Rose Tremain - Und damit fing es an. Verlosung - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

WOHNE LIEBER UNGEW├ľHNLICH
AVIVA-Berlin > Gewinnspiele AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 12.08.2016

Rose Tremain - Und damit fing es an. Verlosung
Hai-Hsin Lu, Sharon Adler

In ihrem neuen Roman skizziert die renommierte britische Schriftstellerin ein Portrait komplexer Beziehungen von Gustav Perle zu seiner Mutter Emilie und seinem j├╝dischen Kindheitsfreund Anton Zwiebel ├╝ber den Zeitraum von f├╝nfundsechzig Jahren. AVIVA verlost 2 B├╝cher



Die Schweiz ist nach dem Zweiten Weltkrieg von dem Grauen der Zerst├Ârungen und den m├Ârderischen Verfolgungen unber├╝hrt. Dennoch leben Gustav Perle und seine Mutter Emilie in Armut: An den Samstagen putzen sie die Kirche und oft gibt es als warme Mahlzeit nur Suppe. Emilie ist eine verbitterte Frau die kaum l├Ąchelt und ihren Sohn zur Selbstbeherrschung erzieht. Sie spricht stets von seinem verstorbenen Vater als Helden, der sich f├╝r "die Juden" geopfert h├Ątte.

Familienbilder

Als Gustav in der Schule einen neuen, aus Bern zugezogenen Sch├╝ler kennenlernt, ist er von dessen kultivierter Familie fasziniert: Anton Zwiebels Vater ist Bankier, seine Mutter eine liebevolle Frau und die Wohnung mit dem eleganten Fl├╝gel strahlt W├Ąrme aus. Von seiner Mutter erf├Ąhrt Gustav, dass Familie Zwiebel zu "den Juden" geh├Ârt. Tremain setzt als Gegenst├╝ck zu dem kalten, lieblosen Zuhause der Perles das Leben der Familie Zwiebel, die einen innigen Umgang miteinander hat.
Das gute Leben der Zwiebels weckt Emilies Neid und sch├╝rt ihr rassistisches Denken. Zwar ├Ąu├čert sie sich nie offen negativ ├╝ber die Familie Zwiebel, doch ihre kalten Anmerkungen ├╝ber "die Juden", die ihr "wohlbetuchtes" Leben f├╝hren, lassen ihre antisemitische Haltung deutlich werden. Leider bedient auch Tremain hier das klischeebesetzte Bild einer wohlhabenden gro├čb├╝rgerlichen j├╝dischen Familie, eines der weitest verbreiteten antisemitischen Stereotype.

Willige Vollstrecker versus Stille Helfer

Im zweiten Teil des Buches versetzt Tremain die Leser_innen zur├╝ck in das Jahr 1937 ÔÇô Emilie, damals ein junges M├Ądchen, arbeitet als Dienstmagd und sehnt sich nach einem besseren Leben. Dann lernt sie den stellvertretenden Polizeichef ihrer Kleinstadt kennen: Erich Perle ist ein gutaussehender Mann, der f├╝r Emilie wie aus einem Traum wirkt. Ihre gl├╝ckliche Ehe wird jedoch bald von der nationalsozialistischen Macht├╝bernahme in Deutschland ├╝berschattet. Tausende j├╝dische Fl├╝chtlinge ├╝berqueren die Grenze in die sichere Schweiz und Erich muss sich einem Dilemma stellen, das ihn und seine Ehe zerr├╝tten wird: Als die Schweiz ihre Grenzen f├╝r Juden aus Deutschland und ├ľsterreich schlie├čt, f├Ąlscht Erich Papiere, um die Menschen zu retten. Daf├╝r wird er aus seinem Amt unehrenhaft entlassen und das Leben, das sich die junge Emilie so sehr erhofft hat, ist zerst├Ârt.

Tremain geht auf die zutiefst problematische Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg ein, indem sie mit Erich einen Charakter zwischen staatlich sanktioniertem Antisemitismus und pers├Ânlichen Moralvorstellungen entwirft. Somit st├Â├čt sie bei den Leser_innen indirekt einen Denkprozess ├╝ber das als "neutral" betitelte Land an: Die Schweiz, sowie die meisten anderen europ├Ąischen L├Ąnder, verwehrten den j├╝dischen Fl├╝chtlingen ihre Hilfe, indem sie in der ersten H├Ąlfte des Zweiten Weltkriegs strikte Einwanderungsgesetze einf├╝hrten. Somit haben sie sich einer Komplizenschaft am Genozid der Juden Europas schuldig gemacht.

Emilie kann jedoch nicht ├╝ber ihren pers├Ânlichen Verlust hinwegsehen. Angesichts ihrer Armut entbrennt ein irrationaler Hass auf alle Menschen, die sie als j├╝disch zu erkennen meint. Tremain gibt den Leser_innen Einblick in Emilies kaputte Gedankenwelt, etwa als diese vor einem j├╝dischen Laden steht: "Sie m├Âchte in das Gesch├Ąft gehen und ihm erkl├Ąren: Ihretwegen habe ich alles verloren. Ich m├Âchte, dass Sie das wissen. Ich hatte ein wundersch├Ânes Leben, und jetzt f├╝hre ich ein Leben in Armut und Elend ÔÇô nur Ihretwegen."

Schuld und Verst├Ąndnis

Der dritte Teil des Buches spielt in den 1990er Jahren. Gustav und Anton sind inzwischen ├╝ber f├╝nfzig. Sie sind sich als Freunde treu geblieben und leben immer noch am selben Ort. Emilie ist l├Ąngst tot, doch die Erinnerung an sie qu├Ąlt Gustav nach wie vor ÔÇô er m├Âchte erfahren, warum seine Mutter so ungl├╝cklich war, warum sie ihn nicht lieben konnte. Bemerkenswerterweise l├Ąsst Tremain Gustav auf einen alten englischen Herrn treffen, der ihm von der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen Belsen erz├Ąhlt. So schlie├čt sich der Bogen zu Emilies permanenten Hasstiraden auf "die Juden". Tremain entlarvt sie somit endg├╝ltig als Antisemitin.

"Wir m├╝ssen die Menschen werden, die wir schon immer h├Ątten sein sollen."

Gleichzeitig ist Anton, dessen Karriere als Konzertpianist fr├╝h scheiterte, zutiefst unzufrieden mit seinem provinziellen Leben. Als er nach Genf zieht und eine Beziehung mit einem Mann eingeht, ist Gustav am Boden zerst├Ârt. Ihr inniges, br├╝derliches Verh├Ąltnis ver├Ąndert sich: In ihrem Lebensherbst finden die zwei Freunde endlich als Liebende zueinander.

In ihrem episch anmutenden Werk behandelt Rose Tremain zahlreiche Themen, darunter Altern, Homosexualit├Ąt, Armut, und Antisemitismus. Ihre Sprache vermittelt warme Zuneigung, jugendliche Verwirrung und kalte Ablehnung mit einer bildlichen Pr├Ągnanz, die den Leser_innen lange im Ged├Ąchtnis nachhallen wird. "Und damit fing es an" wird eines der gro├čen B├╝cher des Jahres sein.

AVIVA-Tipp: Ob es die Beziehung zwischen Mutter und Sohn ist, das Verh├Ąltnis zwischen zwei alten Freunden, oder der Hass einer einzelnen auf eine ganze Bev├Âlkerungsgruppe ÔÇô Rose Tremain gelingt es, Menschen realistisch und zugleich poetisch zu beschreiben.

Zur Autorin: Rose Tremain, geboren 1943 in London, ist die Autorin zahlreicher Romane, darunter "Die Verwandlung der Mary Ward" (2014) und "Zeit der Sinnlichkeit" (1989). Letzterer wurde 1995 verfilmt. Sie studierte Anglistik an der Pariser Sorbonne, und an der University of East Anglia und lehrte an letzterer zwischen 1988 und 1995 kreatives Schreiben. 2013 wurde sie zur Universit├Ątskanzlerin ernannt. Sie erhielt f├╝r ihr Schaffen zahlreiche Preise, unter anderem dem "Sunday Express book of the Year Award" (1989) f├╝r "Zeit der Sinnlichkeit", dem franz├Âsischen "Prix Femina Etranger" (1994) f├╝r "Die Verwandlung der Mary Ward", dem "Whitbread Novel of the Year Award" f├╝r "Melodie der Stille" (1999) und dem "Orange Prize for Fiction" (2008) f├╝r "Der weite Weg nach Hause".
F├╝r "Und damit fing es an" hat sich Rose Tremain auf Fakten des Buches "Switzerland Unwrapped: Exposing the Myths" von Mitya News gest├╝tzt, das die Geschichte von Paul Gr├╝ninger erz├Ąhlt, der 1938 Polizeihauptmann des Kantons St. Gallen war.
Mehr Infos zur Autorin unter: www.rosetremain.co.uk

Rose Tremain
Und damit fing es an

Originaltitel: The Gustav Sonata
├ťbersetzt von Christel Dormagen
Insel Verlag bei Suhrkamp, erschienen: 6. August 2016
Gebunden, 331 Seiten
ISBN 978-3-458-17684-8
22,00 Euro
Auch als E-Book erh├Ąltlich
Mehr Infos zum Buch unter: www.suhrkamp.de


AVIVA-Berlin verlost 2 B├╝cher. Bitte nennen Sie uns drei weitere Titel von B├╝chern der Autorin und senden Sie uns dazu eine eMail mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 31.10.2016 an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Anna Mitgutsch - Die Ann├Ąherung
Hat die ├Âsterreichische Autorin in ihren Romanen vor allem die Suche nach der j├╝dischen Identit├Ąt nach der Shoa thematisiert, wechselt sie in ihrem neuen Roman die Perspektive und taucht ein in das Schweigen, das in den Verbrechen der Nazis zur Mitt├Ąterschaft war.

Anna Katharina Hahn - Das Kleid meiner Mutter
Es ist ein hei├čer August 2012. 40 Grad in Madrid, angeheizt ist auch das politische Klima. Die Autorin von "K├╝rzere Tage" und "Am Schwarzen Berg" stellt in ihrem neuen Roman stellvertretend f├╝r die verlorene Generation die arbeitslose Anita in den Fokus.

Else Krell - Wir rannten um unser Leben. Illegalit├Ąt und Flucht aus Berlin 1943. Herausgegeben von Claudia Schoppmann
Sorgf├Ąltig und kenntnisreich hat die Historikerin und Publizistin die ihr anvertrauten Erinnerungen und Manuskripte in Buchform aufbereitet und schlie├člich, sechs Jahre sp├Ąter, eine Ver├Âffentlichung erwirkt. (2016)

Herzlichen Gl├╝ckwunsch zum 93. Geburtstag, Judith Kerr
Am 14. Juni ist der Geburtstag von "the tigermother". Unter diesem Namen kennt sie in Gro├čbritannien jedes Kind. "The Tiger who came to Tea" ist ihr bekanntestes Kinderbuch. Die Flucht vor den Nazis pr├Ągte die Bestseller-Autorin Judith Kerr ("Als Hitler das rosa Kaninchen stahl").

Gewinnspiele Beitrag vom 12.08.2016 AVIVA-Redaktion 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken