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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 22.07.2017

AVIVA-Berlin befragt Barbara Rohm vom Vorstand Pro Quote Regie zur Studie Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland
Yvonne de Andrés

Es gibt eine Schieflage vor und hinter der Kamera. Das Netzwerk Pro Quote Regie fordert anlässlich der Ergebnisse der Studie eine Diversitätsoffensive in TV und Kino. Nur so kann die deutliche Unterrepräsentierung von Frauen und gegen Stereotypen in TV und Kino angegangen werden.



Die Studie "Audiovisuelle Diversit√§t? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland" von Prof. Dr. Elisabeth Prommer, im Juli 2017 von der Schauspielerin Dr. Maria Furtw√§ngler in der Akademie der K√ľnste vorgestellt, konstatiert, wie erschreckend unterrepr√§sentiert Frauen im deutschen Film und Fernsehen sind.

Untersucht wurde das gesamte fiktionale und nonfiktionale Programm von 21 Sendern, u.a. der ARD, ZDF, RTL und ProSieben. Die Branche, so Barbara Rohm von Pro Quote Regie, ist per se "frauenfeindlich". Heute muss frau die n√ľchterne Frage stellen, wodurch die strukturelle Benachteiligung und Dauerberieselung mit stereotypen Klischeebildern in einer Gesellschaft verursacht wird und diese ver√§ndert werden kann.

Zu folgenden Ergebnissen kommt die Studie: Frauen bis Mitte 30 kommen gleich oft vor wie M√§nner. Ab Mitte 30 verschlechtert sich die Relation und auf 1:2 zu Gunsten der M√§nner. Ab 50 Jahren reduziert sich das Verh√§ltnis auf eine Frau drei M√§nner. Dieser Schwund findet in allen Sendern und √ľber alle Formate und Genres statt. Schade, dass dies nicht f√ľr die jeweiligen Sender aufgeschl√ľsselt wurde. Nichts anderes gilt f√ľr den Kinofilm. Auch jenseits des Fiktionalen, bei den ModeratorInnen, SprecherInnen, ExpertInnen pr√§dominieren M√§nner auf den Bildschirmen. M√§nner erkl√§ren mehrheitlich die Welt in Gameshows oder im Kinderprogramm. Interessant d√ľrfte auch die unterschiedliche Relation der Geschlechterdarstellung nach Sendern sein.

Dazu hat AVIVA-Berlin Barbara Rohm vom Vorstand Pro Quote Regie befragt:Was fanden Sie an der Studie "Audiovisuelle Diversit√§t" besonders bemerkenswert? Was war neu f√ľr Sie?

Barbara Rohm: Mich hat nicht der Inhalt der Studie √ľberrascht, der aufmerksamen Zuschauerinnen und Zuschauern kaum verborgen bleiben kann. Das gro√üe Erstaunen der Verantwortlichen √ľber das Offensichtliche ist bemerkenswert. Es zeigt, wie l√§ngst √ľberf√§llig der Dialog √ľber die Inhalte und die Pr√§senz der verschiedenen Geschlechter in den Medien ist.

AVIVA-Berlin: Viele umfangreiche Studien beschreiben die ungleiche Geschlechterverteilung. Die Ermittlungen der Ist-Zustände finden regelmäßig mit mehr oder weniger öffentlicher Resonanz statt, auch Monitoringprozesse gab es bereits. Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Barbara Rohm: Zahlen haben wir jetzt genug und jede Studie ist nur so gut wie die Ma√ünahmen, die daraus resultieren und eine Umsetzung finden. Ich bin √ľberzeugt, dass sich ohne eine verbindliche Quote f√ľr Frauen in den kreativen Schl√ľsselpositionen hinter der Kamera langfristig auch vor der Kamera nichts √§ndern wird. Begleitet werden muss die Quote z.B. von einem kontinuierlichen Gendermonitoring und zwar √ľberall da wo es um √∂ffentliche Gelder geht. Also bei √∂ffentlich rechtlichen Sendern und der Filmf√∂rderung. Nur so kann √ľberpr√ľft werden, ob es eine Ver√§nderung gibt oder die Situation stagniert. Damit Ver√§nderung stattfinden kann, brauchen wir zudem verbindliche Change- und Genderseminare f√ľr EntscheiderInnen in den Sendern und Filmf√∂rderanstalten. Hinter der Kamera machen sie stereotype Wahrnehmungskriterien bei der Beurteilung von Projekten und Personen sichtbar. Und vor der Kamera helfen sie, die Reproduktion von Geschlechterstereotypen sichtbar zu machen und zu vermeiden, damit mehr Lebenswirklichkeit in der ganzen Vielfalt und Diversit√§t abgebildet wird.

Am Montag, dem 17. Juli 2017 kam es beim "vorerst letzten Treffen" des Runden Tisches zur Studie "Frauen in Kultur und Medien. Ein √úberblick √ľber aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und L√∂sungsvorschl√§ge" von Kulturstaatsministerin Monika Gr√ľtters zu √§hnlichen Ergebnissen. Die vom Deutschen Kulturrat durchgef√ľhrte Studie hat die eklatante Schieflage bei Besch√§ftigung und Bezahlung von Frauen im Kulturbetrieb best√§tigt. Sechs Arbeitsgruppen (Bildende Kunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst, Film- und Medienkunst, Presse und Rundfunk) haben dazu Teilnehmerinnen des Runden Tisches in den vergangenen Monaten einen Forderungskatalog auf mittlerer und langfristiger Ebene zusammengetragen. Diese wurden der Kanzlerin √ľbergeben. Zum Abschluss des Runden Tisches fordert der Deutsche Kulturrat jetzt u.a. die geschlechtergerechte Besetzung von Gremien und Jurys zur Vergabe von Preisen und Auszeichnungen. Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Die Unterst√ľtzung der "Berliner Erkl√§rung" im Bereich der Kultur- und Kreativwirtschaft k√∂nnte dabei helfen dieses Ziel z√ľgiger zu erreichen.

Mehr Informationen unter:

Pro Quote Regie: www.proquote-regie.de und www.facebook.com/proquoteregie

www.berlinererklaerung.de

Die Studie "Audiovisuelle Diversität? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland" von Prof. Dr. Elizabeth Prommer, Dr. Christine Linke der Universität Rostock ist als Kurzbericht online unter: www.imf.uni-rostock.de

GENDER UND FILM - Rahmenbedingungen und Ursachen der Geschlechterverteilung von Filmschaffenden in Schl√ľsselpositionen in Deutschland der FFA Filmf√∂rderungsanstalt: www.ffa.de

Gender und Fernsehfilm www.ard.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

SchspIN - Gedanken einer Schauspielerin.Belinde Ruth Stieve im Interview mit AVIVA-Berlin
√úberholte Rollenbilder in Film und TV. Die Studie "Audiovisuelle Diversit√§t? Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland", initiiert von Dr. Maria Furtw√§ngler, hat f√ľr viel Aufmerksamkeit gesorgt. AVIVA-Berlin sprach dar√ľber mit Belinde Ruth Stieve, Schauspielerin und Bloggerin, die sich seit vielen Jahren mit dem Thema besch√§ftigt. (2017)

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Frauen in Kultur und Medien. Ein √úberblick √ľber aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und L√∂sungsvorschl√§ge. Ein Beitrag von Dr. Valeska Henze, B√ľcherFrauen e.V.
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Online-Petition FairPay - Berliner Erkl√§rung f√ľr Gleichheit auf dem Gehaltszettel
F√ľr Lohngerechtigkeit und Entgeltgleichheit an 365 Tagen im Jahr. Unterst√ľtzen Sie die Initiatorinnen des FairPay-B√ľndnisses mit Ihrer Unterschrift. FairPlay ist FairPay! (2016)

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Interviews Beitrag vom 22.07.2017 Yvonne de Andr√©s 





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