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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2018 - Beitrag vom 12.12.2015

Garbage - Garbage. 20th Anniversary Deluxe Edition
Julia Lorenz

Nach Trennungsgerüchten, privaten Dramen und zuletzt eher mittelmäßigen Alben besinnen sich die Alternative-Legenden auf ihre goldenen Zeiten in den frühen 90ern und legen ihr Debutalbum neu auf.



Schon immer waren Garbage spät dran - und doch ihrer Zeit voraus. Als sie 1994 ihr selbstbetiteltes Debutalbum veröffentlichten, war der Grunge mit Nirvana-Frontmann Kurt Cobain zu Grabe getragen worden, und auch die Riot-Grrrl-Bewegung hatte ihren Zenit überschritten. Dennoch gelang dem Quartett mit ihrem Alternative-Rock ein sensationeller Erfolg: Über vier Millionen Mal verkaufte sich das Album weltweit.

Shirley Manson, Butch Vig, Steve Marker und Duke Erikson elektrifizierten den Grunge, erweiterten den schweren Gitarrensound der frühen Neunziger um Pop- und Electronica-Einflüsse und persiflierten den düsteren Nihilismus des Genres: "You know I love it when the news is bad/ And why it feels so good to feel so sad" sang Shirley Manson in "Only happy when it rains", einem der größten Hits der Band. Wirklich sicher, wie ernst es der charismatischen, charmant-morbiden Frontfrau mit dem Lebensverdruss ist, konnte mensch sich nie sein.

Zum 20. Jubiläum legt die Band ihr legendäres Debut als Doppel-CD neu auf, angereichert mit Remixen der Originalsongs und bislang unveröffentlichten Versionen der Tracks. Eine Entscheidung, die zu einer Band passt, die im Mainstream oft als Projekt eines genialen Produzenten wahrgenommen wurde: Butch Vig, der Platten für Größen wie Sonic Youth produzierte und bereits zu Beginn der Neunziger eine Art Legendenstatus innehatte, galt seit jeher als "Mastermind" von Garbage.

Dabei prägte vor allem Sängerin Shirley Manson mit ihrer markant-nasalen Stimme und ihrem radikalen Auftreten das Image der Band. Die gebürtige Schottin stieß 1994 zu Garbage und sollte in der Folgezeit zu einer der kontroversesten Persönlichkeiten in der Musiklandschaft der 90er avancieren. Manson sprach offensiv über Sex, spielte mit ihrem Status als extravagante Frontfrau und sang mit "Queer" einer Hymne für alle Menschen, die sich als "the queerest of the queer, the strangest of the strange" fühlten.

Und doch blieb auch Manson vom Sexismus im Musikgeschäft nicht verschont. So habe sie etwa den Bandnamen Garbage stets gehasst - doch Änderungswünsche seien bei ihren männlichen Bandkollegen auf taube Ohren gestoßen. "Ich habe ein paar sehr frostige Blicke als Antwort bekommen und das war es. Danach habe ich das Thema nie wieder angeschnitten", sagte Manson im Interview mit dem Deutschlandfunk. Im Gespräch mit dem Musikportal laut.de erzählte die Sängerin, dass Plattenfirmen sie seit jeher zum "Pop-Püppchen" transformieren wollten.

Doch sie und Garbage blieben sich treu, trotz privater und beruflicher Krisen: Nach den Erfolgen mit ihrem Debutalbum und dem Zweitwerk "Version 2.0" behinderten Krankheitsfälle und Reibereien innerhalb der Band das kreative Fortkommen. Nach der Veröffentlichung des vierten Studioalbums "Bleed like me" machte sich Erschöpfung bei der Band breit. Es folgte die Absage ihrer Europatour und Trennungsgerüchte, welche die Band jedoch dementierte. Als schließlich 2007 mit "Absolut Garbage" ein Best-of-Album erschien, schien es endgültig so, als arbeite die Band an ihrer eigenen Musealisierung. Auch ihr letztes Studioalbum, "Not your kind of people" von 2012, fügte dem Sound mit dem Garbage bekannt geworden sind, kaum Neues hinzu.

Die Wiederveröffentlichung ihres Debuts ist nun eine gute Gelegenheit, sich an die großen Tage von Garbage zu erinnern. Völlig neu entdecken werden HörerInnen die Band auch nicht mittels der B-Sides. Und doch dürfte das Doppelalbum alten und neuen Fans eine Erkenntnis liefern: Songs wie "Vow" und "Supervixen", die Popmelodien mit kratzbürstigem Rock vermählen, haben den Jahren standgehalten. Und erinnern in ihrer Direktheit daran, dass das Frauenbild in der Rockmusik der frühen Neunziger sehr viel innovativer war als heute vielerorts.
AVIVA-Tipp: Ein Muss für Fans, ein perfekter Einstieg für NeuentdeckerInnen: Das legendäre Garbage-Debut von 1994 ist ein Klassiker, der mit B-Sides und Remixen zwar nur um neue Nuancen ergänzt wurde, aber noch immer überzeugt.

Zur Band Garbage wurde von Butch Vig, Steve Marker und Duke Erikson gegründet. Ein Jahr später stieß Shirley Manson, bis dato Sängerin der Band Angelfish, zu Garbage. Die Band veröffentlichte bislang fünf Studioalben. Nach Trennungsgerüchten und längeren kreativen Pausen touren Garbage seit 2012 wieder regelmäßig.

Weitere Infos zur Band unter www.garbage.com

Garbage
Garbage (20th Anniversary Deluxe Edition)

Label: Pias Coop/Stun Volume (rough trade)
VÖ: Oktober 2015
www.roughtrade.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Riot Grrrl Revisited. Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung. Herausgegeben von Katja Peglow und Jonas Engelmann. Erweiterte Neuauflage mit Pussy Riot und Slutwalks


Music Beitrag vom 12.12.2015 Julia Lorenz 





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