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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 11.12.2006


Journalistinnenbund übernimmt Patenschaft für Hedwig-Dohm Gedenkstätte
AVIVA-Redaktion

Hedwig Dohm (1831-1919), eine der bekanntesten Schriftstellerinnen, Publizistinnen und Vordenkerinnen der Frauenbewegungen in Deutschland des 19. Jahrhunderts, ist in Berlin geboren und begraben.




NEWSEnthüllung des Grabgedenksteins für Hedwig-Dohm

Dank finanzieller Spenden vieler Unterstützerinnen, die eine Patenschaft des Journalistinnenbundes für die ehemalige Grabstätte von Hedwig Dohm nachdrücklich begrüßt haben, ist es möglich geworden, ihr nun einen würdigen Gedenkstein auf dem St. Matthäus Kirchhof in Berlin-Schöneberg zu setzen (s. Pressemitteilung von Dezember 2006).

Ursprünglich sollte er an Hedwig Dohms Todestag im Juni und nicht erst zu ihrem Geburtstag im September enthüllt werden. Das zu früh angegebene Datum erwies sich als illusorisch, denn ein so ungewöhnliches Vorhaben erfordert Zeit für eine differenzierte Planung. Nach Vorlage der Entwürfe von mehreren Künstlerinnen fiel die Entscheidung zu Gunsten der Kölner Künstlerin Ulrike Oeter, die einen Gedenkstein aus weißem Marmorstein und rotem Glas entworfen hat. Der Kölner Steinmetz Dietrich Oehler graviert die die Schrift in den geschliffenen Marmorblock Astir und fügt die Teile zusammen mit dem bekannten Glaskünstler Detlef Tanz, der den Glasaufsatz herstellt.

Noch ehe das Gedenkjahr zum 175. Geburtsjahr von Hedwig Dohm 2006 zu Ende geht, ist es dem Journalistinnenbund gelungen, ihre Grabstätte auf dem alten kulturhistorischen St. Matthäuskirchhof in Berlin Schöneberg für weitere zwanzig Jahre zu erhalten.

Mit der Übernahme der Patenschaft will das Netzwerk der Journalistinnen die Erinnerung an eine radikale Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frauen wach halten und zu ihrer Wiederentdeckung beitragen, denn die Beschäftigung mit Leben und Werk von Hedwig Dohm lohnt sich - auch im Hinblick auf aktuelle Diskussionen.

"Alles was ich schreibe, steht im Dienste der Frauen". Unter diesem Motto spießte sie mit spitzer Feder die Missstände ihrer Zeit auf. Hedwig Dohm kommt am 20.9.1831 als Marianne Adelaide Hedwig Jülich zur Welt. Sie ist das dritte Kind und die älteste Tochter des Tabakfabrikanten Gustav Adolph Schlesinger und Wilhelmine Henriette Jülich. Ihre Eltern heiraten erst 1838, nach der Geburt ihres zehnten von insgesamt achtzehn Kindern. Nach der Eheschließung werden die vorher Geborenen vom Vater explizit anerkannt und tragen von da an den Namen Schlesinger.

Die Familie lässt 1851 den jüdisch klingenden Namen Schlesinger in Schleh ändern. Ihr Vater ist bereits 1817 zum Christentum konvertiert. Außerdem besucht Hedwig in dieser Zeit für ein Jahr das Lehrerinnenseminar. Es folgt ein halbjähriger Aufenthalt bei ihrem ältesten Bruder Gustav Adolf Herrmann in Spanien. Im Zuge der Vorbereitungen der Reise lernt sie ihren späteren Ehemann Wilhelm Friedrich Ernst Dohm kennen, der ihr als Hauslehrer Sprachunterricht in Spanisch erteilt.

Am 21.3.1853 heiratet sie den liberalen jüdischen Schriftsteller Ernst Dohm (1819-1883), der als leitender Redakteur beim Berliner politisch-satirischen Wochenblatt "Kladderadatsch" arbeitet. Er wurde am 24.5.1819 in Breslau als Elias Levy geboren, Sohn von David Marcus Levy und Rosalie Lichtenstädt. Seine Familie konvertierte 1828 zum evangelischen Glauben und nahm den Namen Dohm an.

Hedwig Dohm, Mutter von fünf Kindern, daneben beruflich und gesellschaftlich aktiv. Durch ihren Mann kommt sie in Kontakt mit der geistigen Elite der Berliner Gesellschaft, das Dohmsche Haus wird ein beliebter und bekannter Salon: Ferdinand Lassalle und die Gräfin Hatzfeld sind genauso zu Besuch wie Alexander von Humboldt, Franz Liszt, Theodor Fontane, Fanny Lewald und Adolf Stahr, Varnhagen von Ense und seine Nichte Ludmilla Assing, Ludwig Pietsch, Fritz Reuter, Lily Braun und das Verleger-Ehepaar Lina und Franz Duncker.

Bereits 1873 forderte Hedwig Dohm das Wahlrecht für Frauen und setzte sich in ihrem umfangreichen Gesamtwerk - Romane, Novellen, Feuilletons, Essays und Theaterstücke - Zeit ihres Lebens für die politische, soziale und ökonomische Gleichstellung von Männern und Frauen ein. Neben politischen Rechten waren ihr die Verbesserung der Mädchenbildung und die Zulassung der Frauen zum Studium an den Universitäten besondere Anliegen.

Seit 1991 ehrt der Journalistinnenbund jedes Jahr eine Kollegin für ihre herausragende journalistische (Lebens-)Leistung und ihr frauenpolitisches Engagement mit der Hedwig-Dohm-Urkunde. Die Preisträgerin 2006 ist Gesine Strempel, Moderatorin, Autorin, Reporterin und Übersetzerin.

In Zusammenarbeit mit Frauen-Projekten ist zur Einweihung der Gedenkstätte zum Todestag von Hedwig Dohm (1.6.1919) im Frühsommer 2007 ein Symposium in Berlin geplant.

Das AVIVA-"Interview" mit Hedwig Dohm.
Lesen Sie auch unsere Rezension zum ersten Band der kritischen Gesamtausgabe von Hedwig Dohm, "Ausgewählte Texte" erschienen zum 175. Geburtstag und herausgegeben von Nikola Müller und Isabel Rohner.

Weitere Informationen:
www.journalistinnenbund.de und
www.hedwigdohm.de - Dieser Internetseite sind auch die Informationen zum Leben von Hedwig Dohm entnommen.


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Beitrag vom 11.12.2006

AVIVA-Redaktion 






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