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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 25.01.2006

Interview mit Karoline Herfurth
Christiane M├╝ller

In ihrem neuen Kinofilm "Eine andere Liga" (Start: 26.1.06) verk├Ârpert die Schauspielerin eine junge Sportlerin, die an Brustkrebs erkrankt. Eine anspruchsvolle Hauptrolle, die sie aufw├╝hlte.



Karoline Herfurth wurde 1984 in Berlin geboren, wo sie noch heute lebt. Mit elf Jahren stand sie f├╝r einen TV-Film das erste Mal vor der Kamera. 1999 gab sie ihr Kinodeb├╝t in Hans-Christian Schmids "Crazy". Ihre erste Kino-Hauptrolle folgte schlie├člich im Jahr 2000 in der erfolgreichen Kom├Âdie "M├Ądchen M├Ądchen" von Dennis Gansel. Derzeit besucht Karoline Herfurth die Hochschule f├╝r Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin und steht f├╝r Tom Tykwers Bestseller-Verfilmung "Das Parfum" vor der Kamera, die 2006 in die Kinos kommt. In Buket Alakus┬┤ "Eine andere Liga" hat sie die Hauptrolle und spielt "Hayat", ein deutsch-t├╝rkisches M├Ądchen, das mit einer Brustamputation fertig werden muss.

AVIVA-Berlin: Was hat Sie an der Rolle der Hayat besonders gereizt?
Karoline Herfurth: Als ich das Drehbuch las, hatte ich das Gef├╝hl, das ist eine Figur, die mich wahnsinnig ber├╝hrt. Da war wirklich ein Schicksal zu erz├Ąhlen von jemandem, der es nicht leicht hat, der mit sich zu k├Ąmpfen hat. Au├čerdem war sie mir unheimlich fern: Sie hat eine schlimme Krankheit, sie spielt Fu├čball und sie ist eine Halbt├╝rkin, und das sind nat├╝rlich drei gro├če Aspekte, die mich reizten die Herausforderung anzunehmen.

AVIVA-Berlin: Wie haben Sie sich sportlich auf die Rolle vorbereitet?
Karoline Herfurth: Ich habe ganz einfach Fu├čball trainiert ├╝ber zwei Monate. Das hat gro├čen Spa├č gemacht. Im letzten Monat habe ich drei Stunden Training gehabt am Tag, das ist nat├╝rlich unglaublich anstrengend, aber auch unglaublich toll. Ich hatte die M├Âglichkeit Fu├čball zu lernen im Einzelunterricht bei einem Trainer vom HSV.

AVIVA-Berlin: Und wie war Ihre Vorbereitung auf Ihre Rolle als eine Frau, die an Brustkrebs erkrankt ist?
Karoline Herfurth: Die eigentliche Recherche hat eher Buket gemacht, bei mir haben wir es bewusst dabei belassen, dass ich nicht unglaublich viel an Wissen hab┬┤ - der Krebs ├╝berrascht "Hayat" ja, er ├╝berf├Ąllt sie. Aber ich habe ein Buch gelesen, in dem die Schicksale von neun Frauen beschrieben sind. Das hat mir viel gegeben, woraus ich sch├Âpfen konnte f├╝r diese Figur. Die haben dort ├╝ber ihre Depressionen erz├Ąhlt, ├╝ber ihre Todesangst, und dass sie sich verst├╝mmelt gef├╝hlt und sich nicht mehr als Frau gef├╝hlt haben.

AVIVA-Berlin: Eine Botschaft des Film ist es ja, dass diese Frauen eben nicht ihre Weiblichkeit verlieren...
Karoline Herfurth: Ja, und vor allem ist es die Botschaft, dass man sich nicht aufgeben darf. Es ist ja ein Kampf ums Leben ├╝ber den Fu├čball. Ein Kampf, am Leben zu bleiben und sich nicht bestimmen zu lassen von der Krankheit, sondern selbst zu entscheiden.

AVIVA-Berlin: Mal eine heikle Frage: Wenn Ihnen dasselbe passieren w├╝rde, k├Ânnen Sie sich vorstellen, dass Sie auch so einen Kampfgeist h├Ątten?
Karoline Herfurth: Ich denke schonÔÇŽ aber ich kann es nicht... (├╝berlegt) Ja, doch, ich denke, dass ich auch versuchen w├╝rde, mein Leben trotzdem noch selber zu gestalten und es nicht von der Krankheit gestalten zu lassen - und dass ich auch nicht daran glauben w├╝rde zu sterben. Ich w├╝rde glauben, dass ich es ├╝berlebe und w├╝rde die ver├Ąnderte Situation versuchen zu meiner Situation zu machen. Ich w├╝rde mich nicht brandmarken oder behindert machen lassen. Aber das ist nat├╝rlich ein schwieriges gro├čes Thema.

AVIVA-Berlin: Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Partner Ken Duken? Er gilt ja schon so ein bisschen als Frauenschwarm, oder?
Karoline Herfurth: (lacht) Es war sch├Ân, aber es war jetzt nicht so, dass ich seinem Charme verfallen bin, was sehr von Vorteil war, weil wir dadurch dieses ganze Thema ausgespart hatten. Er ist verheiratet, seine Frau war auch in Hamburg. Ich bin vergeben, also das war kein Thema zwischen uns, was auch sehr erleichternd ist bei so einer Arbeit. Aber es war sehr angenehm, wir konnten uns sehr viel geben. Wenn mir was gefehlt hat oder wenn es mir nicht gut ging war Ken immer da. Wenn ich zum Beispiel sehr ersch├Âpft war, hat er mir aus der Apotheke Tropfen besorgt oder so. Es war sehr herzlich.

AVIVA-Berlin: K├Ânnen Sie es dennoch verstehen, dass Schauspieler sich ineinander verknallen, wenn sie heftige Liebesszenen drehen?
Karoline Herfurth: Ja, denn man spielt ja "Verliebtsein" und spielt eine N├Ąhe, und man kann nicht auslassen, dass man sich in dieser N├Ąhe trifft. Das muss passieren, sonst ist es unglaubw├╝rdig. Nat├╝rlich muss man wissen, das ist Arbeit und der Rest ist privat und das trennt man halt. Trotzdem ├Âffnet man sich jemandem und dann l├Ąsst man diese Schwingungen zu. Nat├╝rlich muss man damit umgehen k├Ânnen. Deswegen kann ich verstehen, dass manche Menschen dann da drin bleiben. Aber meistens ist so, dass nach den Dreharbeiten sowas dann auch vorbei ist, denn im AlltagÔÇŽalso meist gibt es am Set gro├če Liebesgeschichten auch im Team, aber nach dem Dreh war┬┤s das, weil das Set eine andere Welt ist. Dann kommen alle wieder in ihren Alltag zur├╝ck und das geh├Ârt da nicht hin.

AVIVA-Berlin: Es gibt ja viele Schauspieler, die sagen, dass Liebesszenen am schwierigsten zu spielen sind.
Karoline Herfurth: Es ist schon schwierig, weil ich ja meine Intimit├Ąt nicht mit Menschen teilen will, die ich sonst nicht gew├Ąhlt h├Ątte. Gerade Sexszenen sind da keine sch├Âne Sache, aber wenn man damit gut umgeht, wenn das Team damit gut umgeht, dann ist es reine Arbeit, und dann ist es auch okay. Nat├╝rlich ist es trotzdem immer schwierig - ich ber├╝hre einen Menschen intim mit meinem Mund, den ich eigentlich nicht ber├╝hren w├╝rde, aber ich tue es ja als die Figur und nicht als "Ich" pers├Ânlich und das muss man trennen k├Ânnen.

AVIVA-Berlin: Haben Sie Vorbilder?
Karoline Herfurth: Komischerweise nicht wirklich. Cate Blanchet zum Beispiel ist eine tolle Schauspielerin, aber ich w├╝rde sie nie als mein Vorbild ansehen. F├╝r die Rolle der "Hayat" war Buket (Buket Alakus, die Regisseurin. Anm. d. Red.) mein Vorbild . Es ist mehr so, dass ich Menschen, die der Rolle ├Ąhnlich sind, beobachte.

AVIVA-Berlin: Was haben Sie als n├Ąchstes vor?
Karoline Herfurth: Erstmal Schauspielschule. Ich bin ja auf der Ernst-Busch-Schule seit einem Jahr und die werde ich zu Ende machen. Mein n├Ąchstes Projekt dort ist "Romeo und Julia", aber als Szenenstudium in der Schule, als ganz normale Pr├╝fung.

AVIVA-Berlin: Dann w├╝nsche ich viel Erfolg und bedanke mich f├╝r das Interview!

Lesen Sie auch unsere Filmkritik zu "Eine andere Liga".


Women + Work Beitrag vom 25.01.2006 AVIVA-Redaktion 





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