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AVIVA-BERLIN.de im Oktober 2021 - Beitrag vom 13.04.2008


Frauenbündnis startet politische Initiative für Entgeltgleichheit
AVIVA-Redaktion

"Ich bin mehr wert" so das Motto des Aktionsaufrufs vom Deutschen Gewerkschaftsbund und weiteren Verbänden. Höhepunkt wird die Einführung des "Equal Pay Day" in Deutschland am 15. April 2008 sein.




Fünfzig Jahre nach Inkrafttreten des Gleichberechtigungsgesetzes in der BRD und der Einführung des Prinzips des gleichen Lohns für gleiche bzw. gleichwertige Arbeit in den Römischen Verträgen existiert nach wie vor eine deutliche Kluft in der Bezahlung von Frauen und Männern. In Deutschland verdienen Frauen derzeit rund 22 Prozent weniger als Männer. Dabei ist die derzeitige Frauengeneration im erwerbsfähigen Alter die bisher am besten ausgebildete aller Zeiten. Sowohl die private Wirtschaft als auch der öffentliche Dienst betonen, dass sie auf diese hoch- und höchstqualifizierten Kräfte nicht mehr verzichten können. Es ist daher Zeit, dass sich diese Entwicklung auch beim Entgelt widerspiegelt.

Aus diesem Grund haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der Deutsche Frauenrat, das Netzwerk Business and Professional Women (BPW) und der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) am 4. März 2008 auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Berlin zu bundesweiten Aktionen gegen diskriminierende Tarifverträge und für gerechte Entlohnung, Mindestlöhne, faire Aufstiegs- und Weiterbildungschancen aufgerufen.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März 2008 starten der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften eine Aktionsserie unter dem zentralen Motto "Ich bin mehr wert", deren Ziel es ist, die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen endlich konsequent zu reduzieren. Viele weitere Verbände haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, darunter die Business and Professional Women (BPW) Germany. Das deutsche branchenübergreifende Berufsnetzwerk für Frauen startete im vergangenen Jahr mit der "Initiative Rote Tasche" eine Dialogkampagne zu Entgeltgleichheit und zeichnet auch für die Einführung des internationalen Aktionstages "Equal Pay Day" in Deutschland am 15. April 2008 verantwortlich.

Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende, stellte auf der Pressekonferenz eine Veranstaltungsreihe vor, die sich in zahlreichen Aktionen in unterschiedlichen Städten mit den Themenschwerpunkten Entgeltgleichheit, Vereinbarkeit und Karrierechancen befassen wird. Entgeltdiskriminierung träfe Frauen in allen Bereichen, so Sehrbrock. Im Niedriglohnbereich seien 70 Prozent der Beschäftigten Frauen, aber auch bei den akademischen Berufen hörten die Gehälter der Frauen in der Regel da auf, wo die der Männer begännen. "Wir erwarten von Wirtschaft und Politik, dass sie der bestausgebildeten Frauengeneration, die wir je hatten, entsprechende Angebote machen".

Die stellvertretende Ver.di Margret Mönig-Raane betonte, wie wichtig es sei, sich beim Thema Vereinbarkeit mit der Vaterrolle auseinanderzusetzen. Es gebe diesbezüglich einen zwar zahlenmäßig noch kleinen aber dennoch signifikanten Fortschritt. Denn eine "Elite" meist jüngerer Männer erkenne inzwischen, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein "Riesenproblem" und eine Aufgabe der ganzen Gesellschaft sei.

"Frauen verdienen weniger, weil sie Frauenarbeiten verrichten, und Frauenarbeiten werden geringer bezahlt, weil sie von Frauen ausgeübt werden." zitierte Brunhilde Raiser, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, die beiden US-amerikanischen Sozialpsychologinnen Shepela und Viviano. Leider sei dieser "Zirkelschluss" heute so aktuell wie vor zwanzig Jahren. "In der geschlechtsspezifischen Aufteilung und Bewertung von reproduktiver und produktiver Arbeit konstituiert sich die diskriminierende Geschlechterhierarchie täglich neu: trotz gestiegener Qualifikation von Frauen, trotz 50 Jahre Gleichberechtigungsgesetz, trotz beachtlicher Gleichberechtigungsgewinne, die wir auf vielen Gebieten errungen haben," sagte Raiser.

Um diese anachronistische Gerechtigkeitslücke endlich zu schließen, "brauchen wir nicht noch mehr Girls´ Days oder andere Ermutigungsprogramme für das Defizitmodell Frau. Was wir brauchen, sind neue geschlechtergerechte Bewertungssysteme, wir brauchen neue Tarifverträge für den Öffentlichen Dienst und für die Privatwirtschaft." Sie rief Frauen und ihre betriebliche Interessensvertretungen dazu auf, in Sachen Lohngleichheit offensiver vom neuen Allgemeinen Gleichstellungsgesetz (AGG) Gebrauch zu machen, sie wiederholte die Forderung des Deutschen Frauenrates nach einem Gesetz zur Durchsetzung des Entgeltgleichheitsgebots, und die nach einem Gleichstellungsgesetz in der Privatwirtschaft. "Denn wir erleben täglich, dass freiwillige Verpflichtungen zu nichts führen, Gesetze aber durchaus. Schauen Sie nur nach Norwegen: Dort droht nun einigen Firmen die Zwangsschließung, weil sie das seit 1. Januar geltende Gesetz, dass mindestens 40 Prozent ihrer Aufsichtsratsitze mit Frauen besetzt werden müssen, nicht erfüllt haben. Na bitte, geht doch. Warum nicht auch hier in Deutschland?" so Raiser.

Am 15. April findet in Deutschland erstmals der Equal Pay Day statt. Der internationale Aktionstag für Entgeltgleichheit von Männern und Frauen, den es unter anderem bereits in den USA und in Belgien gibt, wurde hier von dem Frauennetzwerks Business and Professional Women (BPW) Germany initiiert. BPW-Präsidentin Bettina Schleicher, kündigte Aktionen in FußgängerInnenzonen und Veranstaltungen in über 25 Städten an. "Es muss sich endlich etwas bewegen, denn wenn eine Grafikdesignerin 29 Prozent weniger verdient als ein Grafiker mit derselben Qualifikation oder eine Bankkauffrau 21 Prozent weniger nach Hause bringt als ihr männlicher Kollege, dann werden dadurch nicht nur die Frauen ungerecht behandelt", mahnt Schleicher. Die Gehaltskluft behindere auch die wirtschaftliche Entwicklung. "Weniger Geld in den Taschen der Frauen heißt auch, dass Frauen weniger ausgeben und investieren können, dass sie weniger für ihre Altersvorsorge zurücklegen und weniger über Steuerzahlungen an die Staatskasse abführen können", so Schleicher. Mitgetragen wird der erste deutsche Equal Pay Day von der Bundesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros und Mitgliedsorganisationen des Deutschen Frauenrates.

Margret Urban, Vizepräsidentin des Verbandes der medizinischen Fachberufe sprach darüber, dass es ihrer Organisation gelungen sei, die Tarifverträge für die zu 98 Prozent weiblichen Beschäftigten neu zu ordnen und damit höhere Eingruppierungen und schnellerer Aufstiegschancen zu erzielen. Außerdem seien die Ostgehälter zum 1. Januar 2008 endlich den Westgehältern angeglichen worden. "Bei unseren Frauen geht es nicht so sehr um eine berufliche, sondern höchstens um eine Altersarmutskarriere," so Urban. Daher verfolge ihr Verband vor allem das Ziel, den Abstieg in die Altersarmut abzubremsen.

Der Auftakt der Aktionsserie "Ich bin mehr wert" wird am 8. März in München stattfinden. Weitere Aktivitäten werden sich an verschiedenen Orten und in unterschiedlichen Formen bis zum Jahr 2009 entfalten.

Online-Gewinnspiel der Business and Professional Women (BPW) Germany zum 1. Deutschen Equal Pay Day

Thema Entgeltgleichheit. Dazu waren Frauen aufgerufen zu berichten, wie sie ihre Gehaltssituation erfolgreich verändert haben und eine faire Bezahlung nach dem Grundsatz "Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit" erzielen konnten.
Einsendeschluss war der 07. April 2008.

Lesen Sie auch unseren Beitrag zum "EU-Gleichstellungsbericht 2008".

Weitere Infos:

DGB Frauen: www.dgb-frauen.de

Deutscher Frauenrat: www.frauenrat.de

Netzwerk Business and Professional Women (BPW): www.bpw-germany.de

Initiative Rote Tasche: www.rotetasche.de

Verband medizinischer Fachberufe (vmf): www.vmf-online.de


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Beitrag vom 13.04.2008

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