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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.07.2013

Operation Last Chance II - Sp├Ąt aber nicht zu sp├Ąt
Madeleine Jeschke

Unter diesem Motto startete am 23. Juli 2013 die neue Kampagne des Simon Wiesenthal Zentrums zur Suche nach den letzten Nazi-Verbrechern. Zwei Wochen lang werden Plakate in Berlin, Hamburg und K├Âln...



... aufgeh├Ąngt. Auf sachdienliche Hinweise ist eine Belohnung von bis zu 25.000 Euro ausgesetzt.

Ziel der Initiative sei es laut Efraim Zuroff, Initiator der Kampagne und Leiter des B├╝ros des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem, die noch lebenden und bisher nicht verurteilten NS-Kriegsverbrecher mit Hilfe der Bev├Âlkerung aufzusp├╝ren und vor Gericht zu bringen. Dabei werde nach konkreten Hinweisen gesucht, die zur Strafverfolgung von NS-T├Ątern f├╝hren k├Ânnten. Zuroff sch├Ątzt die Zahl der noch lebenden Nazi-Verbrecher in Deutschland auf 60 bis 120 - die Gesuchten sind vermutlich um die 90 Jahre alt oder noch ├Ąlter.

Hintergrund von Operation Last Chance II

Die Initiative ist der Nachfolger der "Operation Last Chance", die seit 2002 in Osteuropa 2003 in ├ľsterreich und 2005 in Deutschland und aktiv ist, wurde bereits vor eineinhalb Jahren im Bundestag vorgestellt. "Aber es hat gedauert, bis wir die n├Âtigen Mittel zusammen hatten, um loszulegen. Wir haben bei 86 Firmen und Stiftungen um Unterst├╝tzung nachgefragt, aber kaum jemand wollte uns in irgendeiner Form helfen", so der Initiator in einem Interview mit dem WDR am 23. Juli 2013.
Mit der Unterst├╝tzung der WALL AG konnte das Simon Wiesenthal Center nun die Plakatkampagne, mit insgesamt 2.000 City Light Postern, in den drei deutschen Gro├čst├Ądten starten.

Laut Zuroff sei die "Operation Last Chance II" durch die Verurteilung von Iwan Demjanjuk 2011 in M├╝nchen ausgel├Âst worden. Der Ukrainer war 1943 Wachmann im Vernichtungslager Sobibor und hatte sich dort der Beihilfe an der Ermordung von mehr als 28.000 Juden schuldig gemacht. Das Urteil lautete: f├╝nf Jahre Haft wegen Beihilfe zum tausendfachen Mord. F├╝r Zuroff sei damit ein historischer Pr├Ązedenzfall geschaffen worden, denn zuvor musste jedem NS-T├Ąter der Mord individuell nachgewiesen werden. Seither werde wieder gegen die T├Ąter ermittelt, die in Vernichtungslagern eingesetzt waren, ebenso wie gegen Mitglieder von Einsatzgruppen.



Kritik an "Kopfgeld" f├╝r NS-T├ĄterInnen

Kritisch zu an der vom Simon-Wiesenthal-Zentrum ausgeschriebenen Belohnung ├Ąu├čerte sich der deutsch-israelische Historiker Michael Wolffsohn. In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur sagte Wolffsohn: "Viel wichtiger ist, dass eine solide intensive Aufarbeitung der NS-Verbrechen weiter erfolgt. (...)." F├╝r den Historiker sei ein Aufwiegen der NS-Verbrechen mit Zahlen absurd und habe nichts mit einer moralisch intensiven Aufarbeitung zu tun: "Ich finde es geradezu piet├Ątlos und schamlos, 25.000 Euro f├╝r Schwerstverbrecher. Sind die nicht "mehr wert", wenn sie verfolgt werden?"

Im Interview mit dem WDR sagt Zuroff in diesem Zusammenhang: "Zuerst wollten wir die Suche nicht mit Geld verbinden. Aber erst als Geld ins Spiel kam, ist die Kampagne von Medien beachtet worden. Inzwischen ist das Medienecho sogar ├╝ber Deutschland hinaus gro├č." F├╝r den Historiker verdient jedes der Opfer des Nationalsozialismus, dass die M├Ârder zur Rechenschaft gezogen werden, dabei darf weder Zeit noch das hohes Alter der T├Ąter eine Rolle spielen. Die Gerichtsverhandlungen sollen auch als Warnung f├╝r heutige Anti-SemitInnen und RassistInnen gelten, sowie dem bestehenden Kampf gegen die Holocaustleugnungen und -Verzerrungen unterst├╝tzen.

Die Menschenrechtsorganisation Simon-Wiesenthal-Zentrum wurde 1977 von Rabbi Marvin Hier in Los Angeles gegr├╝ndet, wo auch ihr Hauptsitz ist. Das Zentrum ist nach dem ├Âsterreichischen Juden Simon Wiesenthal (1908-2005) benannt worden, der w├Ąhrend der Shoah Dutzende Angeh├Ârige verlor und nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit nach Nazi-T├ĄterInnen forschte. Seine Recherchen erm├Âglichten unter anderem die Ergreifung von Adolf Eichmann.

Mit sachdienlichen Hinweisen zu ehemaligen NS-T├ĄterInnen wenden Sie sich bitte umgehend an die "Operation Last Chance II"-Hotline in Deutschland: (01573) 494-7307

Quellen und weitere Informationen unter:

www.wiesenthal.com

www.operationlastchance.org

"Spektakul├Ąre Plakatfahndung: Jagd auf die letzten Nazi-Verbrecher", Interview mit Efraim Zuroff im WDR am 23.07.2013

Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufkl├Ąrung nationalsozialistischer Verbrechen

www.hagalil.com

Wolffsohn kritisiert Plakataktion zu Nazi-Verbrechen als geschmacklos, Interview auf Deutschlandradio Kultur vom 23. Juli 2013

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Copyright Foto: Madeleine Jeschke


Public Affairs Beitrag vom 26.07.2013 AVIVA-Redaktion 





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