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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 27.08.2016

Ari├źlla Kornmehl - Alles, was wir wissen konnten. Verlosung
Romina Wiegemann

Die in Amsterdam geborene Schriftstellerin erz├Ąhlt von der niederl├Ąndischen J├╝din Jet, deren Leben durch die traumatischen Erfahrungen, die ihr als junge Frau w├Ąhrend der nationalsozialistischen Besatzung widerfuhren, auf existentielle ...AVIVA verlost 2 B├╝cher



... Weise beeinflusst geblieben ist. Die Wirkm├Ąchtigkeit des Schweigens und die generationale Weitergabe des Unausgesprochenen sind zwei Ph├Ąnomene, die in diesem Roman besonders greifbar werden.


Als die Niederlande unter nationalsozialistischer Besatzung stehen, ist die aus wohlhabendem Hause stammende Jet ein junge Frau. Aufgrund der f├╝r J├╝dinnen und Juden bestehenden Lebensgefahr beschlie├čen ihre Eltern, dass Jet bei Henk, einem Bekannten, untertauchen soll. Getarnt als Henks neue Haushaltshilfe zieht sie bei ihm ein. Mit in ihre Zufluchtsst├Ątte nimmt sie ihre Liebe Mischa, der aus Deutschland vor dem Naziterror gefl├╝chtet war, und nun als Jude erneut der Verfolgung ausgesetzt ist. Im Unterschied zu Jet darf Mischa sich aus Sicherheitsgr├╝nden in Henks Haus nicht frei bewegen und bezieht einen Verschlag im Keller.

Gef├Ąhrlich wird die Situation f├╝r Jet, als Herr Van Keulen, der mit seiner Familie im Nebenhaus lebt, von Jets Herkunft erf├Ąhrt. Der verheiratete Mann und Vater zweier T├Âchter ist ein Nazi-Kollaborateur und handelt mit Raubkunst. Er erpresst Jet damit, sie auffliegen zu lassen und vergewaltigt sie regelm├Ą├čig. Jet wird schwanger. Sie will das Kind nicht, provoziert aber keinen Schwangerschaftsabbruch. Nach der Geburt des Sohnes beansprucht Van Keulen das Baby f├╝r sich und konstruiert eine Geschichte ├╝ber seine Herkunft, die dazu f├╝hrt, dass seine Frau den kleinen Otto als ihren Sohn aufzieht. F├╝r Jet, die bis zum Ende des Krieges im Haus nebenan lebt, ist es ├Ąu├čerst schmerzhaft, tagt├Ąglich Zeugin davon zu werden. Wider Erwarten sind Muttergef├╝hle in ihr erstarkt, die sie aufgrund des qualvollen Hintergrunds von Ottos Zeugung nicht f├╝r m├Âglich erachtet hatte. Jet n├╝tzt jede M├Âglichkeit, einen Blick auf Otto zu erhaschen und ist erleichtert dar├╝ber festzustellen, dass die Van Keulens sehr liebevoll mit ihm umgehen.

Das Kriegsende, das Mischa in seinem Versteck herbeisehnt, ist f├╝r Jet eine Art Schock. Sie wei├č, dass sie Henks Haus nun verlassen muss und Otto, der mittlerweile ein kleiner Junge ist, m├Âglicherweise nie wieder sehen wird. Gleichzeitig erh├Ąlt sie Gewissheit dar├╝ber, dass ihre Eltern ermordet wurden. Unter diesen bitteren Voraussetzungen gr├╝ndet sie mit Mischa, der gesundheitlich schwer an den Folgen der Jahre im Versteck gelitten hat, eine Familie.

Der Roman macht einen Zeitsprung und wir finden uns in New York wieder. Otto, Jets Sohn, hei├čt mittlerweile Collins, und hat dort Fu├č gefasst. Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Unterst├╝tzt durch seinen Vater, der ihm eine gute Ausbildung erm├Âglicht hat, arbeitet er nun erfolgreich als Auktionator und handelt mit Kunstwerken. ├ťber seine wahre Herkunft hat er niemals etwas erfahren.

Collins ist in seiner Ehe ungl├╝cklich, er sehnt sich nach einer Frau, die ihn wirklich versteht. Im Verlauf des Romans verliebt er sich in eine Studentin und findet bei ihr den Ort, an dem er sich zum ersten Mal wirklich angekommen f├╝hlt. Generell sind seine Gef├╝hle oft widerspr├╝chlich, etwas, das er nicht benennen kann, lastet auf ihm.
Als er Nachricht davon erh├Ąlt, dass seine Eltern bei einem Unfall ums Leben gekommen sind, reist er zum ersten Mal seit Langem in die Niederlande. Auf dem Begr├Ąbnis macht er Bekanntschaft mit einer geheimnisvollen ├Ąlteren Frau, die er aber nicht weiter verfolgt. Als ihm Jahre sp├Ąter, im Rahmen seiner beruflichen T├Ątigkeit, ein Gem├Ąlde von Degas in die H├Ąnde f├Ąllt, das mit Nazi-Raubkunst in Verbindung gebracht wird, wird ihm schlagartig bewusst, wie wenig er ├╝ber seinen Vater wussteÔÇŽ

AVIVA-Fazit: Die Palette an Themen, die Ari├źlla Kornmehl auf knapp 200 Seiten verhandelt, kann ├╝berw├Ąltigen. Die Erz├Ąhlung wirkt abgespult, durchaus interessante Aspekte werden oft nur angeschnitten, um dann unbearbeitet zu bleiben. Die Beziehung zwischen Mischa und Jet, die Hintergr├╝nde des Raubkunst-Handels und Collins psychische Verfasstheit sind nur Beispiele f├╝r Themen, die eine n├Ąhere Betrachtung verdient h├Ątten. Die vergleichsweise ausufernde, ├╝bertrieben negative Darstellung von Collins┬┤ Ehefrau sowie die sentimentale Beschreibung von seiner Liebe f├╝r Stella nehmen dagegen so viel Raum ein, dass es der Seriosit├Ąt des Romans abtr├Ąglich ist. In Kombination mit einem eher einfach gestrickten Erz├Ąhlstil kann daher stellenweise der Eindruck entstehen, einen Kitsch-Roman vor sich zu haben. Die Autorin wird dem an sich anspruchsvollen Stoff und der tragischen Lebensgeschichte von Jet, die auf den Erinnerungen ihrer Gro├čmutter beruht, mit diesem Roman leider nicht gerecht.

Zur Autorin: Ari├źlla Kornmehl, geboren 1975, lebt in Amsterdam, wo sie Philosophie studierte. Sie hat mehrere Jahre in S├╝dafrika verbracht. "Alles, was wir wissen konnten" ist nach "De familie Goldwasser", "Der Schmetterlingsmonat" (2006) und "Was du mir verschweigst" (2011) ihr vierter Roman. (Quelle: Verlagsinformationen)

Zur ├ťbersetzerin: Marlene M├╝ller-Haas, geboren 1948, studierte Kunstgeschichte, Niederlandistik und Germanistik in Amsterdam und Berlin, lehrte an der Freien Universit├Ąt Berlin und lebt heute als freie ├ťbersetzerin in Berlin. Sie ├╝bersetzt Belletristik, Sachb├╝cher und Ausstellungskataloge. M├╝ller-Haas ist Mitglied des Verbandes Deutschsprachiger ├ťbersetzer Literarischer und Wissenschaftlicher Werke. 2002 erhielt sie f├╝r ihre ├ťbersetzung des Essaybandes Kirschenblut von Charlotte Mutsaers den Else-Otten-├ťbersetzerpreis. (Quelle: Galiani Verlag Berlin)

Ari├źlla Kornmehl
Alles, was wir wissen konnten

Originaltitel: Wat ik moest verzwijgen bij Uitgeverij Cossee
Aus dem Niederl├Ąndischen ├╝bersetzt von Marlene M├╝ller-Haas
Hoffmann und Campe, erschienen am 19.08.2016
Hardcover mit Schutzumschlag, 208 Seiten
ISBN 978-3-455-40541-5
20 Euro
www.hoffmann-und-campe.de



AVIVA-Berlin verlost 2 B├╝cher. Bitte senden Sie uns dazu den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension zu Marie Jalowicz Simon - Untergetaucht mit Angabe Ihrer Postadresse bis zum 31.10.2016 per Email an folgende Adresse: info@aviva-berlin.de



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Gewinnspiele Beitrag vom 27.08.2016 Romina Wiegemann 





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