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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 17.07.2008

My Brightest Diamond - A Thousand Shark┬┤s Teeth
Clarissa Lempp

Shara Wordens, aka My Brightest Diamond, stellt ihr zweites musikalisches Werk vor. AVIVA-Berlin sprach mit der Musikerin ├╝ber Art-Rock, ihr Opernstudium, Hasen und nat├╝rlich das neue Album.



D├╝stere brachiale Gitarren, eine hallend klare und durchdringende Stimme, harmonisierender Streichersatz. "Inside a Boy" gibt einen furiosen Einstieg in das zweite Album der New Yorkerin Shara Worden. Bereits mit ihrem Deb├╝t "Bring Me The Workhorse" kam ihr Lob und Wohlwollen von KritikerInnen und Art-Folk-LiebhaberInnen zu. Mit einer f├╝r die Oper ausgebildeten Stimme entwaffnet die Musik von My Brightest Diamond durch den vielschichtigen Gesang, der sich leichtf├╝├čig zwischen Avantgarde und der schlafwandlerischen Eindringlichkeit einer Beth Gibbons bewegt. Im April stellte sie ihr neues Album im Berliner "Privat Club" vor: "A Thousand Shark┬┤s Teeth". Ein gef├Ąhrlicher Titel.
"Der Titel kommt aus dem Song "Goodbye Forever". Es geht dabei um Momente in Beziehungen, wie Unsicherheit oder Angst, die uns davon abhalten uns an jemandem zu binden ÔÇô und es geht um den Wunsch frei von diesen Barrieren zu sein, die zwischen Menschen entstehen. Sagen wir, die Liebe ist die Sonne und mit gen├╝gend Abstand verstreut sie ihr Licht auf dich und prickelt und blinkt wie tausend Haifischz├Ąhne. Es ist eine Metapher von der Kraft der Liebe und der M├Âglichkeit der Zerst├Ârung."

Die Songs erz├Ąhlen von "Zwischenwelten", halb Licht, halb Schatten. Inspiration sind hierf├╝r auch andere K├╝nstler: Der Maler Anselm Kiefer oder die FotografInnen Parke Harrison und Diane Arbus werden auf der Homepage genannt. Die Cover-Bilder im Album lassen in ein schwarz-wei├čes Wunderland blicken. Unumg├Ąnglich wird die Assoziation zu Carrolls "Alice im Wunderland" mit Shara Wordens Liebe zu `Bunnys┬┤, anschaulich und unterhaltsam u.a. auf dem Weblog ihres amerikanischen Labels Asthmatic Kitty dokumentiert.
"Ich habe Hasen schon immer geliebt. Mein Gro├čvater hatte eine Farm, auf der es viele Hasen gab, manche liefen auch wild herum. Au├čerdem sind es gro├čartige Haustiere f├╝r New York."
Und auch Alice findet sich auf dem Album wieder, im psychedelisch anmutenden Percussion-St├╝ck "Like a Sieve".
┬ę Foto: Julien Bourgeois

"Es ist dieses Bild, einzutauchen in einen Pool aus Tr├Ąnen. Nachdem Alice gro├č geworden ist und heftig geweint hat, isst oder trinkt sie etwas, das sie wieder klein macht. Sie schwimmt in diesem Pool aus ihren Tr├Ąnen, mit all den kleinen Tieren. Ich begann dar├╝ber nachzudenken, wie man solch einen Pool s├Ąubern k├Ânnte, von all den schlechten Dingen im Leben, um das Wasser zu reinigen. Der Song `Like a Sieve┬┤ basiert auf dieser Idee. Aber ├╝ber all das denke ich nicht beim Schreiben der Songs nach. Das ist mehr ein unterbewusster Vorgang, ohne zu analysieren. Ich schreibe auch immer alleine, weil es eben eher in einem pers├Ânlichen Raum entsteht."

Gemeinsames Musizieren ist Shara Worden aber nicht fremd. Als Mitglied von "The Illinoismakers" begleitete sie Sufjan Stevens auf seiner Tour. W├Ąhrend auf dem ersten Album, recht ├╝berschaubar Earl Harvin am Schlagzeug, Chris Bruce am Bass und ihr Vater Keith am Akkordeon zur Seite standen, trumpft "A Thousand Shark┬┤s Teeth" orchestral auf. Die Songs sind gro├če Arrangements. Streicher, Oboen, Vibraphone, Marimbas, Drums, Harfen und E-Gitarren, die an die Industrial-Rock-Band TOOL erinnern. ├ťber den Vergleich freut sich Worden. "I love Tool. Ich habe sie eine Zeit lang sehr oft geh├Ârt"", sagt sie. Ihr neues Album wurde in Berlin, New York und Los Angeles aufgenommen, unter der Hand Husky H├Âskulds, der bereits mit Tom Waits und Elvis Costello arbeitete.
"Die Aufnahmen f├╝r `A Thousand Sharks Teeth┬┤ begannen eigentlich 2004, also bevor das erste Album ver├Âffentlicht war. Ich hatte das Streich-Quartett aufgenommen. Aber ich mochte etwas daran nicht. Also fing ich an, immer mehr herauszunehmen, bis ich mich daf├╝r entschied, es neu zu machen. Unter anderem kam ich so auch nach Berlin. Mein Schlagzeuger lebt hier und wir haben im Studio von `Warren Suicide┬┤ die Drums aufgenommen."
Die ersten Aufnahmen mit Streich-Quartett erschienen als Bonus-EP "Shark Demos".

Mit dem Ablegen der Indie-Rock Attit├╝de von "Bring Me The Workhorse", steht Shara Worden jetzt in einer Reihe mit den Avantgarde-Pop-Alternative-Queens, wie Kate Bush, Bj├Ârk oder Coco Rosie. Um ihre Eigenst├Ąndigkeit muss man sich aber nicht sorgen.
"Ich bin immer ein wenig gegen den Strom geschwommen. Als ich Operngesang studierte, war ich Inlineskaterin. Ich trug riesige Hosen und fuhr ├╝berall auf Skates hin. Aber ich konnte hart arbeiten. Das haben meine Lehrer erkannt und mich unterst├╝tzt. Unabh├Ąngigkeit ist etwas, wie eben nicht die Form zu unterschreiben. Aber ich mag auch Justin Timberlake oder Prince, richtig poppiges Zeug."

My Brightest Diamond im Netz: www.mybrightestdiamond.com und auf MySpace

AVIVA-Tipp: Wer Joanna Newsom mag, alle Bj├Ârk Alben besitzt oder gar Josephine Foster liebt, f├╝hlt sich bei My Brigthest Diamond bestens aufgehoben. Und auch live l├Ąsst sich Shara Worden nur w├Ąrmstens empfehlen, weil sie neben einer gro├čartigen Musikerin auch eine talentierte und herzlich-komische Entertainerin ist.

My Brightest Diamond
A Thousand Shark`s Teeth

Label: Asthmatic Kitty Records, V├ľ: Juni 2008

Music Beitrag vom 17.07.2008 Clarissa Lempp 





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