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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 30.08.2011

Taste the Waste. Eine Dokumentation von Valentin Thurn. Kinostart 08. September 2011
Britta Leudolph

In unserer Wohlstandsgesellschaft werden ├╝ber die H├Ąlfte der Lebensmittel weggeworfen. Aber wer macht aus all den Waren M├╝ll und welche Konsequenzen hat diese Form der Wirtschaft f├╝r ...



... die Ern├Ąhrung von sieben Milliarden Menschen und f├╝r das Klima auf der Erde? Valentin Thurn findet vielf├Ąltige Antworten bei den unterschiedlichsten Menschen und zeigt Alternativen auf, die diese Verschwendung zumindest eind├Ąmmen k├Ânnen.

In West-Europa und Amerika sind die Menschen es gewohnt, im Supermarkt grunds├Ątzlich gef├╝llte Regale vorzufinden, und zu jeder Jahreszeit sind alle Produkte erh├Ąltlich, von Erdbeeren ├╝ber ├äpfel hin zu Bananen, kaum ein Mensch wei├č noch, zu welcher Zeit bestimmte Produkte in der Region angebaut werden. Alles ist immer in tadellosem Zustand. In den B├Ąckereien sind die Brotst├Ąnde auch zum Abend hin prall gef├╝llt, alles scheint immer im ├ťberfluss vorhanden. Die Handelsketten haben ihre KundInnen soweit erzogen, dass sie nur in den seltensten F├Ąllen zu Gem├╝se greifen w├╝rden, das nicht mehr ganz so frisch aussieht oder kleinere Fehler aufweist. In der Regel werden KundInnen diese Waren in den Superm├Ąrkten gar nicht erst vorfinden.

Doch was ist der Preis f├╝r diese Form der Wirtschaft? Valentin Thurn erforscht in seiner Dokumentation, was mit all den Waren passiert, die nicht den g├Ąngigen Handelsklassen entsprechen. Sie landen auf dem M├╝ll.

Thurn reiste f├╝r seine Recherchen um den Globus, in Deutschland, ├ľsterreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den USA trifft er Menschen, die diese irrsinnige Verschwendung stoppen wollen.

In Deutschland spricht er mit Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, einem Bauern, dem es das Herz bricht, dass er Kartoffeln, die zu klein oder zu gro├č sind oder kleinere Fehler aufweisen, nicht ernten kann, da er daf├╝r im Handel keine AbnehmerInnen findet, sie bleiben auf dem Feld liegen und verrotten. Der Bauer ist froh, wenn Menschen aus seiner Region die liegengebliebenen Kartoffeln ernten und mit nach Hause nehmen.
Thurn besucht in Frankreich die Pariser Tafel ANDES, wo die aus Kamerun stammende V├ęronique Abouna Ndong Lebensmittel sortiert, die vom Pariser Gro├čmarkt Rungis aussortiert wurden. V├ęronique ger├Ąt immer wieder mit ihrem Vorgesetzten dar├╝ber in Streit, was noch verwertbar ist und was nicht. Und immer wieder ist sie fassungslos ├╝ber die grassierende Verschwendung, an der sich die wenigsten zu st├Âren scheinen.

Die Dokumentation "Taste the Waste" blickt auf die Folgen f├╝r die Welt, die eine Wirtschaft nach sich zieht, die f├╝nfzig Prozent der erzeugten Lebensmittel wegwirft und als M├╝ll deklariert. Westliche Bev├Âlkerungen kaufen ihre Waren auf dem gleichen Weltmarkt auf dem auch Entwicklungsl├Ąnder kaufen. W├╝rde weniger weggeworfen, m├╝sste weniger gekauft werden und Preise blieben auch f├╝r Menschen aus armen Regionen niedriger.

Zum Regisseur: Valentin Thurn, geboren 1963 in Stuttgart, ist verheiratet und hat drei Kinder. Er war Autor und Regisseur zahlreicher Fernsehdokumentationen f├╝r diverse ├Âffentlich-rechtliche Fernsehanstalten wie ZDF, Arte oder den WDR. Er ist Herausgeber der Sachb├╝cher "W├╝stenErde", "Klassenfeind Natur " und "Adressbuch Umweltverb├Ąnde Osteuropa". Zudem lehrte und referierte er f├╝r das Goethe-Institut in Bombay/Indien, f├╝r die Stiftung Alem├ín in Mexico und diverse andere Organisationen. Er erhielt f├╝r seine Arbeiten zahlreiche Auszeichnungen.

AVIVA-Tipp: Verschwendung ist schon lange eine Begleiterscheinung unseres Lebensstils. Fr├╝chte und Gem├╝se, die keiner Handelsklasse entsprechen sind mittlerweile vielen VerbraucherInnen suspekt, allein aus dem Grund, dass sie sie gar nicht mehr kennen. Konsequenter Weise kommen sie gar nicht erst in die M├Ąrkte, sondern werden bei der Ernte liegen gelassen. Gleichzeitig sind viele Lebensmittel so billig, dass es kaum wehtut, sie wegzuschmei├čen. "Taste the Waste" nimmt sich umfangreich dieser Thematik an und zeigt auf, wie westeurop├Ąische KonsumentInnen mit ihrem Verhalten daf├╝r verantwortlich sind, dass in ├Ąrmeren Regionen lebenswichtige Produkte unerschwinglich geworden sind. Valentin Thurn l├Ąsst in seiner denkw├╝rdigen Dokumentation aber auch viele Menschen zu Wort kommen, die sich gegen diesen organisierten Wahnsinn engagieren.

Taste the Waste
Deutschland 2011
Regie und Autor: Valentin Thurn
Kamera: Roland Breitschuh
Schnitt: Birgit K├Âster
Musik: Pluramon
L├Ąnge: 88 Minuten
Format: 1:1,85
Sprache: Deutsch, zum Teil mit deutschen Untertiteln
Weltpremiere: 61. Berlinale, 18.Februar 2011-08-30
Kinostart: 08. September 2011
Verleih: W-Film
www.tastethewaste.com

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Kultur Beitrag vom 30.08.2011 Britta Leudolph 





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