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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 08.10.2009

Shakira - She Wolf
Lisa Erdmann

Hinter einem Cover, welches jede emanzipierte Frau als Diskriminierung verstehen kann, versteckt sich ein orientalischer Mix aus feinsten RnB- und Electroklängen, die sowohl club-...



... als auch chartverdächtig daherkommen.

Es scheint fast erschreckend, wie sich Shakira nach zwei Jahren Kreativpause in ihrem neuen Video zur Single She Wolf mit hautfarbenen Catsuit im K√§fig rekelt. War die K√ľnstlerin einst musikalische Ikone der Weiblichkeit, fragt Frau sich nun beim Anblick des Covers, warum Shakira sich nach fast 20 Jahren B√ľhnenerfahrung getreu dem "Sex sells"-Motto vermarkten muss. Mit Wespentaille und jeder Menge Photoshop-Retusche pr√§sentiert sich der Betrachterin keine "She Wolf", sondern eine vogelscheuchenartige Plastikpuppe, die sich in eine Paillettencorsage zw√§ngt.

Produzent der ersten Singleauskopplung zum gleichnamigen Album "She Wolf" war niemand geringeres als John Hill, der nicht zuletzt durch seine Produktion des Santigold (fr√ľher Santogold)-Albums weltweit allerbeste Kritiken bekam. Sehr elektronisch kommt sie diesmal daher, die kolumbianische W√∂lfin und sie hat sich ordentlich Unterst√ľtzung mitgebracht - die Produzentengr√∂√üen Wyclef Jean und Pharrell Williams haben auch bei Shakiras achtem Album, zugleich ihr drittes englischsprachiges Studioalbum, wieder mitgemischt und treten bei mehreren Tracks als Co-Writer auf.

Die Lateinamerikanerin zeigt, wie komplex ihre Musik ist. Kommt Track Nummer Drei "Long Time" noch ganz s√ľdl√§ndisch mit verspielten Tango-Rhythmen und nach Reggaetonmanier ins Ohr, f√ľhrt der n√§chste Titel "Why Wait" in eine andere Welt. Zusammen mit "Good Stuff verzaubern die beiden Songs mit einer Spur "Tausendundeine Nacht". Orientalische Kl√§nge und viele einheizende Trommeln laden ein zu einer Reise in arabische N√§chte und Bollywoodsph√§ren. Es klingt nicht gezwungen, sondern nach Spa√ü am Musikmachen und Frau kauft Shakira diese feurigen Latinokl√§nge auf Grund ihrer Herkunft und ihres famili√§ren Backgrounds ab, auch ohne getuntes Sexy-Vamp-Cover.

Spielt man den n√§chsten Song an, ist man sofort wieder im Hier und Jetzt, elektronische Pop-Beats holen die H√∂rerin zur√ľck und Shakira schreit ihre wichtigste Frage heraus: "Where are all the men in this town" ‚Äď es sind die B√§sse, die bei diesem Album √ľberzeugen, die Texte sind es nicht.

Zwiespältig bleiben vor allem die ersten beiden Titel des Albums, denn rhythmisches Gestöhne, Plastikbeats und eine knappe Melodie gefallen nicht jeder, vor allem nicht Hörerinnen, die Shakiras Musik nach gesanglichen Qualitäten und nicht nach dem Kriterium der Clubtauglichkeit bewerten.

Besonders gelobt werden muss jedoch, dass die Kolumbianerin auch ihr rockiges K√∂nnen mit der Tanznummer "Mon Amour" beweist und vor allem Track Sieben, "Gipsy" sofort zum Ohrwurm avanciert. Gitarren, eing√§ngige Percussion und ein Banjo im Background zeigen Shakiras Leidenschaft f√ľr Musik und eine ganz neue, eher minimalistische Seite der S√§ngerin. Shakiras Musik erinnert hier wieder an Bluegrass √° la Alison Krauss und selbst der Text dieses Folklorehits hebt sich qualitativ von den anderen ab. Doch nicht nur bei diesem Titel f√§llt auf, dass Shakira sich von den lolitahaften Pop-P√ľppchen stark unterscheidet. Trotz Kreativit√§t und Experimentierfreude bleibt sie sich selbst treu. Deshalb sind die Titel She Wolf, Did It Again, und Why Wait sowohl in englischer, als auch in spanischer Version auf dem Album vertreten ‚Äď schlie√ülich hatte die selbst√§ndige Songwriterin vor ihrem internationalen Erfolg in ihrer Heimat bereits seit ihrer Jugend eine riesige Fangemeinde.

Shakira landete in Deutschland bisher drei Nummer-Eins-Hits, weltweit gingen ihre Ver√∂ffentlichungen mehr als f√ľnfzig Millionen Mal √ľber den Ladentisch. Ihre letzten beiden Alben, "Fijaci√≥n Oral Vol. 1" und "Oral Fixation Vol. 2", die beide 2005 erschienen und in Deutschland vierfach Platin erhielten, verkauften sich √ľber acht Millionen Mal.

Shakira im Netz: www.shakira-online.de

AVIVA-Tipp: Sieht man vom unangenehmen Cover einmal ab, befinden sich auf dem abwechslungsreichen Album neben tanzbaren Uptempo-Sounds auch sanfte Balladen sowie typische Shakira-Latino-Tracks, die an den kolumbianischen Wurzeln der K√ľnstlerin keinen Zweifel lassen.

Shakira
She Wolf

Label: Sony Music, V√Ė: Oktober 2009

Music Beitrag vom 08.10.2009 Lisa Erdmann 





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