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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 24.04.2013

Verleihung der Louise-Schroeder-Medaille 2013 an Jenny De la Torre
AVIVA-Redaktion

Die in Berlin praktizierende ├ärztin f├╝r obdachlose Menschen erhielt den Preis als Pers├Ânlichkeit, die mit ihrem Engagement an das politische und pers├Ânliche Wirken seiner Namensgeberin ankn├╝pft



Jenny de la Torre wurde 2013 auf Vorschlag des Kuratoriums "Louise-Schroeder-Medaille" unter dem Vorsitz von Senatorin a.D. Ingrid Stahmer und auf Beschluss des Pr├Ąsidiums des Abgeordnetenhauses mit jenem Preis ausgezeichnet, der 1998 auf Anregung von Parlamentarierinnen des Abgeordnetenhauses von Berlin gestiftet wurde. Parlamentspr├Ąsident Ralf Wieland verlieh der ├ärztin die Medaille am 30. April 2013 im Rahmen einer Feierstunde im Abgeordnetenhaus. Die Laudatio auf die Preistr├Ągerin hielt die einstige Berliner Ausl├ĄnderInnen-Beauftragte Prof. Barbara John.

Die Preistr├Ągerin

Jenny De la Torre wurde 1954 in Peru geboren und studierte dort und sp├Ąter in Leipzig Medizin. An der Charit├ę absolvierte sie in den 80er Jahren eine Fach├Ąrztinnenausbildung zur Kinderchirurgin. Von 1994 bis 2003 praktizierte sie als ├ärztin f├╝r Obdachlose in Berlin. Im Interview mit AVIVA-Berlin (2003) sprach sie auch ├╝ber ihre Grenzen: "Schlimm ist vor allem die eigene Ohnmacht, nicht so helfen zu k├Ânnen, wie ich gerne m├Âchte. Ich sp├╝re schon ├Âfters meine Grenze. Aber ich sage mir immer wieder, man sollte versuchen, aus sich selbst das Maximale f├╝r den Patienten herauszuholen, ohne ihn zu ├╝berrumpeln."

2002 gr├╝ndete die Preistr├Ągerin die Jenny De la Torre-Stiftung, deren Ziel es ist, niedrigschwellige und unb├╝rokratische medizinische Hilfe und Betreuung f├╝r wohnungslose Menschen in Berlin zu bieten. Mit dem Geld aus der Stiftung kann am 6. September 2006 das Gesundheitszentrum f├╝r Obdachlose in der Pflugstra├če 12 in Berlin-Mitte er├Âffnet werden, dessen Leiterin De la Torre bis heute ist. Dort werden wohnungslose Frauen und M├Ąnner nicht nur ├Ąrztlich behandelt, sie erhalten auch Kleidung und Essen und k├Ânnen psychologische und juristische Beratung erhalten. Der Ausbau des Gesundheitszentrums mit ├ärztInnenpraxis, Zahn- und Augenheilkunde, Waschr├Ąumen, Kleiderkammer und Suppenk├╝che erfolgte mit Spenden. Das Gesundheitszentrum mit diesem Spektrum konkreter Hilfsangebote f├╝r wohnungslose Frauen und M├Ąnner ist bundesweit einzigartig.

"Wir k├Ânnen nur eine gerechtere Gesellschaft aufbauen, indem wir sie menschlicher gestalten. Das wird nur m├Âglich, wenn wir in diesem Sinne etwas ver├Ąndern. Kein Paradies, aber eine Welt, in der jeder Mensch das Gef├╝hl hat, ein Mensch zu sein," fasst De la Torre ihre ├ťberzeugung zusammen. Aufgrund ihres Engagements wurde die promovierte ├ärztin bisher u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Gro├čen Verdienstorden des Diplomatischen Dienstes der Republik Peru "Jos├ę Gregorio Paz Sold├ín" ausgezeichnet.

Die Begr├╝ndung des Gremiums

Das Kuratorium f├╝hrt unter anderem aus: "Die ├ärztin und Gr├╝nderin eines Gesundheitszentrums f├╝r Obdachlose, Frau Dr. Jenny de la Torre, tr├Ągt dem politischen, sozialen und pers├Ânlichen Verm├Ąchtnis Louise Schroeders in besonderer Weise Rechnung. Durch ihr au├čergew├Âhnliches Engagement f├╝r wohnungslose Frauen und M├Ąnner in Berlin und weit dar├╝ber hinaus macht sie sich jeden Tag um Demokratie, Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Gleichstellung von Frauen und M├Ąnnern verdient und tr├Ągt dazu bei, dass die Schw├Ąchsten in unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick geraten, sondern aktive Hilfe und eine Perspektive bekommen. (...) Sie ist davon ├╝berzeugt, dass unsere Gesellschaft nur dann in Frieden leben und sich als Demokratie entfalten kann, wenn auch die Schw├Ąchsten ihre W├╝rde behalten und ihnen geholfen wird, ein menschenw├╝rdiges Leben zu f├╝hren. Diese ├ťberzeugung ist das leitende Motiv der Arbeit von Frau Dr. Jenny de la Torre und dies war auch Grundlage des sozialpolitischen Engagements Louise Schroeders."

Die Namensgeberin

Louise Schroeder (02.04.1887 bis 04.06.1957) hat sich zeitlebens durch unerm├╝dliches soziales Engagement und durch das Eintreten f├╝r die Gleichstellung von Frauen ausgezeichnet. Ihr Name ist untrennbar mit dem Einsatz f├╝r Demokratie, f├╝r die Teilhabe von Frauen an der Politik und f├╝r das Engagement gegen Ungerechtigkeit und Machtmissbrauch verbunden. Seit 1919 war sie Parlamentarierin und von Mai 1947 bis Dezember 1948 Oberb├╝rgermeisterin von Berlin. Sie hat sich bleibende Verdienste um die Stadt erworben und mit ihrer mutigen Amtsf├╝hrung zur Linderung der gro├čen Not im Nachkriegsberlin beigetragen.


Weitere Informationen:

Zur Louise-Schroeder-Medaille, den bisherigen Preistr├Ągerinnen und der Namensgeberin: www.parlament-berlin.de

Zur Jenny De la Torre-Stiftung: www.delatorre-stiftung.de

Artikel in der "ZEIT" Ärztin der Ungeduschten (2010)

Artikel in der "Berliner Zeitung" Arztbesuch und Mittagessen (2012)

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Interview mit der Obdachlosen├Ąrztin Dr. Jenny De la Torre (2003)

Die dritte Haut. Geschichten von Wohnungslosigkeit in Deutschland (2006)



(Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Jenny De la Torre-Stiftung)

Women + Work Beitrag vom 24.04.2013 AVIVA-Redaktion 





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