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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.11.2002

Was fĂŒr eine Arbeitsmarktpolitik brauchen Frauen
Ilka Fleischer

Unter dieser Fragestellung setzten sich Praktikerinnen bei der Abschlussveranstaltung der Informationswochen "ZurĂŒck in den Beruf" auch mit den VorschlĂ€gen der Hartz-Kommission auseinander...



Hartz - doch nicht gender-blind?

Nach zwei wohlorganisierten Informationswochen unter dem Motto ‚ZurĂŒck in den Beruf" hatte das Frauenbeauftragten-BĂŒro Tempelhof-Schöneberg zum Finale geladen: FĂŒnf Referentinnen aus der Praxis, ein gut gefĂŒllter Saal mit interessierten Zuhörerinnen und eine Handvoll MĂ€nner tauschten sich ĂŒber den Optimierungsbedarf arbeitsmarktpolitischer Instrumente aus - und nicht zuletzt ĂŒber die frauenpolitische Wirkung der ‚Hartz-VorschlĂ€ge".

Unter der professionellen Moderation der Frauenbeauftragten Dagmar Birkelbach problematisierten die Referentinnen den Umgang mit ‚weiblicher Arbeitslosigkeit" zunĂ€chst aus ihrer jeweiligen Praxis im Arbeits- und Sozialamt, in Beratungsstellen bzw. bei Qualifizierungs- und BeschĂ€ftigungstrĂ€gern.

Marianne Konermann, von KICK - Verbund fĂŒr BeschĂ€ftigung und Qualifizierung, betonte dabei, dass von der Arbeitslosigkeit betroffene Frauen nicht allein Bewerbungstraining und Beratung brĂ€uchten, sondern vielfach auch ‚Hilfe beim Familienmanagement". Die unzureichenden Kinderbetreuungs-Angebote stellen eine enorme HĂŒrde fĂŒr Frauen auf dem Weg ‚ZurĂŒck in den Beruf" dar.
Barbara Horstmann, Beauftragte fĂŒr Chancengleichheit im AA SĂŒdwest, akzentuierte vor allem den Aspekt individueller Initiative und Durchsetzungskraft: Sie empfehle Frauen, die bestehenden Beratungs- und Infoangebote voll auszuschöpfen. Bei Arbeitsamts-Besuchen sei eine gute Vorbereitung unabdingbar, um sich unter dem zunehmenden Druck ‚nichts aufdrĂŒcken zu lassen".
Pia Keuckert, von Raupe und Schmetterling, berichtete von vermehrten Kollisionen zwischen den in ihrer Beratungsstelle angebotenen Berufsorientierungs-Seminaren und den vom AA spontan zugewiesenen Profiling-Maßnahmen. Weiterhin kritisierte sie den Mangel an passgenauen modularen Weiterbildungen, die Frauen als zielgerichtete Anpassungsqualifizierung nutzen könnten, anstatt thematisch und zeitlich ‚breit" gehaltene Fortbildungen zu besuchen. Eine stĂ€rkere Zusammenarbeit der - nach Hartz benannten - ‚Profis der Nation" sei unabdingbar, um derlei Reibungsverluste zu vermeiden.
Cornelia Enders, vom Sozialamt Tempelhof-Schöneberg, verdeutlichte die Rolle des Sozialamtes als ‚letztes Glied in der Kette" bei der Frage nach der Weiterbildungsfinanzierung fĂŒr SozialhilfeempfĂ€ngerinnen: Vorrangig mĂŒsse frau alle anderen LeistungstrĂ€ger - also Familie, PartnerIn, Arbeitsamt... - abklappern. Mit dem Fallmanagement im Rahmen der ‚Hilfe zur Arbeit" wĂŒrden arbeitsfĂ€hige Frauen auf dem (RĂŒck-)Weg in den 1. Arbeitsmarkt allerdings intensiv unterstĂŒtzt.
Lucie Burger, von BITAN - BeschĂ€ftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, brach eine Lanze fĂŒr Erhalt und WĂŒrdigung des zweiten Arbeitsmarktes: ABM, SAM und IDA-Maßnahmen seien nicht nur eine gute Basis, um (wieder) in den 1. Arbeitsmarkt zu gelangen, sondern in Anbetracht der fehlenden ArbeitsplĂ€tze fĂŒr viele die einzige Möglichkeit ĂŒberhaupt, der Arbeitslosigkeit zu entrinnen. DarĂŒber hinaus sei der geplante ABM-Abbau insofern praxisfern, als dass mittlerweile ganze Branchen auf den KapazitĂ€ten des 2. Arbeitsmarktes basierten.

Im weiteren Verlauf des Abends wurde der Bericht der Kommission zum Abbau der Arbeitslosigkeit und zur Umstrukturierung der Bundesanstalt fĂŒr Arbeit (kurz: Hartz-Kommission) zunehmend ins Visier gerĂŒckt - aus frauenpolitischer Perspektive. Abgesehen von einer spĂŒrbaren Unsicherheit zum aktuellen Umsetzungs-Stand der Hartz-VorschlĂ€ge wurden positionelle Diskrepanzen zu jĂŒngeren Aussagen frauenpolitischer Gremien deutlich.
Entgegen der Schlagzeile der Kolleginnen des Deutsche Frauenrates "Hartz-Gesetz ist gender-blind" Ă€ußerten sich die Podiums-Vertreterinnen im allgemeinen wesentlich Hartz-freundlicher: WĂ€hrend die EinfĂŒhrung der ‚Mini-Jobs" von den meisten Anwesenden zwar mit großer Skepsis diskutiert wurde, erhoben sich zu den Themen PersonalServiceAgenturen (PSA), Ausbildungs-Zeit-Wertpapier, ICH-AG und Bridge-System nur wenig Gegenstimmen*.

Die weitgehend wohlgesonnenen Äußerungen gegenĂŒber den Hartzer ReformplĂ€nen gipfelten in der Bemerkung der Arbeitsamts-Vertreterin, Barbara Horstmann, mit Hartz seien das erste Mal Arbeitsförderung und Kinderbetreuung zusammengebracht und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf anvisiert worden. Die kontroverse Diskussionsfreude zum Thema Hartzer Arbeitsmarktpolitik fĂŒr oder wider Frauen? wĂ€re sicherlich durch die Anwesenheit einer BAG-Vertreterin verstĂ€rkt worden. In ihrer Stellungnahme vom 10.09.02 bezieht die Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen FrauenbĂŒros nĂ€mlich eine deutliche Kontraposition:

"In den vergangenen 20 Jahren seit Einrichtung der ersten FrauenbĂŒros in der Bundesrepublik hat es kaum ein gleichstellungspolitisch rĂŒckschrittlicheres Papier auf höchster Ebene gegeben. Der Geist des Berichtes ist geprĂ€gt vom Familienmodell der 50er Jahre mit der zugewiesenen Rolle - Frauen an Heim und Herd - und dem Mann als ErnĂ€hrer und ErwerbstĂ€tigen."



*Im Rahmen der sogenannten ‚13 Innovationsmodule" des Kommissions-Berichtes werden diese Stichworte unter frauenpolitischen Gesichtspunkten besonders heiß diskutiert. Vergleichen Sie dazu z.B. die folgenden Links:
zur Kurzfassung des Hartz-Berichtes
zur BAG-Stellungnahme

Women + Work Beitrag vom 29.11.2002 Ilka Fleischer 





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