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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 13.04.2008

FrauenbĂŒndnis startet politische Initiative fĂŒr Entgeltgleichheit
AVIVA-Redaktion

"Ich bin mehr wert" so das Motto des Aktionsaufrufs vom Deutschen Gewerkschaftsbund und weiteren VerbĂ€nden. Höhepunkt wird die EinfĂŒhrung des "Equal Pay Day" in Deutschland am 15. April 2008 sein.



FĂŒnfzig Jahre nach Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes in der BRD und der EinfĂŒhrung des Prinzips des gleichen Lohns fĂŒr gleiche bzw. gleichwertige Arbeit in den Römischen VertrĂ€gen existiert nach wie vor eine deutliche Kluft in der Bezahlung von Frauen und MĂ€nnern. In Deutschland verdienen Frauen derzeit rund 22 Prozent weniger als MĂ€nner. Dabei ist die derzeitige Frauengeneration im erwerbsfĂ€higen Alter die bisher am besten ausgebildete aller Zeiten. Sowohl die private Wirtschaft als auch der öffentliche Dienst betonen, dass sie auf diese hoch- und höchstqualifizierten KrĂ€fte nicht mehr verzichten können. Es ist daher Zeit, dass sich diese Entwicklung auch beim Entgelt widerspiegelt.

Aus diesem Grund haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Deutsche Frauenrat, das Netzwerk Business and Professional Women (BPW) und der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) am 4. MĂ€rz 2008 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin zu bundesweiten Aktionen gegen diskriminierende TarifvertrĂ€ge und fĂŒr gerechte Entlohnung, Mindestlöhne, faire Aufstiegs- und Weiterbildungschancen aufgerufen.

Zum Internationalen Frauentag am 8. MĂ€rz 2008 starten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften eine Aktionsserie unter dem zentralen Motto "Ich bin mehr wert", deren Ziel es ist, die Entgeltunterschiede zwischen MĂ€nnern und Frauen endlich konsequent zu reduzieren. Viele weitere VerbĂ€nde haben bereits ihre UnterstĂŒtzung zugesagt, darunter die Business and Professional Women (BPW) Germany. Das deutsche branchenĂŒbergreifende Berufsnetzwerk fĂŒr Frauen startete im vergangenen Jahr mit der "Initiative Rote Tasche" eine Dialogkampagne zu Entgeltgleichheit und zeichnet auch fĂŒr die EinfĂŒhrung des internationalen Aktionstages "Equal Pay Day" in Deutschland am 15. April 2008 verantwortlich.

Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, stellte auf der Pressekonferenz eine Veranstaltungsreihe vor, die sich in zahlreichen Aktionen in unterschiedlichen StÀdten mit den Themenschwerpunkten Entgeltgleichheit, Vereinbarkeit und Karrierechancen befassen wird. Entgeltdiskriminierung trÀfe Frauen in allen Bereichen, so Sehrbrock. Im Niedriglohnbereich seien 70 Prozent der BeschÀftigten Frauen, aber auch bei den akademischen Berufen hörten die GehÀlter der Frauen in der Regel da auf, wo die der MÀnner begÀnnen. "Wir erwarten von Wirtschaft und Politik, dass sie der bestausgebildeten Frauengeneration, die wir je hatten, entsprechende Angebote machen".

Die stellvertretende Ver.di Margret Mönig-Raane betonte, wie wichtig es sei, sich beim Thema Vereinbarkeit mit der Vaterrolle auseinanderzusetzen. Es gebe diesbezĂŒglich einen zwar zahlenmĂ€ĂŸig noch kleinen aber dennoch signifikanten Fortschritt. Denn eine "Elite" meist jĂŒngerer MĂ€nner erkenne inzwischen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein "Riesenproblem" und eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft sei.

"Frauen verdienen weniger, weil sie Frauenarbeiten verrichten, und Frauenarbeiten werden geringer bezahlt, weil sie von Frauen ausgeĂŒbt werden." zitierte Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, die beiden US-amerikanischen Sozialpsychologinnen Shepela und Viviano. Leider sei dieser "Zirkelschluss" heute so aktuell wie vor zwanzig Jahren. "In der geschlechtsspezifischen Aufteilung und Bewertung von reproduktiver und produktiver Arbeit konstituiert sich die diskriminierende Geschlechterhierarchie tĂ€glich neu: trotz gestiegener Qualifikation von Frauen, trotz 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz, trotz beachtlicher Gleichberechtigungsgewinne, die wir auf vielen Gebieten errungen haben," sagte Raiser.

Um diese anachronistische GerechtigkeitslĂŒcke endlich zu schließen, "brauchen wir nicht noch mehr GirlsÂŽ Days oder andere Ermutigungsprogramme fĂŒr das Defizitmodell Frau. Was wir brauchen, sind neue geschlechtergerechte Bewertungssysteme, wir brauchen neue TarifvertrĂ€ge fĂŒr den Öffentlichen Dienst und fĂŒr die Privatwirtschaft." Sie rief Frauen und ihre betriebliche Interessensvertretungen dazu auf, in Sachen Lohngleichheit offensiver vom neuen Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) Gebrauch zu machen, sie wiederholte die Forderung des Deutschen Frauenrates nach einem Gesetz zur Durchsetzung des Entgeltgleichheitsgebots, und die nach einem Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft. "Denn wir erleben tĂ€glich, dass freiwillige Verpflichtungen zu nichts fĂŒhren, Gesetze aber durchaus. Schauen Sie nur nach Norwegen: Dort droht nun einigen Firmen die Zwangsschließung, weil sie das seit 1. Januar geltende Gesetz, dass mindestens 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsitze mit Frauen besetzt werden mĂŒssen, nicht erfĂŒllt haben. Na bitte, geht doch. Warum nicht auch hier in Deutschland?" so Raiser.

Am 15. April findet in Deutschland erstmals der Equal Pay Day statt. Der internationale Aktionstag fĂŒr Entgeltgleichheit von MĂ€nnern und Frauen, den es unter anderem bereits in den USA und in Belgien gibt, wurde hier von dem Frauennetzwerks Business and Professional Women (BPW) Germany initiiert. BPW-PrĂ€sidentin Bettina Schleicher, kĂŒndigte Aktionen in FußgĂ€ngerInnenzonen und Veranstaltungen in ĂŒber 25 StĂ€dten an. "Es muss sich endlich etwas bewegen, denn wenn eine Grafikdesignerin 29 Prozent weniger verdient als ein Grafiker mit derselben Qualifikation oder eine Bankkauffrau 21 Prozent weniger nach Hause bringt als ihr mĂ€nnlicher Kollege, dann werden dadurch nicht nur die Frauen ungerecht behandelt", mahnt Schleicher. Die Gehaltskluft behindere auch die wirtschaftliche Entwicklung. "Weniger Geld in den Taschen der Frauen heißt auch, dass Frauen weniger ausgeben und investieren können, dass sie weniger fĂŒr ihre Altersvorsorge zurĂŒcklegen und weniger ĂŒber Steuerzahlungen an die Staatskasse abfĂŒhren können", so Schleicher. Mitgetragen wird der erste deutsche Equal Pay Day von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler FrauenbĂŒros und Mitgliedsorganisationen des Deutschen Frauenrates.

Margret Urban, VizeprĂ€sidentin des Verbandes der medizinischen Fachberufe sprach darĂŒber, dass es ihrer Organisation gelungen sei, die TarifvertrĂ€ge fĂŒr die zu 98 Prozent weiblichen BeschĂ€ftigten neu zu ordnen und damit höhere Eingruppierungen und schnellerer Aufstiegschancen zu erzielen. Außerdem seien die OstgehĂ€lter zum 1. Januar 2008 endlich den WestgehĂ€ltern angeglichen worden. "Bei unseren Frauen geht es nicht so sehr um eine berufliche, sondern höchstens um eine Altersarmutskarriere," so Urban. Daher verfolge ihr Verband vor allem das Ziel, den Abstieg in die Altersarmut abzubremsen.

Der Auftakt der Aktionsserie "Ich bin mehr wert" wird am 8. MĂ€rz in MĂŒnchen stattfinden. Weitere AktivitĂ€ten werden sich an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Formen bis zum Jahr 2009 entfalten.

Online-Gewinnspiel der Business and Professional Women (BPW) Germany zum 1. Deutschen Equal Pay Day

Thema Entgeltgleichheit. Dazu waren Frauen aufgerufen zu berichten, wie sie ihre Gehaltssituation erfolgreich verĂ€ndert haben und eine faire Bezahlung nach dem Grundsatz "Gleicher Lohn fĂŒr gleichwertige Arbeit" erzielen konnten.
Einsendeschluss war der 07. April 2008.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zum "EU-Gleichstellungsbericht 2008".

Weitere Infos:

DGB Frauen: www.dgb-frauen.de

Deutscher Frauenrat: www.frauenrat.de

Netzwerk Business and Professional Women (BPW): www.bpw-germany.de

Initiative Rote Tasche: www.rotetasche.de

Verband medizinischer Fachberufe (vmf): www.vmf-online.de

Women + Work Beitrag vom 13.04.2008 AVIVA-Redaktion 





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