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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.08.2008

Lohnungleichheit als Dauerskandal
Christiane KrÀmer

Frauen verdienen nach den aktuell veröffentlichten Zahlen des statistischen Bundesamtes fĂŒr das Jahr 2006 vierundzwanzig Prozent weniger als ihre mĂ€nnlichen Kollegen, doch was ist daran neu?



Nach dem EU-Berechnungsverfahren vergrĂ¶ĂŸert sich der Gehaltsunterschied zwischen MĂ€nnern und Frauen: er zieht sich durch alle Branchen, in keinem Berufsfeld verdienen Frauen mehr als MĂ€nner. Besonders groß sind die Lohnunterschiede bei unternehmensnahen Dienstleistungen, hier verdienen MĂ€nner brutto fast 30 Prozent mehr als Frauen. Die Ursachen fĂŒr das "Gender Pay Gap"erklĂ€ren sich laut den Erhebungen des Statistischen Bundesamts durch die Berufswahl und Arbeitsmarkesegregation und werden in einen Zusammenhang mit Erwerbsunterbrechungen in Frauenbiografien gestellt. Dabei muss jedoch gefragt werden, warum Frauen nach wie vor bestimmte Berufe wĂ€hlen und in untergeordneten Positionen eingesetzt werden und warum die Erziehungsauszeit ausschließlich fĂŒr sie ein Problem darstellt.

Ungleiche Arbeits- und Zeitteilung, Stereotype und politische Regelungen stehen im Weg

Geschlechterspezifische Arbeits- und Zeitteilung stehen den Frauen im Karriereweg. So erklĂ€ren sich die steigenden Lohnunterschiede in zunehmenden Alter durch einen verdoppelten Anteil der teilzeitarbeitenden Frauen nach der Erziehungspause. Einundvierzig Prozent der ĂŒber 35jĂ€hrigen Frauen arbeiten nur noch halbtags und leisten den Großteil der unbezahlten Familienarbeit, obwohl viele Frauen und MĂ€nner eine partnerschaftliche Teilung anstreben.
Zu einem Umdenken in der Wirtschaft hat auch die neue Elternzeitregelung nicht gefĂŒhrt, der ĂŒberwiegende Teil der VĂ€ter setzte nur zwei Monate Auszeit bei ihren ArbeitsgeberInnen durch. Die Vereinbarung zwischen SpitzenverbĂ€nden der deutschen Wirtschaft und Bundesregierung zur Förderung der Chancengleichheit in der Privatwirtschaft hat daran nichts geĂ€ndert – darĂŒber kann auch die lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llige Schaffung der KrippenplĂ€tze und Betreuungsstrukturen nicht hinwegtĂ€uschen. Steuerpolitische Regelungen wie das Ehegattensplitting degradieren Frauen zudem als "Zuverdienerinnen". Intransparente und stereotypgeleitete Tarif- und Entlohnungssysteme fĂŒhren zu ungleicher Bezahlung aller Frauen und insbesondere von Frauen mit Migrationshintergrund. Besorgniserregend ist in diesem Zusammenhang auch der hohe Anteil von Frauen im Niedriglohnsektor bei 70 Prozent und die hiermit und dem Rentensystem verknĂŒpfte Altersarmut, die der Armutsbericht 2008 thematisiert.

Neuer Aufwind mit der Familienministerin Ursula von der Leyen?

Neu ist neben dem differenzierteren Verfahren die Vereinnahmung der einstmals feministischen Forderungen nach beruflicher Selbstverwirklichung und Gleichstellung der Frauen. Die konservative Familienpolitik richtet sich dabei seit 2005 auf ein leicht modifiziertes traditionelles Familienbild und volkswirtschaftliche sowie demografische Ergebnisse aus. Dies hat sich weder fĂŒr Frauen bezahlt gemacht, noch entspricht es einem modernen und pluralisierten GeschlechterverstĂ€ndnis, welches viele Frauen fĂŒr sich beanspruchen. Individuelle Chancengleichheit muss politisch in allen Bereichen und insbesondere in der deregulierten Privatwirtschaft eingefordert werden: der viel zitierte skandinavische Nachbar Norwegen macht es mit der EinfĂŒhrung der Quote in den VorstĂ€nden vor.

Das Netzwerk der Business and Professional Women (BPW) hat in 2008 mit anderen FrauenverbÀnden und Gewerkschaften im Rahmen einer gemeinsamen Initiative den "Equal Pay Day" in Deutschland ins Leben gerufen, um VertreterInnen der Wirtschaft und PolitikerInnen aller Couleur endlich zum Handeln zu bewegen. Am Equal Pay Day 2008 in Berlin nahmen mehr als hundert GÀste an den Aktionen und Diskussionen teil.


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin

"Equal Pay Day".

"CEDAW Alternativbericht 2008"

"EU-Gleichstellungsbericht 2008"

"Weißbuch Frauen - Schwarzbuch MĂ€nner"aus 2008.

"Das Schwarzbuch zur Lage der Frauen" aus 2007.

Zur Lage von Frauen in Berlin:

"Frauenbericht des Berliner Senats" aus 2006.


"Studie selbststÀndige Frauen in Berlin" aus 2008.


Public Affairs Beitrag vom 27.08.2008 AVIVA-Redaktion 





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