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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 16.06.2010

Morcheeba - Blood Like Lemonade
Claire Horst

Wer Mitte der Neunziger musikalisch sozialisiert wurde, konnte Morcheeba kaum entkommen. In den Fußspuren von Massive Attack, Portishead und Tricky produzierte die britische Band chillige ...



... Downtempo-Beats, die auf ihren Konzerten ebenso einschlugen wie auf heimatlichen Kifferpartys.

Morcheebas eingĂ€ngige Melodien passten genau in das damalige ZeitgefĂŒhl: elektronisch, doch nicht zu anstrengend, clubtauglich, ohne oberflĂ€chlich zu sein, diese Erwartungen erfĂŒllten sie problemlos. Schon der Bandname deutet an, wie ihr Trip Hop atmosphĂ€risch einzuordnen ist: "Cheeba" ist ein Slangausdruck fĂŒr Marihuana. Leicht verspult fĂŒhlt sich noch heute, wer sich auf Morcheebas Musik einlĂ€sst. GlĂŒcklicherweise, denn eine Zeitlang hatte es so ausgesehen, als sei es mit der ursprĂŒnglichen Band aus und vorbei. Maßgeblich fĂŒr den unverwechselbaren Klang der Band verantwortlich war SĂ€ngerin Skye Edwards, deren samtige Stimme aus der Musik der BrĂŒder Ross und Paul Godfrey mehr machte als ein reines Easy-Listening-Projekt. 2004 war sie im Streit ausgestiegen, um ihre Solokarriere zu verfolgen. Von ihr waren in der Folge neben eigenen Alben eine Koproduktion mit David Byrne, Live-Auftritte mit Nouvelle Vague sowie ein Beitrag zum Band Aid-Album fĂŒr Darfur zu hören.

Die Godfreys dagegen hatten weniger GlĂŒck. Nachdem die neue SĂ€ngerin Daisy Martey schon nach einem Jahr genug hatte, luden sie fĂŒr das sechste Album "Dive Deep" verschiedene GastsĂ€ngerInnen ein, was zwar zu hörenswerten Ergebnissen fĂŒhrte, aber auch etwas seelenlos wirkte. Immer weiter entfernte Morcheebas Sound sich von dem ihrer Vorbilder Massive Attack, wurde poppiger und weniger dĂŒster. Ein Zufallstreffen soll nun zur Wiedervereinigung gefĂŒhrt haben, und das Warten hat sich gelohnt. Bis auf wenige HĂ€nger (das allzu radiotaugliche "Beat of the Drum" wĂŒrde sich auch als Fahrstuhlmusik eignen) ist die altbekannte vertrĂ€umte AtmosphĂ€re wieder da - das, was Morcheeba immer ausgemacht hat. Und es ist etwas dazugekommen: Morcheeba können jetzt Geschichten erzĂ€hlen! Text und Musik gehen dabei eine merkwĂŒrdige Allianz ein: WĂ€hrend Skye Edwards beschwörend anhebt, um von AutounfĂ€llen, Giftmörderinnen und VampirjĂ€gern zu erzĂ€hlen, befindet sich die Hörerin schnell wieder da, wo die Band sie haben will: mitten in einer Chillout-Session.

Sein Ziel sei die perfekte Platte fĂŒr bestimmte Stimmungen, erklĂ€rt Ross Godfrey: "I can come home from the pub and spend hours going through thousands of old vinyl records trying to find the one perfect record to fit the moment, and that`s always the one we wanted to make ourselves". Sommerabende auf dem Balkon oder am Strand lassen sich immer noch bestens mit Morcheeba heraufbeschwören. ErgĂ€nzt wird das Altbekannte durch musikalische Neuerungen: Ein afrikanisches Daumenklavier sorgt fĂŒr erdigere Töne, ebenso wie Sitar, Harmonika und vor allem akustische Gitarren. Einige Titel wie "Mandala" erlauben sich sogar AnklĂ€nge an klassischen Blues, und das plĂ€tschernde Klavier fĂŒgt sich hier ebenso gelungen ein wie die gezupfte Gitarre im folgenden "I am the Spring".

AVIVA-Tipp: Nicht nur fĂŒr NostalgikerInnen - Morcheeba haben auch NeueinsteigerInnen einiges zu bieten. Ihr siebtes Album setzt da wieder an, wo die Band mit "Big Calm" (1998) aufgehört hat. Einziger Kritikpunkt: Ohne die AnklĂ€nge an Countryfolk und Blues wĂ€re das Album vielleicht noch runder geworden. Anspieltipps: "Crimson", "Blood Like Lemonade", "Recipe For Desaster".

Morcheeba
Blood Like Lemonade

Pias Recordings / Rough Trade, VÖ 18.06.2010

Morcheeba im Netz: www.morcheeba.co.uk

www.myspace.com/morcheeba

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Music Beitrag vom 16.06.2010 Claire Horst 





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