jüdische Familien sicher aus Nazideutschland herausholen. Sie sind die Töchter eines tüchtigen Zollbeamten, wie Louise Carpenter bemerkt und einer "pragmatischen Mutter mit gesundem Menschenverstand.". Eine Lebenshaltung, die sie ihren vier Kindern (zwei jüngere Brüder folgen) mit auf den Weg gibt und die Ida und Louise zutiefst prägt.

1919 zieht die ganze Familie in die Morella Road. Louise und Ida finden eine Arbeitsstelle im Erziehungsministerium, Louise als Sekretärin, Ida als Schreibkraft. Abgesehen von den Alltagsgeräuschen der Unterhaltung und des Haushalts - einlaufendes Badewasser, britzelnder Speck-, herrschte im Haus vollkommene, unmusikalische Stille, bis Louise vier Jahre später die Oper entdeckt. Die Stimme der Koloratursopranistin Amelita Galli-Gurci ist für Louise eine "vollkommen neue, tiefgreifende Sinneserfahrung", die sie natürlich, wie alles andere auch, umgehend mit ihrer Schwester teilt.

Die Liebe zur Oper verändert das Leben der Schwestern von einem Tag zum anderen radikal und unwiderruflich. Ida und Louise stecken ihren gesamten Verdienst in diese neue Liebe und führen zwei Jahre lang ein karges Dasein, um in die Staaten reisen zu können. Nach der Rückkehr schreibt Ida so erfolgreich einzelne Artikel für die Mab´s Fashion, um die kostspieligen Opernreisen finanzieren zu können, dass sie als feste Redakteurin eingestellt wird. Sie schreibt ihren ersten Roman, der ein begeistertes Echo findet. In den folgenden 50 Jahren werden noch 129 weitere Romane, alles Bestseller, unter ihrem Pseudonym Mary Burchell erscheinen. Damit hat der finanzielle Notstand der Schwestern ein Ende und ihren Opernreisen steht nichts mehr im Weg.

Mit vielen der Opernstars freunden sich die Schwestern an und sind bald mehr als gern gesehene Gäste. Nur dieser Liebe ist es zu verdanken, dass die beiden im Sommer 1934 erstmals nach Salzburg kommen, um Bekanntschaft mit dem österreichischen Dirigenten Clemens Krauss, dem Leiter der Wiener Staatsoper, zu schließen. Damals unterschätzen Ida und Louise die politische Situation noch völlig: "Die englischen Zeitungen sind immer noch beträchtlich besorgt, aber das ist eigentlich alles Unsinn..." schreibt Ida ihren Eltern im August nach London.

Doch bereits ein Jahr später, als sie, ohne es zu wissen, den ersten Flüchtling in London empfangen, die jüdische Sopranistin Mitia Mayer-Lismann, begreifen die Schwestern entsetzt das gesamte Ausmaß der Nazidiktatur. Und sie reagieren mit ihrer unnachahmlichen Art darauf: "Für uns war der Fall der Familie Mayer-Lismann schockierend, aber nicht unglaublich. Wir waren entsetzt, taten aber, was wohl die meisten getan hätten. Wir fragten, ´Wo wollen Sie hin? Was haben Sie auf dem Arbeitsmarkt der Welt anzubieten? Und schließlich: Wie können wir helfen?´

Wie es den beiden Schwestern gelingt, bis 1939 mehr als 29 Jüdinnen und Juden sicher nach England zu bringen, schildert Louise Carpenter in diesem schmalen Band auf bewegende, mitreißende Weise.

AVIVA-Tipp: Ida & Louise ist ein wunderbares und ergreifendes Buch, das eine spannende, ermutigende und wahre Geschichte auf warmherzige und humorvolle Weise erzählt. Ein Buch, dass das Prädikat "lesenswert" mit Sicherheit mehr als verdient.

Zur Autorin: Louise Carpenter ist Journalistin und schreibt für den London Daily Telegraph und den London Observer. Ida and Louise erschien im Sommer 2007 im Granta 98 - The Deep End und erscheint nun erstmals in Buchform. Louise Carpenter lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Dorset. (Quelle Verlag Dörlemann)

Zur Übersetzerin: Miriam Mandelkow, geb. 1963 in Amsterdam, lebt als Lektorin und Übersetzerin in Arkadien und Hamburg. Sie absolvierte ein Studium der Anglistik, Amerikanistik und Jewish Studies in Hamburg und den USA und war zunächst mehrere Jahre als Lektorin tätig, ehe sie sich literarischen Übersetzungen zuwandte. Sie übersetzte unter anderem Patrick Hamilton, Michael Frayn und Martha Gellhorn.(Quelle Verlag Dörlemann und Internetseite zum Hamburger Literaturpreis)

Louise Carpenter
Ida & Louise

Dörlemann Verlag, 1. Auflage erschienen am 24. 02.2010
Originalausgabe: Ida & Louise 2007 in Granta 98 - The Deep End (Seite 49-83) in London
Übersetzung ins Deutsche: Miriam Mandelkow
Gebundene Ausgabe: 126 Seiten mit zahlreichen s/w Abbildungen
ISBN: 978-3908777540
16,90 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Fliegen mit gestutzten Flügeln" von Barbara Bronnen

"Anetta Kahanes deutsche Geschichten"

Weiterlesen im Netz:

Hamburger Literaturpreis für Miriam Mandelkow


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Beitrag vom 24.03.2010

AVIVA-Redaktion 






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