Gewalttätige DemonstrantInnen verhinderten in Hamburg die Vorführung eines Films von Claude Lanzmann - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Public Affairs Diskriminierung



AVIVA-BERLIN.de im März 2021 - Beitrag vom 21.11.2009


Gewalttätige DemonstrantInnen verhinderten in Hamburg die Vorführung eines Films von Claude Lanzmann
AVIVA-Redaktion

Das Hamburger Kino B-Movie wollte am 25.10.2009 den Film "Warum Israel" von Claude Lanzmann vorführen, wurde jedoch von einer Gruppe Antiimperialisten und Israelhassern mit Drohungen,...




...Beleidigungen und Gewaltanwendungen daran gehindert.

Es geschah am Sonntag, dem 25.10.2009 zwischen 14 und 16 Uhr. Als das Hamburger Programmkino B-Movie gemeinsam mit der linken Gruppierung Kritikmaximierung den Film "Warum Israel" vorführen wollte, blockierten gewalttätige DemonstrantInnen den Eingang: "Sie hatten das Kino mit einem Metalltor abgeriegelt", so schildert Martin Schnitzer, einer der Betreiber des B-Movie, den Nachmittag. Als vermummte DemonstrantInnen bespuckten und schlugen die Mitglieder des benachbarten, ebenfalls linken antiimperialistischen Zentrums namens B5 die KinobesucherInnen und beschimpften sie bezeichnenderweise als "Ihr Judenschweine!". Die AugenzeugInnenberichte der militanten Aktion gegen den Film "Warum Israel" (Pourquis Israël) erinnerten an die 1930er Jahre. Doch stattgefunden hat sie im Jahr 2009 ausgerechnet auf St. Pauli, einem eher linken Viertel in Hamburg.

"Die Leute waren vermummt, trugen Kleidung in Tarnfarben, einer hatte sich die auf ein Stück Klopapier gemalte israelische Flagge angesteckt. Ihr Auftreten war massiv militärisch", erzählt Schnitzer. "In der Hand hielten sie selbst gebastelte Maschinengewehre aus Holz. Mit Videokameras und Fotoapparaten nahmen sie alle auf, die ins Kino wollten." So sollte eine israelische Kontrollstation simuliert werden. Auf einem Plakat wurde die Grenzmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten mit dem einstigen südafrikanischen Apartheidsregime in Verbindung gebracht.

Doch so etwas hat Lanzmann noch nie erlebt und ausgerechnet in Deutschland ist es passiert: "Es ist noch nie irgendwo auf der Welt die Vorführung meiner Filme verhindert worden" Besonders bezeichned ist es, dass die Presse bis jetzt noch nicht darüber berichtet hat – warum? "Die Deutschen dürfen nie wieder als Herren auftreten" meint Lanzmann.

"Ihr Judenschweine!"

In Hamburg eskalierte die Situation schließlich, bis, wie ein Augenzeuge berichtet, der klassische Kampfruf des Antisemitismus fiel: "Ihr Judenschweine!" Er habe zurückgerufen: "Jetzt sagt ihr endlich, was ihr denkt." Darauf seien die antiisraelischen Demonstranten handgreiflich geworden: "Es waren etwa 30 bis 40 Angreifer zwischen etwa 16 und 70 Jahren. Ein älterer Herr ist mit dem Gürtel auf mich losgegangen." Die Leute, die Lanzmanns Film sehen wollten, so berichtet K. in Übereinstimmung mit anderen Augenzeugen, seien geschlagen und bespuckt worden.

Das internationalistische Zentrum B5 wies den Vorwurf, der Ausdruck "Judenschweine" sei gefallen, in einer schriftlichen Erklärung zurück und begründete seine Aktion mit den Worten, es sei darum gegangen eine "prozionistische Veranstaltung" und "Hetze" zu stoppen.

Für Lanzmann ist die Tatsache, dass es nicht Nazis, sondern Linke waren, von denen dieser in der bundesdeutschen Geschichte Übergriff ausging, Ausdruck einer unguten Nähe gewisser links- und rechtsextremer Denkmuster: "Sie nennen es Antizionismus, aber es ist Antisemitismus" sagt er.

In dem vor Ort verteilten Flugblatt wurde die Dokumentation außerdem als "zionistischer Propaganda-Film" diffamiert. Bei "Warum Israel" handelt es sich um einen Film des in Frankreich lebenden Juden Claude Lanzmann, der mit dem seinem filmischen Monumentalwerk "Shoah" einen immens wichtigen Beitrag zur Erinnerung an die Opfer des Holocaust geleistet hat. Der Regisseur kämpfte darüber hinaus in der Résistance aktiv gegen den Nationalsozialismus. Über seinen Debütfilm "Warum Israel" von 1973, in dem der Regisseur Israelis zu ihrem Leben in Israel befragt und die Gründe für die Existenz dieses Staates beleuchtet, sagte Lanzmann "Dieser Film hat einen roten Faden, nämlich: Was ist das: Normalität? (...) Ich zeige in `Warum Israel`, dass die Normalität das eigentlich Anormale ist." Und das ist nun also für einige "Linke" in Hamburg, im Jahr 2009 eine unerträgliche Provokation!?

Den BetreiberInnen des B-Movie wurde das Betreten und Öffnen ihres eigenen Kinos untersagt, jedes Gespräch verweigert und statt dessen mit Gewalt gedroht. Das B-Movie war deshalb gezwungen, die Vorstellung abzusagen. Doch selbst nach der Absage wurde das noch vor dem verschlossenen Kino verbliebene Publikum. Überdies wurden KinobesucherInnen körperlich angegriffen und mindestens drei Gäste durch Faustschläge verletzt.

Der Regisseur des Films äußerte sich selbst öffentlich zu dem Angriff mit den Worten: "Ich bin schockiert". Und Claude Lanzmann wundert sich angesichts der Tatsache, dass die Medien den Eklat weitgehend ignoriert haben: "Wie kann es sein, dass die Deutschen auf diesen Vorfall fast gar nicht reagieren?"

Im Dezember 2009 soll die Filmvorführung wiederholt werden. Die Betreiber des Kinos hoffen, dass sie diesmal statt finden kann.
AVIVA-Berlin verurteilt solche Formen von Antisemitismus und Antizionismus und stellt sich hinter das betroffene Kino und seine Absicht, "Warum Israel" auch in seinen Räumlichkeiten zu zeigen. Wir unterstützen die VeranstalterInnen bei der Ausweichvorstellung von "Warum Israel" am 13. Dezember 2009 um 16 Uhr.

Wenn Sie die Aufführung von "Warum Israel" am 13.12.09 in Hamburg unterstützen wollen, schreiben Sie bitte eine Email an Alex Jensen: warumisrael@gmx.net

Eine ausführliche Stellungnahme der BetreiberInnen des Hamburger Kinos B-Movie finden Sie unter:

www.b-movie.de

Supporten Sie die BetreiberInnen in ihrer Absicht, den Film am erneut zu zeigen und besuchen Sie die Vorstellung am 13.12.2009 um 16 Uhr.

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Warum Israel, Pourquoi Israël – der zweite Teil der Trilogie nach Sobibor

Sobibor, 14. Oktober 1943, 16 Uhr

SHOAH – von Claude Lanzmann jetzt auf DVD

(Quelle: Spiegel Online, dissonanz.spex.de)



Public Affairs > Diskriminierung

Beitrag vom 21.11.2009

AVIVA-Redaktion 






AVIVA-News bestellen
  AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter



Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte

. . . . PR . . . .

Esther Dischereit - Mama, darf ich das Deutschlandlied singen. Politische Texte
Jüdisch. Solidarisch. Antirassistisch. Der Essayband mit einem Vorwort von Aleida Assmann knüpft an die beiden Aufsatzbände "Übungen jüdisch zu sein" und "Mit Eichmann an der Börse" an.
Mehr zur Autorin, zum Buch, sowie Bestellung unter: www.mandelbaum.at

Anne Waak - Wir nennen es Familie

. . . . PR . . . .

Wir nennen es Familie von Anne Waak
Wenn die Kleinfamilie nicht das große Glück verspricht, beginnt die Suche nach anderen Formen des Zusammenlebens. Anne Waaks Buch inspiriert dazu, die Familienform zu entdecken, die am besten zu einem passt und in der die Verantwortung für Kinder fair geteilt wird.
Mehr Informationen zum Buch und Bestellung unter: www.edition-koerber.de


Kooperationen

RuT - Rad und Tat e.V.