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AVIVA-BERLIN.de im September 2021 - Beitrag vom 06.08.2008


Aktionswochen gegen Antisemitismus 2008
AVIVA-Redaktion

Rund um den 9. November 2008 veranstaltet die "Amadeu Antonio Stiftung" erneut die bundesweiten Aktionswochen gegen Antisemitismus. MitstreiterInnen sind herzlich willkommen!




Laut einer Stellungnahme des Präsidenten des Bundeskriminalamtes, Jörg Ziercke, vor dem Bundestag wurden im Jahr 2007 in Deutschland täglich vier antisemitische Straftaten begangen.
Antisemitismus gehört keineswegs nur der Vergangenheit an, sondern auch der Gegenwart und ist somit eine "reale Bedrohung", so Jörg Ziercke, im Rahmen der Pressekonferenz am 05.11.2008 in den Räumen der Amadeu Antonio Stiftung in Berlin-Mitte.

Die VeranstalterInnen der Stiftung, die am 01.12.1998 gegründet wurde, berichteten über die aktuellsten Entwicklungen innerhalb der rechten Szene. Der Präsident des Bundeskriminalamtes erwähnte etwa die freie Kameradschaft "Autonome Nationalisten", die antisemitische Ideologien verbreitet und mit ihren Krawallen ein aufsteigendes Selbstbewusstsein demonstriert. Innerhalb der linken Partei ist Antisemitismus ebenfalls ein zunehmendes Problem, auch wenn Parteimitglieder wie Gregor Gysi und Petra Pau entschieden dagegen ankämpfen. Die "Zwietracht unter den demokratischen Parteien", so Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, kann als Erfolg der Rechten angesehen werden. Kramer begrüßte die Entscheidung des Deutschen Bundestages vom 04.11.2008, entschieden gegen den Antisemitismus vorzugehen, doch "die Ausgrenzungsversuche" der CDU hinterließen "einen bitteren Beigeschmack".
Rechtsextreme Überfälle in Europa nehmen immer gefährlichere Dimensionen an. So schrecken Islamistische Terroristen und deren SympathisantInnen nicht vor gewalttätigen Aktionen zurück. Rechtsextremismus und Antisemitismus sind ernst zu nehmende Themen:
Der Überfall auf jüdische Berliner Schüler, die öffentliche Akzeptanz von Holocaust-Leugnungen, Hakenkreuzvideos im Internet und und die Schändung jüdischer Mahnmale und Friedhöfe sind nur ein Bruchteil der antisemitische Vorfälle, über die AVIVA-Berlin innerhalb der letzten Monate berichtete. Sie alle sind Anzeichen dafür, dass die braune Bedrohung noch nicht gebannt ist.

Das Verbreiten rechtsextremer Musik, Jugend- und Schülerzeitungen wird verstärkt als Propagandamittel von Neonazis eingesetzt. Daher hat die Polizei die Kampagne "Wölfe im Schafspelz" ins Leben gerufen und ist bemüht, vor allem SchülerInnen über aktuelle Erscheinungsformen des Rechtsextremismus zu informieren und aufzuklären.

Antisemitismus ist nicht nur ein europäisches, sondern auch ein weltweites, seit 2000 Jahren bestehendes Problem, das sich immer wieder in neuen Gesichtern zeigt.

Aus diesem Grund organisiert die Amadeu Antonio Stiftung bereits seit fünf Jahren die Aktionswochen gegen Antisemitismus rund um den 9. November. Der Jahrestag der Pogromnacht 1938 wird gemeinsam mit lokalen AkteurInnen ausgerichtet. Ab Donnerstag, 6. November 2008, wird mit Hilfe von Filmvorführungen, Lesungen, Vorträgen, Ausstellungen, Stadtrundgängen, Gedenk- und Diskussionsveranstaltungen erneut auf alten und neuen Antisemitismus aufmerksam gemacht.

Die inzwischen bundesweit stattfindenden Aktionswochen waren auch im vergangenen Jahr ein voller Erfolg: es fanden über 150 Veranstaltungen in mehr als 70 Städten und Gemeinden statt.

"Allgemein stellen wir erfreulicherweise eine verstärkte Auseinandersetzung mit der lokalen Geschichte der Shoah fest", so Anetta Kahane, Vorsitzende der Stiftung.
Die Stiftung möchte in diesem Jahr eine noch breitere Öffentlichkeit erreichen. Interessierte Vereine und Initiativen sind eingeladen, sich mit Veranstaltungen an den Aktionswochen zu beteiligen. Sowohl bei der Ideenfindung als auch bei deren Realisierung und Öffentlichkeitsarbeit, steht die "Amadeu Antonio Stiftung" mit Rat und Tat zur Seite. Alle kooperierenden Organisationen werden auf dem gemeinsamen Kampagnenplakat und der Webseite der Stiftung aufgelistet.

Die "Amadeu Antonio Stiftung" hat es sich zum Ziel gesetzt, eine demokratische Zivilgesellschaft zu stärken, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Hierfür unterstützt sie lokale Initiativen und Projekte in den Bereichen Jugend und Schule, Opferschutz und Opferhilfe, alternative Jugendkultur sowie Kommunale Netzwerke. Sie ist eine gemeinnützige Stiftung bürgerlichen Rechts und steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse, dem amtierenden Vizepräsidenten des Deutschen Bundestages.

Weitere Informationen unter:
www.amadeu-antonio-stiftung.de

Kontakt:
Fon: 030/240 886 13 (Dr. Andrés Nader oder Claire Keruzec)
netzwerke@amadeu-antonio-stiftung.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Feindbild Judentum - Antisemitismus in Europa". Herausgegeben von Lars Rensmann und Julius Schoeps

"Neuester Antisemitismus-Skandal in Berlin" von Benjamin Weinthal

Antisemitismus in Deutschland

Antisemitistische Realitäten im Deutschland von heute

Jüdisches Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus

Sachverständigenanhörung zu Antisemitismus im Innenausschuss des Deutschen Bundestags

"Neu-alter Judenhass", herausgegeben von Klaus Faber, Julius H. Schoeps und Sacha Stawski.


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Beitrag vom 06.08.2008

AVIVA-Redaktion 






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