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AVIVA-BERLIN.de im Dezember 2021 - Beitrag vom 22.10.2021


Susanne Kuhlendahl - Virginia Woolf. Verlosung
Bärbel Gerdes

Anregend, erstaunlich, beeindruckend – auf knapp 130 Seiten führt uns die Illustratorin Susanne Kuhlendahl in einem Comic das komplexe Leben Virginia Woolfs vor Augen. Mit viel Empathie und offen-sichtlicher Freude räumt sie dabei mit alten Vorurteilen gegenüber der britischen Autorin auf. AVIVA-Berlin verlost 2 Bücher




Das Leben ist keine symmetrisch angeordnete Reihe von Wagenlampen, betont Virginia Woolf in ihrem Essay Modern Fiction, das Leben ist ein leuchtender Lichtschleier, eine halb-durchsichtige Hülle, die uns vom Beginn unseres Bewusstseins umgibt.
Hier geht es um die Romankunst, doch auch auf die Biografie lässt sich dies übertragen. What to put in and what to left out ist die zentrale Frage, die BiografInnen umtreibt und leider allzu oft damit endet, dass eine Aneinanderreihung von Ereignissen und Daten ein Leben beschreibt.

Virginia Woolf hat in ihren Werken dieses andere Leben darstellen wollen, das Leben, das unsichtbar stattfindet, das auf einen Strom des Bewussten und Unbewussten dahintreibt und uns zu Handlungen und Gefühlen führt, die ihren Ursprung tief in uns haben, gespeist von Vergangenem und Erlebtem.

Nur allzu oft blendeten Virginia Woolfs Biografen und Biografinnen diese Aspekte aus. Sie hörte Vögel Griechisch sprechen und versuchte, sich das Leben zu nehmen? Also war sie verrückt! Sie lebte keine Sexualität mit ihrem Ehemann? Also war sie frigide!
Diese Kurzschlüsse, insbesondere die von Quentin Bell, dessen Biografie über Jahrzehnte das Bild prägten, das LeserInnen sich von Woolf machten, schienen einer vollkommen oberflächlichen Betrachtung entsprungen zu sein, die Komplexitäten nicht (an-)erkannte.
Spätere Lebensbeschreibungen räumten mit vielen Vorstellungen auf und zeigten uns eine äußerst witzige, brillante, scharfsinnige und scharfzüngige Virginia Woolf, die, ja, auch krank war und die tatsächlich keinen Sex mit ihrem Ehemann hatte – da sie den mit Frauen vorzog.
Hermione Lee brauchte dafür fast 1000 Seiten.

Susanne Kuhlendahl macht es anders. Sie zeichnet auf knapp 130 Seiten Woolfs oftmals buntes, manchmal schwarzes Leben auf und schafft es, uns die Schriftstellerin in all ihrer Vielschichtigkeit vor Augen zu führen. Vor allem aber macht sie deutlich, wie sehr Woolf den Stoff für ihre Werke aus ihrem Leben zog, ohne dabei selbst in Erscheinung zu treten. Dies ist nicht interpretativ gemeint. In ihren Tagebüchern schreibt Woolf darüber, wie sehr ihr das Schreiben eines Romans dabei half, Erlebtes zu verarbeiten. Sie bemerkte einmal, dass ihr die Auseinandersetzung mit Zum Leuchtturm eine ganze Psychoanalyse erspart hätte und ihr half, sich von ihrer Mutter zu befreien.

Das Vorsatz dieses wunderbaren, großformatigen Bandes ziert eine Galerie der ProtagonistInnen ihres Lebens: Schwester, Brüder, Freunde und Freundinnen, Geliebte und ihr Ehemann.
Gleich auf der ersten Seite stellt die Illustratorin uns vor, mit wem wir es zu tun haben. Wir gehen in Gedanken und gehen vorbei, bemerkt sie. Virginia Woolf ist in Monks House, sie läuft den Weg zu ihrer Schreibhütte entlang - und sie sieht.

Farbige luftige Bilder entführen uns in die Sommerfrische nach Cornwall. Beim Betrachten hören wir förmlich die Kinder beim Bowl-Spiel rufen, den Wind im Segel knattern. Unbeschwertheit und Freude machen Talland House zu dem Paradies ihrer Kindheit.
Doch auch der sexuelle Missbrauch durch ihren Halbbruder Gerald gehört dazu, der zu einer jahrzehntelangen Angst vor Spiegeln und einer tiefen Scham beim Kauf neuer Kleider führte.

Susanne Kuhlendahls Zeichnungen erzählen von einem tiefen Verständnis gegenüber ihrer Protagonistin. Da ist die fünfjährige Virginia abends im Bett liegend und ihre Geschwister mit Geschichten unterhaltend: ein blaues Bild mit Meer und Schiffen und Wellen. Da ist die so oft zornige Virginia, die über eine ungerechte Rezension tobt und deren purpurne Wut gefürchtet ist.

Mit beeindruckend wenig, dafür aber bissigem Text und wahrlich unter die Haut gehend, erfahren wir von der jahrelangen sexuellen Gewalt ihres anderen Halbbruders George und deren Auswirkungen auf ihr Leben.

Ja, und wir lernen ihre Qualen kennen, die häufigen Kopfschmerzen, die Versagensängste, ihr Gefühl, wertlos zu sein.

Viel mehr aber lernen wir ein Mädchen und eine Frau kennen, die kämpferisch ist, die von Frauen unterstützt wird und deren Rettung das Lesen und das Schreiben ist. Auf einer wunderbar illustrierten Seite stellt Kuhlendahl die fliegende und fliehende Kraft des Lesens dar.

Virginia Woolf war eine sehr genaue Beobachterin und eine an Menschen und am Leben interessierte Frau. Sie war berühmt für ihre detaillierten Fragen und für ihre Neugier.
Sie war eine kluge Denkerin und eine vehemente Kämpferin für die Rechte von Frauen. Sie stellte ihre FreundInnen unglaublich boshaft in ihrem Tagebuch dar.
Sie war eifersüchtig auf Katherine Mansfield und schrieb über ihre Geliebte Vita Sackville-West Mehr Geist, o Herr, mehr Geist … aber das arme Mädchen sieht göttlich schön aus.
Sie war Verlegerin und Geschäftsfrau und liebte es, über die South Downs zu streifen, mit sich selbst redend, ihre Texte gestaltend.

Es ist ein Wunder, dass Susanne Kuhlendahl es schafft, die ganze Vielschichtigkeit und Vielseitigkeit Woolfs in einem Comic darzustellen. Dass es ihr dabei auch gelingt, sie von den ärgerlichen Attributen, die ihr Quentin Bell & Co angedichtet haben, zu befreien, ist ein großes Verdienst.
Wie sehr Woolf es schaffte, sich immer wieder aus dunklen Phasen herauszuleben, wie sehr sie dabei auch durch andere Frauen befreit wurde, zeigt dieser Band auf beeindruckende Weise.

AVIVA-Tipp: Eine uneingeschränkte Leseempfehlung! Susanne Kuhlendahl hat mit ihrem Comic die ganze Buntheit Virginia Woolfs, zu der auch dunkle Farben gehören, eingefangen. Ihre empathischen fein-sinnigen Bilder führen uns die Schriftstellerin in allen Facetten vor Augen und verführen dazu, den Band immer wieder zur Hand zu nehmen.

Zur Illustratorin: Susanne Kuhlendahl, ist Diplom Designerin und Illustratorin. Sie arbeitet für namhafte Verlage und hat 2019 im Knesebeck-Verlag die Graphic Novel Tod in Venedi nach Thomas Mann veröffentlicht. Auf ihrer Homepage sind Arbeiten u.a. zu Wolfgang Borchert und Alessandro Baricco zu sehen. Susanne Kuhlendahls Illustrationen sind auch in zahlreichen Kinder- und Schulbüchern zu sehen. Sie lebt in Nordrhein-Westfalen.
Mehr unter: www.susanne-kuhlendahl.de

Virginia Woolf, geboren am 25. Januar 1882 in London, gestorben am 28. März 1941 bei Rodmell in Lewes. Woolf war eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen, Kritikerinnen und feministischen Denkerinnen der Moderne. Zudem war sie als Verlegerin in ihrem eigenen Verlag, der Hogarth Press tätig. Zu ihren Werken gehören "Mrs Dalloway" (1925), "Zum Leuchtturm" ("To the Lighthouse", 1927), "Orlando" (1928) und "Die Wellen" ("The Waves", 1931). Ihre feministischen Essays "Ein Zimmer für sich allein" ("A Room of One´s Own", 1929) und "Drei Guineen" ("Three Guineas", 1938) wurden im Zuge der Neuen Frauenbewegung der siebziger Jahre neu entdeckt.

Virginia Woolf Society of Great Britain: www.virginiawoolfsociety.co.uk


Susanne Kuhlendahl
Virginia Woolf

Knesebeck-Verlag, erschienen am 22. September 2021
128 S., gebunden
ISBN 978-3-95728-488-4
Euro 25,00
Zum Buch: www.knesebeck-verlag.de


AVIVA-Berlin verlost 2 Bücher. Bitte senden Sie uns dazu den AVIVA-Tipp aus unserer Rezension von Virginia Woolf - Freiheit ist erst der Anfang. Gedanken zum Selbstvertrauen bis zum 31.01.2022 per Email an: info@aviva-berlin.de


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