Katja von der Bey erh√§lt Berliner Frauenpreis 2013 - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Women + Work
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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 11.03.2013

Katja von der Bey erhält Berliner Frauenpreis 2013
Lou Zucker

Die Kunsthistorikerin ist Gesch√§ftsf√ľhrerin der 1989 gegr√ľndeten Frauengenossenschaft "WeiberWirtschaft eG", die in der Anklamer Stra√üe Europas gr√∂√ütes Gr√ľnderinnen- und Unternehmerinnenzentrum...



...betreibt und damit einen langj√§hrigen Beitrag f√ľr die Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft leistet.

Vorbild und Anlaufstelle f√ľr Existenzgr√ľnderinnen

Von der Bey ist die dreiundzwanzigste Tr√§gerin dieser Auszeichnung, mit der j√§hrlich eine Berlinerin f√ľr ihr besonderes Engagement f√ľr Frauen und f√ľr die Gleichberechtigung der Geschlechter geehrt wird. Die Senatorin f√ľr Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat (SPD) verlieh ihr den mit 3.000 Euro dotierten Preis anl√§sslich des Internationalen Frauentags am 8. M√§rz im Rahmen eines feierlichen Empfangs im Ludwig Erhart Haus.

© Sharon Adler. Dilek Kolat und Preisträgerin Katja von der Bey


Dilek Kolat bezeichnete die Preistr√§gerin als "eine engagierte Streiterin f√ľr das Thema Chancengleichheit von Frauen in der Wirtschaft und f√ľr die wirtschaftliche Selbst√§ndigkeit von Frauen. Sie hat die Frauengenossenschaft WeiberWirtschaft zu einem erfolgreichen und innovativen Gleichstellungsprojekt und Deutschlands gr√∂√ütem Gr√ľnderinnenzentrum weiterentwickelt. Dieser "Standort f√ľr Chefinnen" ist ein unverzichtbares Navigationsinstrument f√ľr Frauen, die an einer wirtschaftlichen Selbstst√§ndigkeit interessiert sind. Katja von der Bey wird als kompetente Ansprechpartnerin f√ľr Frauen und Existenzgr√ľnderinnen in Berlin gesch√§tzt. Sie tr√§gt mit ihrem tatkr√§ftigen Einsatz dazu bei, das vielf√§ltige kreative Schaffen von unternehmerisch t√§tigen Frauen in das √∂ffentliche Bewusstsein zu r√ľcken."

"Frauen, bildet Banden!"

Die Genossinnenschaft mit derzeit 1700 Mitgliedern hat zum Ziel, Frauen bei der Existenzgr√ľndung zu unterst√ľtzen, unter anderem durch Beratungen, Vernetzungstreffen und j√ľngst auch durch Mikrokredite zwischen 1.000 und 10.000 Euro, welche die WeiberWirtschaft zusammen mit dem Verein Goldrausch e.V. vergibt. Wie Senatorin Kolat betonte, sei es f√ľr Frauen oft schwierig, diese kleineren, f√ľr die Existenzgr√ľndung n√∂tigen Summen von der Bank zu erhalten. Von der Bey warb in ihrer Preisrede um Unterst√ľtzerinnen f√ľr das neue Projekt, denn es fehlten, so die Gesch√§ftsf√ľhrerin, noch etwa 100 GenossInnenschaftsanteile um das Ziel eines Mikrokreditfonds von 150 000 Euro zu erreichen. Sie selbst werde einen Teil des Preisgeldes in f√ľnf neue Anteile investieren, welche die Genossinnenschaft schon f√ľr 103 Euro an ihre Mitglieder vergibt.

Das Gr√ľnderinnenzentrum in der Anklamer Stra√üe bietet zudem Unternehmerinnen die M√∂glichkeit, schon ab 14 Quadratmetern zu moderaten Preisen einen Raum zu mieten und erleichtert durch die r√§umliche N√§he zu anderen selbst√§ndigen Frauen die Netzwerkbildung. Unter dem Motto "Frauen, bildet Banden!" stellte die Genossenschafterin Dr. Claudia Neus√ľ√ü in ihrer Laudatio die Entstehung solcher Netzwerke als ein zentrales Anliegen der WeiberWirtschaft dar. Durch die F√∂rderung von Kontakten zwischen Unternehmerinnen solle unter anderem zu einem "feministischen Geldkreislauf" beigetragen werden.

Neben dem ökologischen Anspruch, dem der Standort durch seine thermische Solaranlage, Photovoltaik und die Nutzung von Regenwasser nachkommt, ermöglicht die Weiberwirtschaft auch einen Ausgleich zwischen Berufs- und Privatleben: Auf dem 7100 Quadratmeter großen Gelände befinden sich eine Kita, sowie verschiedene Restaurants und Cafés.

Deutschland als frauenpolitisches "Entwicklungsland"

Die Gesch√§ftsf√ľhrerin der WeiberWirtschaft ist seit sieben Jahren die erste Preistr√§gerin, deren besonderes Anliegen die wirtschaftliche Gleichberechtigung von Frauen darstellt. Angesichts der Tatsache, dass laut dem Deutschen Institut f√ľr Wirtschaftsforschung knapp dreizehn Prozent aller Aufsichtsratssitze und nur vier Prozent aller Vorstandspositionen in Deutschland von Frauen besetzt werden, erkl√§rte Dilek Kolat in ihrer Rede Deutschland in Bezug auf Frauen in F√ľhrungspositionen zum "Entwicklungsland".

¬© Sharon Adler. Die Senatorin f√ľr Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat (SPD)


"Ohne eine verbindliche Quotenregelung wird sich nichts √§ndern", so die Senatorin. Einen entsprechenden Gesetzesentwurf h√§tten sowohl die EU-Kommission als auch der Bundesrat bereits vorgelegt. Der beharrliche Widerstand der Bundesregierung sei rational nicht zu begr√ľnden, gab Kolat im Gespr√§ch mit AVIVA-Berlin an, da der gesteigerte Erfolg gemischter F√ľhrungsteams in verschiedenen Studien bereits nachgewiesen worden sei. Au√üerdem betonte sie, es sei Aufgabe des Staates, dort auf Gleichheit hinzuwirken, wo keine Gleichheit bestehe, zumal diese sogar in Artikel Drei unseres Grundgesetzes festgeschrieben sei. Beide Beschl√ľsse, so die Senatorin, sowohl von Bundesrat, als auch von EU-Kommission, bez√∂gen sich nur auf Aufsichtsr√§t_innen und seien damit lediglich Minimalregelungen.

Auch die gro√üe Zahl von Frauen in Minijobs fand in Kolats Rede zur Preisverleihung Erw√§hnung. Als Strategien ihrer Senatsverwaltung gegen diese prek√§ren Besch√§ftigungsverh√§ltnisse gab sie im AVIVA-Interview an, es bestehe bereits ein Coaching- und Beratungsprojekt f√ľr Frauen in Minijobs, das weiter ausgebaut werden m√ľsse. Zudem sei eine Kampagne in Richtung Unternehmen geplant, um unter anderem darauf hinzuweisen, dass es sich bei den prek√§r besch√§ftigen Frauen oft um Fachkr√§fte handele, deren Potenzial noch viel st√§rker genutzt und gef√∂rdert werden k√∂nne.

"Wir brauchen Unternehmerinnen als Vorbilder", erkl√§rte die SPD-Politikerin und wies darauf hin, dass in Berlin bereits 35% der Existenzgr√ľndungen auf Frauen zur√ľckgingen. Dabei betonte sie jedoch, dass Existenzgr√ľndung nicht gleichzusetzen sei mit Existenzsicherung: Zwei Drittel der Unternehmerinnen seien zus√§tzlich im Nebenerwerb t√§tig. Diesbez√ľglich lobte sie besonders Katja von der Beys Einsatz zur F√∂rderung von Frauen bei ihrem Schritt in die Selbst√§ndigkeit. Diese gab sich in ihrer Dankesrede zuversichtlich und betonte noch einmal den kollektiven Ansatz der WeiberWirtschaft: "Viele Frauen zusammen k√∂nnen Gro√ües bewegen"

Die Jury unter dem Vorsitz der Staatssekret√§rin Barbara Loth, die von der Bey f√ľr den Preis ausw√§hlte, setzte sich in diesem Jahr aus Professorin Dr. Thea Borde, Rektorin der Alice-Salomon Hochschule Berlin, Magdalena Kemper, ehemalige Redakteurin rbb-kulturradio, Vera Morgenstern, ehemalige Leiterin f√ľr Frauen und Gleichstellung der Gewerkschaft ver.di und Vorstand des LandesFrauenRats Berlin, Mira Renka, Sozialarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt Berlin sowie aus Gabriele K√§mper, Leiterin der Gesch√§ftsstelle Gleichstellung in der Senatsverwaltung f√ľr Arbeit, Integration und Frauen zusammen.

Jurymitglied K√§mper war auch an der Entstehung des Buches "Spreeperlen. Berlin ‚Äď Stadt der Frauen" beteiligt, das 2010 von der Senatsverwaltung in Kooperation mit den bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragen herausgegeben wurde und das Wirken von Frauen in der Stadt sichtbar machen will. In Anlehnung an Titel und Thema des Buches wurde der diesj√§hrigen Frauenpreistr√§gerin erstmals eine Skulptur, gestaltet von der B√ľhnenplastikerin Esther Janshen, in Form einer Auster mit dem Umriss Berlins √ľberreicht, die eine Perle enth√§lt. Die Perle, die sowohl als Symbol f√ľr Sch√∂nheit, als auch f√ľr Reichtum gesehen werden kann, spiegelt von der Beys Ansatz wider, als Frau entgegen klassischer Geschlechterstereotype Geld zum Thema zu machen und selbstbewusst f√ľr sich einzufordern.

K√ľnstlerisch eingerahmt wurde die Veranstaltung von der Performance der "Audioballerinas", die nicht nur zeigte, dass Frauen mit Technik umgehen k√∂nnen, sondern auch auf welch innovative Weise. Mithilfe eingebauter Elektronik in ihren futuristischen Kost√ľmen begleiteten die T√§nzerinnen jede ihrer Bewegungen mit schr√§gen White-Noise-Sounds. Katja von der Bey, die sich schon immer stark f√ľr Kunst engagierte, war fr√ľher Managerin der Gruppe.

AVIVA-Berlin gratuliert der Tr√§gerin des Berliner Frauenpreises 2013 herzlich und w√ľnscht ihr viel Erfolg bei ihren weiteren Unternehmungen!

Weitere Infos unter:

www.weiberwirtschaft.de

www.berlin.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

WeiberWirtschaft eG und Goldrausch e.V. vergeben Kleinstdarlehen an Geschäftsfrauen

Spreeperlen. Berlin - Stadt der Frauen

Sharon Adler erhält Berliner Frauenpreis 2012

Jutta Allmendinger erhält Berliner Frauenpreis 2011

Anke Domscheit erhält Berliner Frauenpreis 2010

Sibylle Rothkegel erhält Berliner Frauenpreis 2009

Rita Kantemir-Thomä erhält Berliner Frauenpreis 2008

Ilse-Maria Dorfstecher erhält Berliner Frauenpreis 2007



Women + Work Beitrag vom 11.03.2013 AVIVA-Redaktion 





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