J├╝disches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Buecher
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA-Berlin > Buecher AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 14.11.2008

J├╝disches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik
Alexandra Kasjan

Der Begleitband zu Bill Rebigers Taschenbuch "Das j├╝dische Berlin. Kultur, Religion und Alltag gestern und heute" zeigt in aufwendigem Duplexdruck authentische Bilder j├╝discher B├╝rgerInnen,...



...Gesellschaft und Kultur zwischen Kaiserzeit und Weimarer Republik (1871-1933).


Bill Rebiger gew├Ąhrt mit seinem Bildband "J├╝disches Berlin" den BetrachterInnen einen Einblick in die Vielfalt j├╝dischen Lebens in der deutschen Hauptstadt, bevor der Nationalsozialismus w├╝tete und das Ziel verfolgte, das europ├Ąische Judentum auszul├Âschen. Die Portr├Ąts bedeutender j├╝discher Pers├Ânlichkeiten, deren Einfluss bis in unsere Zeit hinein reicht, wie etwa Lina Morgenstern (1830-1909), Lily Montagu (1873-1963), Walther Rathenau (1867-1922), Albert Einstein (1879-1955), Abraham Geiger (1810-1874) oder Max Liebermann (1847-1935) werden in Bild und Text dokumentiert. So auch heute weniger bekannte j├╝dische Menschen wie etwa der patriotisch eingestellte Hans Loevinson, der sich wie viele seiner Glaubensgenossen als Freiwilliger bei der Armee meldete. W├Ąhrend des Ersten Weltkrieges diente Loevinson als Krankenpfleger.

Architekturphotographien j├╝discher Gebetsh├Ąuser, die w├Ąhrend der Pogromnacht 1938 teilweise oder unwiederbringlich zerst├Ârt wurden,sind ein weiteres zentrales Thema im Bildband. Die Alte Synagoge in der Heidereutergasse (Berlin-Mitte) etwa wurde bereits im Jahre 1714 eingeweiht. Heute existiert das Gotteshaus nicht mehr, da es in den 1960er Jahren abgerissen wurde. Besonders die Photographie (entstanden 1929) von der Synagoge Fasanenstra├če 79/80 (Berlin-Charlottenburg), die von Ehrenfried Hessel entworfen und im Jahre 1912 eingeweiht wurde, macht das damalige religi├Âse Leben der deutschen Juden lebendig, da hier im Gegensatz zu den Architekturaufnahmen j├╝discher Gebetsh├Ąuser auch eine auf der Stra├če versammelte Menschenmenge nach dem Gottesdienst zu sehen ist. Sowohl Damen als auch Herren in schicker Garderobe, manche vertieft in ihren Gedanken, andere plaudernd, stehen vor dem Eingangsportal. 1938 wurde die Synagoge v├Âllig zerst├Ârt. Heute steht an diesem Ort der Neubau des J├╝dischen Gemeindezentrums. Vor dem Eingang kann man heute originale Bauelemente von damals erkennen, wie das vorgesetzte Eingangsportal und ein Teil der Fassadenpilaster.

Viele Synagogen wurden im neoromanischen Stil entworfen und weisen nach dem Vorbild der Romanik Rundb├Âgen und massive Steinmassen auf. W├Ąhrend sich einige Synagogen im Hinterhof befanden, standen andere Gemeindesynagogen im Sinne des damaligen aufkommenden j├╝dischen Selbstbewussteins als repr├Ąsentative Institutionen separat von anderen Geb├Ąuden.

Kulturelle Einrichtungen wie j├╝dische Theater oder Bibliotheken, aber auch Kaufh├Ąuser, Gesch├Ąfte und Restaurants, und deren j├╝dische Inhaber sind im Bildband zu sehen: Der Kaufmann und Gesch├Ąftsf├╝hrer der Kaufhauskette "A. Jandorf & Co.", Adolf Jandorf (1870-1932), gr├╝ndete mit dem "Kaufhaus des Westens" (KaDeWe) im Jahr 1907 das bis heute bekannteste deutsche Kaufhaus. Oder Hermann Tietz, der ebenfalls aus einer deutsch-j├╝dischen Kaufmannsfamilie stammte. Er war einer der Ersten in Deutschland, der die Idee, ein Warenhaus zu gr├╝nden, umsetzte. So geht die bekannte Warenhauskette "Hertie" auf ihn zur├╝ck. Nicht nur gro├če Kaufh├Ąuser, sondern auch kleine L├Ąden j├╝discher H├Ąndler pr├Ągten die Stadt.

Familienbilder sind ebenfalls Bestandteil dieser photographischen Sammlung Unter ihnen befinden sich auch assimilierte J├╝dinnen und Juden, die sich als Deutsche f├╝hlten und sogar Weihnachten feierten. Die patriotische Einstellung vieler J├╝dinnen und Juden dokumentieren auch die Bildaufnahmen von Soldaten, die w├Ąhrend des Ersten Weltkrieges ihr Land mit Leib und Seele verteidigten. Im scharfen Kontrast dazu stehen die Bilder, die orthodoxe J├╝dinnen und Juden abbilden, wobei sich vor allem die m├Ąnnlichen Juden mit ihrer charakteristischen Kleidung, also schwarze Anz├╝ge und H├╝te, vehement von ihren nichtj├╝dischen Mitb├╝rgerInnen sowie dem liberalen Judentum unterschieden. Aufgrund ihrer pr├Ągnanten Erscheinung wurden orthodoxe J├╝dinnen und Juden von ihrer christlichen Umwelt mit Misstrauen betrachtet.

J├╝dische karitative und zionistische Vereinigungen und Veranstaltungen, diverse Aktivit├Ąten im J├╝dischen Jugendwohn- und Lehrlingsheim, wie etwa Schachunterricht, Sportclubs, StudentInnenenverbindungen und PfadfinderInnenzusammenk├╝nfte sind weitere Motive. Aber auch Photographien j├╝discher Festlichkeiten wie Chanukka oder Purim, geh├Âren zum Repertoire des zweisprachigen Bildbandes "J├╝disches Berlin ÔÇô Jewish Life in Berlin".

Private und eher zuf├Ąllige allt├Ągliche Schnappsch├╝sse, wie etwa spielende Kinder, runden die Auswahl an Photographien aus Kaiserzeit und Weimarer Republik ab und bilden das Gegenst├╝ck der professionell erstellten Bildaufnahmen. Die Photos dokumentieren die Bl├╝tezeit j├╝dischen Lebens in Berlin und beweisen, dass sich die j├╝dische Kultur in allen sozialen Bereichen manifestierte. Ob j├╝dische WissenschaftlerInnen, MusikerInnen, bildende oder darstellende K├╝nstlerInnen, JournalistInnen, VerlegerInnen oder Gesch├Ąftleute ÔÇô sie alle waren ein untrennbarer Teil innerhalb der deutschen Gesellschaft.

Zum Autor: Bill Rebiger studierte in Berlin und Jerusalem Judaistik und Philosophie. Seine judaistische Promotion folgte 2004. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Forschungsprojekt zum Jerusalemer Talmud an der Philipps-Universit├Ąt Marburg. Weiterhin ist er Lehrbeauftragter am Institut f├╝r Judaistik der Freien Universit├Ąt Berlin und Mitglied im Verein "StattReisen Berlin e.V.". Im Jaron Verlag erschienen von ihm "Das j├╝dische Berlin" (Neuausgabe 2007) und "J├╝dische St├Ątten in Berlin" (4. Auflage 2006).

AVIVA-Tipp: Die Photographien in "J├╝disches Leben" bestechen durch ihre hohe Qualit├Ąt, aber sie sind auch im historischen Sinne wertvoll. Durch Betrachtung der Bilder erh├Ąlt man einen fundierten Einblick in das j├╝dische Leben im Kaiserreich und w├Ąhrend der Weimarer Republik. Einige Pers├Ânlichkeiten, wie etwa Walther Rathenau, blicken den BetrachterInnen direkt in die Augen, so dass man das Gef├╝hl bekommt, diese w├Ąren noch immer lebendig. Auf der anderen Seite f├╝hlt man sich aufgrund der ausgezeichneten Qualit├Ąt der Aufnahmen direkt in die Vergangenheit hineinversetzt.

J├╝disches Berlin Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik
Jaron Verlag, 1. Auflage erschienen September 2008
Gebunden mit Schutzumschlag, 128 Seiten, 117 Photos, Duplexdruck
Format: 23 x 28 cm
ISBN 978-3-89773-586-6
Sprachen: Deutsch und Englisch
Preis: 29,90 Euro
Weitere Infos unter: www.jaron-verlag.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:


"J├╝dische Friedh├Âfe in Berlin" von Johanna von Koppenfels.

"Berliner Juden 1941 - Namen und Schicksale", herausgegeben von Hartmut J├Ąckel und Hermann Simon.

"J├╝disches im Gr├╝nen. Ausflugziele im Berliner Umland" herausgegeben von Judith Kessler und Lara D├Ąmmig.

"Ich besa├č einen Garten in Sch├Âneiche bei Berlin" von Jani Pietsch.

"Das Zeugenhaus" von Christiane Kohl.

"Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933" von Myra Warhaftig.

"Die Wertheims" von Erica Fischer und Simone Ladwig-Winters.

"Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum" herausgegeben von Julius H. Schoeps, Anna-Dorothea Ludewig.

"Juden. B├╝rger. Berliner. Das Ged├Ąchtnis der Familie Beer - Meyerbeer ÔÇô Richter".

"Berlin unterm Hakenkreuz" von Sven Felix Kellerhoff.

"Anwalt ohne Recht" herausgegeben von Simone Ladwig Winters.

"Juden in Berlin ÔÇô Biografien" herausgegeben von Elke-Vera Kotowski.

"Geschichte des j├╝dischen Alltags in Deutschland", herausgegeben von Marion Kaplan.

Das j├╝dische Berlin. 1. Teil (aus 2004).

Buecher Beitrag vom 14.11.2008 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken