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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 01.08.2016

Christiane Grefe - Global Gardening. Bioökonomie - neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft? Kathrin Hartmann - Aus kontrolliertem Raubbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren
Helga Egetenmeier

Glyphosat und Palm√∂l, TTIP und gentechnisch ver√§nderte Lebensmittel, diese Begriffe wirken polarisierend, doch kaum jemand wei√ü, was genau dahinter steckt. Die beiden Autorinnen f√ľllen diese Begriffe...



...auf verständliche Weise und untersuchen dabei mit detailgenauen Recherchen, wer durch die Entwicklungen in der Bioökonomie zu den Gewinnern und Verlierern gehört.

Christiane Grefe - Global Gardening. Bioökonomie - neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?

In der vielschichtigen Auseinandersetzung mit dem weiten Feld der Bio√∂konomie zeigt sich die langj√§hrige Besch√§ftigung der ZEIT-Redakteurin und Autorin Christiane Grefe mit √∂kologischen und sozialen Themen. Sie diskutiert nicht nur die √Ąngste und Hoffnungen, die in die Bio√∂konomie projiziert werden, sondern erkl√§rt anschaulich die interessengeleiteten Hintergr√ľnde von der Vergabe von Forschungsgeldern bis zu der gewinnorientierten Sicherung von Ressourcen durch global agierende Konzerne in Entwicklungsl√§ndern.

Bei ihren Recherchen stellte sie fest, dass sich die Definition von Bio√∂konomie in den letzten drei√üig Jahren stark gewandelt hat. Stand sie urspr√ľnglich f√ľr die Suche nach sozial vertr√§glicher Selbstbegrenzung zwischen Naturgesetzen und √∂konomischen Entscheidungen, geht es heute um die "wirtschaftliche Nutzung biologischer Erkenntnisse mit dem Ziel, fossile Ressourcen zu ersetzen."

Fortschrittsgl√§ubigkeit versus R√ľckst√§ndigkeit sind zwei Begriffe, die in der Bio√∂konomie-Debatte oft unsachlich genutzt werden, um den schwierigen inhaltlichen Auseinandersetzungen zu entgehen. Hervorzuheben f√ľr dieses Buch sind deshalb die vier Streitgespr√§che von ExpertInnen, die die Autorin nach einer Einf√ľhrung in deren Themenbereich eingef√ľgt hat. Die dabei diskutierten gegens√§tzlichen Positionen zeigen jedoch auch, wie gro√ü die Differenzen um die Vorstellung "Wie wollen wir leben?" sind.

Ins √∂konomische Detail geht Grefe bei den Genver√§nderungen an Pflanzensamen, die dadurch patentierbar und als Ware handelbar werden. Die Saatgutkonzerne begr√ľnden dies durch zunehmenden Nahrungsmangel aufgrund der fortschreitenden √úberbev√∂lkerung und dem Klimawandel. Hier stellt die Autorin dar, wie aggressive Akteure kapitalorientierter Firmen sich in sozialpolitische Themen einmischen und durch massive Lobbyarbeit Gesetze beeinflussen. Deshalb setzt Grefe ihr Vertrauen in die ExpertInnen, die in den √§rmsten Regionen der Welt arbeiten und der Bio√∂konomie mit gro√üer Skepsis begegnen.

AVIVA-Tipp: Einen gut lesbaren Einblick in ein komplexes Thema liefert dieses Buch, das zudem dazu animiert, einen relevanten Teile des menschlichen Lebens, die Nahrung, nicht den Verflechtungen zwischen Wirtschaftsbossen und PolitikerInnen zu √ľberlassen. F√ľr die Autorin sind die W√ľrfel noch nicht zu Ungunsten der kommenden Generationen gefallen und sie zeigt durch die gut eingeleiteten und detailreichen Streitgespr√§che einen wichtigen Weg in die Auseinandersetzung und die Bio√∂konomie.

Zur Autorin: Christiane Grefe, geboren 1957 in L√ľdenscheid, studierte an der Deutschen Journalistenschule Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Amerikanistik in M√ľnchen. Sie war freie Journalistin bei Natur, Geo Wissen und beim Magazin der S√ľddeutschen Zeitung und arbeitet seit 1999 als Reporterin f√ľr die ZEIT. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden √∂kologische und soziale Themen. Zuletzt erschien ihr gemeinsam mit Harald Schumann verfasstes Buch "Der globale Countdown", f√ľr das sie 2009 den Preis "Das politische Buch" der Friedrich-Ebert-Stiftung erhielten.
(Quelle: Verlagsinfo)



Christiane Grefe
Global Gardening
Bioökonomie - neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft?

Verlag Antje Kunstmann, erschienen Februar 2016
Hardcover, gebunden mit Schutzumschlag, 320 Seiten
ISBN-13:978-3956140600
22,95 Euro
www.kunstmann.de

Kathrin Hartmann: Aus kontrolliertem Anbau. Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren.

Kathrin Hartmann ging f√ľr ihre Recherchen zu den AkteurInnen und B√§uerInnen in Asien, deren Leben die Palm√∂lproduktion und Shrimps-Aquakultur entscheidend ver√§nderte. Diese von Vertreibung und Ausbeutung Betroffenen, haben sich in kleinen NGOs zusammengeschlossen, um f√ľr ihre Rechte gegen globale Konzerne und die eigene Regierung eintreten k√∂nnen. Sehr genau betrachtet Hartmann diesen Kampf der Einheimischen um ihr kleines St√ľck Land, das ihnen mit Versprechungen und Drohungen weggenommen wurde und wird. Besonders √§rgerlich findet sie es, dass Palm√∂l ein Biosiegel f√ľr nachhaltigen Anbau erh√§lt, obwohl es bereits mehrere Tote auf Seiten der protestierenden Bev√∂lkerung gab.

Gut recherchiert zeigt sie die stabilen Verflechtungen weltweit agierender Konzerne, wie Unilever, dem gr√∂√üten Konsumg√ľterkonzern der Welt, mit lokalen Firmen und Geldgebern, wie der Weltbank, sowie gewinnorientierten Zertifizierungsstellen, wie dem T√úV Rheinland. Ebenso gute Verbindungen besitzt die selbstlos wirkende Bill&Melinda Gates Foundation, die neben ihren gewinnorientierten Interessen auch ihre eigenen Forschungsziele verfolgt.

Im Gegensatz zu Grefe nimmt Hartmann keine Haltung als Vermittlerin ein. Sie stellt sich auf die Seite der vertriebenen Kleinb√§uerInnen, die nun als Billiglohnkr√§fte ausgebeutet werden, oder auf ihren Feldern gentechnisch ver√§nderte Lebensmittel anbauen, das "trojanische Pferd der Saatgutkonzerne", wie sie es nennt. Keiner dieser Global Player brauche sich davor f√ľrchten, dass das Au√üenhandelsabkommen TTIP nicht zustande kommt, da der antidemokratische Industrie-Lobbyismus weiter seinen Weg finden wird, seine Interessen durchzusetzen.

AVIVA-Tipp: F√ľr Hartmann haben westliche Konsumbed√ľrfnisse einen gro√üen Anteil an der Zerst√∂rung der Lebensgrundlage vieler Menschen in den Entwicklungsl√§ndern und der wenigen, dort noch intakten Natur. Dazu z√§hlt auch der Anbau gentechnisch ver√§nderter Lebensmittel durch Organisationen und Stiftungen, die vorgeben, im Namen der Menschheit zu wirken. Bei diesen m√§chtigen GegnerInnen sieht die Autorin Ver√§nderungsm√∂glichkeiten nur im Widerstand durch Basisorganisationen, wof√ľr sie einige Beispiele anbringt, deren K√§mpfe auch kleine Lichtblicke zulassen.

Zur Autorin: Kathrin Hartmann geboren 1972 in Ulm, studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Skandinavistik in Frankfurt/Main und arbeitete nach einem Volontariat bei der Frankfurter Rundschau dort als Redakteurin f√ľr Nachrichten und Politik. Von 2006 bis 2009 war sie bei Neon als Redakteurin, heute lebt und arbeitet sie in M√ľnchen. Mit "Ende der M√§rchenstunde" erschien 2009 ihr erstes Buch √ľber die Vereinnahmung der Lifestyle-√Ėkos durch die Industrie, 2012 folgte mit "Wir m√ľssen leider drau√üen bleiben" ihr zweites Buch √ľber die neue Armut.
(Quelle: Verlagsinfo)
Blog von Kathrin Hartmann: www.ende-der-maerchenstunde.de



Kathrin Hartmann
Aus kontrolliertem Raubbau
Wie Politik und Wirtschaft das Klima anheizen, Natur vernichten und Armut produzieren

Blessing Verlag, erschienen August 2015
Paperback, Klappenbroschur, 448 Seiten
ISBN-13: 978-3-89667-532-3
18,99 Euro
www.randomhouse.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Elisabeth Meyer-Renschhausen - Urban Gardening in Berlin.
Touren zu den neuen G√§rten der Stadt. Die Gr√ľnderin und Mitinitiatorin zahlreicher Gemeinschaftsgarten-Projekte arbeitet seit Jahrzehnten intensiv mit den Themen Ern√§hrung, Urban- und Guerilla Gardening und Interkulturelles G√§rtnern von Berlin bis New York. In ihrer Publikation "Urban Gardening in Berlin" stellt Elisabeth Meyer-Renschhausen, PD Dr. f√ľr Geschlechtersoziologie und Kultursoziologie an der FU Berlin, Gr√ľne Oasen und deren soziokulturelle und historische Entwicklung in der (Haupt-)Stadt vor. (2016)

Naomi Klein - Die Entscheidung. Kapitalismus vs. Klima. Die kanadische globalisierungskritische Aktivistin, Schriftstellerin und Journalistin fordert eine Entscheidung: ein konsumorientierter Lebensstil, der das Leben auf der Welt in naher Zukunft unmöglich machen wird, oder ein Kurswechsel, der eine emanzipierte, klimafreundliche Gesellschaft etablieren kann. (2015)

Generation Laminat. Mit uns beginnt der Abstieg‚Ķund was wir dagegen tun m√ľssen, von Kathrin Fischer. Wir m√ľssen leider drau√üen bleiben. Die neue Armut in der Konsumgesellschaft, von Kathrin Hartmann
Deutschland scheint es gut zu gehen: die Arbeitslosenquote sinkt, die Wirtschaft w√§chst ‚Äď aber auch die Schere zwischen Arm und Reich vergr√∂√üert sich, w√§hrend die Mittelschicht schrumpft und immer weniger Menschen von ihrer Arbeit leben k√∂nnen. In genauen Analysen beschreiben die zwei Autorinnen, wie hierzulande und weltweit nach dem neoliberalen Motto "Jeder Mensch ist seines Gl√ľckes Schmied" die soziale Verantwortung der Armutsbek√§mpfung auf den Einzelnen abgegeben wird und wie einige wenige davon profitieren. (2012)

Good Food. Bad Food. Anleitung f√ľr eine bessere Landwirtschaft. Coline Serreau zeigt in ihrer vision√§ren Dokumentation Menschen, die Antworten auf die dr√§ngendsten Probleme unserer Zeit gefunden haben: Sie leben vor, wie unsere Ressourcen effektiv genutzt werden k√∂nnen, ohne dabei die Natur zu zerst√∂ren und Menschen in bitterste Armut zu treiben. (2011)

Taste the Waste. Eine Dokumentation von Valentin Thurn. In unserer Wohlstandsgesellschaft werden √ľber die H√§lfte der Lebensmittel weggeworfen. Aber wer macht aus all den Waren M√ľll und welche Konsequenzen hat diese Form der Wirtschaft f√ľr die Ern√§hrung von sieben Milliarden Menschen und f√ľr das Klima auf der Erde? Valentin Thurn findet vielf√§ltige Antworten bei den unterschiedlichsten Menschen und zeigt Alternativen auf, die diese Verschwendung zumindest eind√§mmen k√∂nnen. (2011)

Weitere Infos unter:

Die LandarbeiterInnenbewegung f√ľr Nahrungssouver√§nit√§t und Sozialen Wandel in Bangladesch ist ein Zusammenschluss der Bangladesh Krishok Federation und der Frauenorganisation Bangladesh Kishani Sabha mit rund zwei Millionen Mitgliedern, die sich auch f√ľr Geschlechtergerechtigkeit einsetzt.

Webseite des Bio√∂konomierats, der als unabh√§ngiges Beratungsgremium der Bundesregierung √ľber seine Arbeit informiert.

Literatur > Sachbuch Beitrag vom 01.08.2016 Helga Egetenmeier 





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