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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.03.2014

Judith Holofernes - Ein leichtes Schwert
Natalie Siehr

2005 textete sie noch "Gekommen, um zu bleiben" f├╝r ihre Band "Wir sind Helden" und landete damit einen Hit. Aber wie so oft im Leben kam es dann auch f├╝r Judith Holofernes irgendwie anders...



2011 hie├č es: "Wir sind raus". Die Band "Wir sind Helden" entschied sich nach elf sehr erfolgreichen Jahren erst mal eine Pause einzulegen. Damit wurde es auch still um die Frontfrau und Texterin Judith Holofernes.

Nun ist sie mit ihrem Soloalbum "Ein leichtes Schwert" zur├╝ck und fast schon omnipr├Ąsent in den Medien. "Wir sind Helden" geh├Ârten damals zu den meistbesprochenen Bands Deutschlands und Judith Holofernes war eine ├Ąu├čerst gefragte Interviewpartnerin. Das hatte sowohl mit den Texten, die sie f├╝r die Band schrieb, als auch mit ihrer sympathischen und bodenst├Ąndigen Art zu tun. Mit ihren Texten traf sie ziemlich genau den Nerv der Zeit. Viele konnten sich in den alltagsnahen Geschichten, die sie erz├Ąhlte, wiederfinden. Vor allem ihre Kapitalismus- und Konsumkritik kam bei den Fans gut an, auch wenn KritikerInnen sie daf├╝r auch gern bel├Ąchelten. Doch nach vier Alben und f├╝nf Jahren auf Tour, mit ihren Kindern im Gep├Ąck, war es Zeit f├╝r eine Pause.

Ohne dass Frau Holofernes es von langer Hand geplant h├Ątte, ist ihr Soloalbum "Ein leichtes Schwert" ein bisschen wie nebenbei entstanden. Daf├╝r hat sie sich eine bunte Mischung an Unterst├╝tzerInnen ins Boot geholt, wie Mama Rosin, eine Cajun Rhythm and Blues Formation aus der Schweiz. Daneben findet sich auch noch Tobias Jundt, aka Bonaparte. Das Ergebnis ist ein Album, dass vor offensichtlicher Freude am eigenen Tun nur so strotzt. Musikalisch ist es verschwurbelt, sehr temporeich und ungeschliffener als der Sound von "Wir sind Helden".

Der Opener "Nichtsnutz", eine charmante Ode an den M├╝├čiggang, schwingt sich leichtf├╝├čig und mit eing├Ąngigem Rhythmus ein und hat Ohrwurm-Potential.
Darauf folgt klassischer Rock┬┤n┬┤Roll-Country-Sound wie im r├╝hrenden "Pechmarie", in dem Frau Holofernes eine kleine Geschichte ├╝ber den nicht immer heiteren Alltag als Mutter erz├Ąhlt.
Eine Perle des Albums ist "Liebe Teil 2 Jetzt erst recht". Ein unromantisches romantisches Liebeslied f├╝r all die gestressten und m├╝den Eltern dieser Welt. Was Judith Holofernes gleich unter den Verdacht stellte, eine "Mutti-Platte" aufgenommen zu haben und sich ins Private zur├╝ckzuziehen. Aber wer sich durch das Album h├Ârt, merkt sehr schnell, dass das nicht der Fall ist. Die Themen sind vielf├Ąltig, die Texte purzeln zwischen Dada und Tiefgr├╝ndigkeit hin und her und ja, es kommen auch mal Kinder darin vor. Aber Judith Holofernes hatte schon immer den Anspruch, Texte zu schreiben, die nah am Alltag sind.
Und bei aller Alltagsn├Ąhe gelingt ihr eben auch immer eine sch├Âne Form der Poesie, wie in dem St├╝ck "Brennende Br├╝cken".

AVIVA-Tipp: Auf ihrem Blog schreibt Frau Holofernes, wie sehr sie "Graceland" von Paul Simon liebt und wie sehr ihr Herz f├╝r den S├╝dstaaten-Sound wie Delta Blues und Cajun schl├Ągt. Das ist ihrem Solo-Album anzuh├Âren. Und auch wenn ihr Gesang an manchen Stellen ein wenig quietscht, macht die unb├Ąndige Spielfreude das wett. Ein Album nicht nur f├╝r eingefleischte "Helden"fans, sondern auch f├╝r Freundinnen eines leicht ungeschliffenen, aber daf├╝r voller Herzblut steckenden Musikvergn├╝gens.

Judith Holofernes
Ein leichtes Schwert

V├ľ: 07.02.2014
Label: Four Music

Judith Holofernes im Netz:

www.judithholofernes.com

www.youtube.com


Weiterh├Âren auf AVIVA-Berlin:

Die Reklamation, das neue Album von Wir sind Helden sowie ein Interview mit Judith Holofernes und Pola (2003)


Music Beitrag vom 03.03.2014 Natalie Siehr 





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