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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 01.05.2010

Buika - El √öltimo Trago
Lisa Erdmann

Auf ihrem vierten Album widmet sich die Mallorquina dem klangreichen Erbe der legendären Chavela Vargas. Mit ergreifender Leidenschaft und mediterranem Pathos erweckt Buika die schönsten...



... Liebeslieder der mittlerweile 91-j√§hrigen Ranchera-S√§ngerin zu neuem Leben - und h√ľllt die verzauberte H√∂rerin in laue Sommern√§chte mit intimer (Jazz-)Bar-Atmosph√§re.

Die 1972 auf Mallorca geborene Concha Buika z√§hlt zu der Sorte von S√§ngerinnen, die heutzutage als weitgehend ausgestorben gelten. Ihr musikalisches Repertoire reicht von Rumba und Flamenco √ľber Copla Andaluza und Bolero bis hin zu Latin-Jazz, House- und Pop-Musik, wobei ihre unverwechselbare, rauchig-gef√ľhlvolle Stimme konsequent √ľberzeugt. Die Tochter politischer Fl√ľchtlinge √Ąquatorialguineas gilt nicht nur als eine der au√üergew√∂hnlichen S√§ngerinnen Spaniens, sie kann dar√ľber hinaus bereits mehrere Auszeichnungen und Grammy-Nominierungen ihr eigen nennen.

Mit ihrem mittlerweile vierten Album "El √öltimo Trago" widmet sie sich nun den wohl bekanntesten und gr√∂√üten Liedern der mexikanischen Folk-Legende Chavela Vargas, die sich √ľbrigens erst im Jahr 2000, im Alter von 81 Jahren √∂ffentlich zu ihrer Homosexualit√§t bekannte. Unterst√ľtzt wird Buika von keinem Geringeren als dem mit f√ľnf Grammys ausgezeichneten kubanischen Pianisten und Komponisten Chucho Vald√©s, welcher mit seinem virtuosen, phrasierungsreichem Spiel - ein einzigartiges Konglomerat aus lateinamerikanischer Harmonik und afroamerikanischer Rhythmik - Weltruhm erlangte.

Auch wenn es der H√∂rerin scheint, als h√§tten der Jazz- und Klassikmusiker Vald√©s und Buika, S√§ngerin eher traditionell hispanoiden Liedguts, musikalisch wenig gemeinsam, so teilen sie doch h√∂rbar die Liebe zu ihren afrikanischen Wurzeln und das makellose Gesp√ľr f√ľr die richtige Portion Emotionalit√§t und Leidenschaftlichkeit der mediterran-lateinamerikanischen Liederwelt. Im April vergangenen Jahres trafen sie einander im Abdala-Studio in Kuba und nahmen unter Mithilfe des Produzenten Javier Lim√≥n die Vargas-Hommage "El √öltimo Trago" auf.

Das aus der Zusammenarbeit entstandene Klangwerk kann sich mehr als h√∂ren lassen. Der liebeskummerschwere Opener "Soledad" erz√§hlt mit zartem Klavier, einem zur√ľckhaltendem Caj√≥n und einer nur zu erahnenden Cabasa von sehnsuchtsvoller Einsamkeit, verspr√ľht aber dennoch einen Hauch kubanischer Leichtigkeit. Der Dritte Song, "Las Ciudades", erz√§hlt von der Traurigkeit einer endenden Liebe. Die Mallorquina √∂ffnet auch hier der H√∂rerin ihr Herz und trifft sie damit im selbigen. Frau m√∂chte mit ihr weinen, leiden und sich in ihrem Pathos ergehen.

Das Herzst√ľck der "Celebraci√≥n", der gleichnamige Titel "El √öltimo Trago" (Der letzte Schluck), wird dank Buikas anmutender Vertonung zum kostbaren Tropfen, der keinesfalls verschwendet oder gar zu Ende gehen darf. Valdes` zart h√ľpfendes Klavierspiel legt sich dabei unter die mal kraftvollen, mal beinahe s√§uselnden T√∂ne der Enddrei√üigerin.

Der letzte Titel des Longplayers, "Vamonos", erinnert mit Versen wie "Lass uns fortgehen, dorthin, wo uns niemand verurteilt, dorthin, wo uns niemand sagt, dass wir etwas Schlechtes tun" die Hörerin wieder daran, welche Frau sich einst diese bedeutsamen Zeilen von der Seele sang.

Concha Buika schien von Anfang an prädestiniert, die unvergleichlichen Canciónes der mexikanischen Legende mit den indianischen Wurzeln neu zu vertonen. Ihr tief-rauchiges, Schwermut-getragenes Timbre, das vor Energie und Emotionalität nur so strotzt, erinnert mehr als einmal an das der mittlerweile 91-Jährigen Vocalista.

Die beiden au√üergew√∂hnlichen K√ľnstlerinnen verbindet jedoch noch mehr: Beide sangen einst in rauchigen Bars, beide sind heute Musen des Regisseurs Pedro Almod√≥var. Chavela Vargas, die sich fr√ľher am liebsten in M√§nnerkleidung, rauchend, trinkend und √§u√üerst eigensinnig pr√§sentierte und als eine der engsten Vertrauten Frida Kahlos galt, outete sich erst vor wenigen Jahren und beschrieb sich in einem sp√§teren Interview mit dem wunderbaren Satz: "Ich bin eine Frau, mutig, wild, lesbisch und gut."

Auch Concha Buika steht heute offen zu ihrer Bisexualität und erklärte ihre einzigartige Persönlichkeit einst mit den Worten "I am bisexual, three-phase and tridimensional."

Buika im Netz: www.buika.casalimon.tv und www.myspace.com/conchabuika

AVIVA-Tipp: El √öltimo Trago ist ein wahres Meisterwerk der Gef√ľhle. Mit ihrer herausragenden Stimme, welche das Herz Buikas in jeden einzelnen der zw√∂lf Songs legt, kehrt die Artista ihr musikalisches Innenleben nach Au√üen und offenbart der H√∂rerin eine faszinierende Intimit√§t. Die bezaubernde Melange aus modernen Jazz-Elementen und Lateinamerikanischen Flamenco- und Rancherakl√§ngen h√ľllt das Auditorium in eine Gef√ľhlswelt, welche wohl nur von romanischen Sprachen so wohlklingend in Worte gefasst werden kann.


Buika
El √öltimo Trago

Label: Warner Music Spain, V√Ė: April 2010


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Music Beitrag vom 01.05.2010 Lisa Erdmann 





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