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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 06.09.2012

Tomboy - Ein Film von Céline Sciamma. Ab 14. September auf DVD und Blu-ray
Marie Heidingsfelder

Coming of Age als Coming of Gender - In ihrem sensiblen Film erzählt die französische Regisseurin von der 10-Jährigen Laure und ihrer Verwandlung in den Jungen Michael. Ein wunderbar leichter...



... Sommer, in dessen Schatten immer wieder der Ernst im Spiel mit den Identitäten lauert.

Noch einmal ganz neu beginnen

Diese Chance ergreift die 10-J√§hrige Laure, als sie zu Beginn der Sommerferien mit ihrer Familie in eine neue Stadt zieht und sich ihren neuen FreundInnen aus einem Impuls heraus als "Michael" vorstellt. Im pl√∂tzlichen Freiraum vor dem Schulbeginn und den Ver√§nderungen der Pubert√§t nutzt Laure die Sorglosigkeit der Ferien f√ľr ein spannendes Wechselspiel: Zuhause noch immer Tochter und gro√üe Schwester, probiert sie im Spiel mit den anderen Kindern ihre M√∂glichkeiten als Raufbold, Fu√üballheld und M√§dchenschwarm.
Mit erstaunlichem Mut, Kraft und Erfindungsreichtum gelingt es ihr, nur ihre Schwester in das intime Rollenspiel einzuweihen. Doch im Schatten der k√ľrzer werdenden Tage lauern die Namenslisten der Schule und das Ende der k√∂rperlichen Kindheit.

Hintergr√ľndige Leichtigkeit

Mit gro√üer Sensibilit√§t und Nat√ľrlichkeit gelingt es C√©line Sciamma, ein noch immer mit Verboten behaftetes Thema zu behandeln: Transgender-Identit√§ten von Kindern und Jugendlichen. Tats√§chlich setzen die Tabus h√§ufig sogar schon fr√ľher an, bei der blo√üen Anerkennung einer Sexualit√§t von Kindern, denen man zwar von Geburt an rosa oder blau gef√§rbte Rollenbilder vorgibt, aber weder echte Konflikte noch tats√§chliches Begehren zuspricht. Mit dem Titel "Tomboy" greift C√©line Sciamma dieses Problem auf und zeigt ein M√§dchen, das sich aus einem inneren Impuls heraus wie ein Junge kleidet, f√ľhlt und benimmt - sei es als Phase oder als Anzeichen einer tats√§chlichen Heimatlosigkeit im eigenen K√∂rper.
Das √ľber weite Teile gl√ľckliche und sorglose Spiel von Laure alias Michael erweist sich somit als Hintergrund f√ľr die sehr ernste Frage, wie viel geschlechtliche Autonomie die Gesellschaft Kindern zugesteht und wo die Grenzen zwischen Verkleidungsspiel und radikalen Identit√§tskonflikt liegen.

Auf Augenhöhe

Die gelungene Ambivalenz zwischen Leichtigkeit und Schwere ist dabei - abgesehen von der herausragenden Leistung von Zo√© Hernan - besonders der sensiblen Kameraf√ľhrung zu verdanken, die sich immer auf Augenh√∂he der Kinder bewegt und ihrer Protagonistin viel Zeit und Raum l√§sst. Fast ohne Musik und mit wenig Dialogen erhalten die ZuschauerInnen einen sehr intimen Blick auf den Alltag von Laure und Michael: Die Momente vor dem Spiegel, die toten Zeiten der Langeweile, den Umgang in der Familie und die Selbst-Inszenierung vor den anderen Kindern.
So sind die ZuschauerInnen aus der Sicherheit der kritischen Beobachtung gerissen und werden zu intimen Verb√ľndeten von Laure - st√§ndig in Angst, mit einem St√ľck Knete in der Badehose ertappt zu werden.

Aktueller Fall in Berlin: Der Streit um die 11-Jährige Alex

Die gesellschaftliche Relevanz von C√©line Sciammas Filmthema wird deutlich, wenn mensch die aktuelle Debatte um die Psychiatrie-Einweisung einer Elfj√§hrigen betrachtet. Mit den biologischen Merkmalen eines Jungen geboren, f√ľhlte Alexander sich von Beginn an als M√§dchen. Da die geschiedenen Eltern unterschiedlicher Auffassung √ľber den Umgang mit der Sexualit√§t ihres Kindes waren, √ľbergaben sie die gesundheitliche F√ľrsorge an das Jugendamt - und das gab der Einsch√§tzung einer Pflegerin Recht, wonach die Mutter die Transsexualit√§t induziert habe. Ohne psychiatrisches Gutachten kann Alex daher in die Charit√© zwangseingewiesen werden, wo es Chefarzt Klaus Beier darum geht, Alex sein "biologisches" Geschlecht nahe zu bringen und "geschlechtsatypisches Verhalten" zu "unterbinden".

Zur Regisseurin: C√©line Sciamma wurde 1980 in Pontoise geboren und ist studierte Drehbuchautorin. Ihr Deb√ľt als Regisseurin gab sie 2007 mit der Verfilmung ihrer Abschlussarbeit, der lesbischen Coming Out Story "Naissance des pieuvres" (Deutsch: "Water Lilies"). Mit "Tomboy" erschien 2011 ihr zweiter Film, wiederum in der Doppelrolle als Autorin und Regisseurin.

AVIVA-Tipp: Weitab vom Genre des Kinderfilms ist Tomboy ein sensibles und ebenso leichtes wie ernstes Coming Of Age Drama mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Cineastisch und inhaltlich √ľberzeugend lief er nicht nur erfolgreich im franz√∂sischen und italienischen Kino, sondern gewann auch zu Recht den Teddy-Award der Berlinale 2012. Kraftvoll, eindringlich und absolut sehenswert.

Tomboy
Frankreich, 2011
Regie und Drehbuch: Céline Sciamma
Kamera: Crystel Fournier
DarstellerInnen: Zoé Heran, Malonn Lévana, Jeanne Disson, Sophie Cattani, Mathieu Demy, Yohan Véro, Noah Véro, Cheyenne Lainé, Ryan Boubekri
Sprachen: Deutsch, Französisch. Untertitel: Deutsch
Verleih: Alamode. Vertrieb: Al!ve
Ab 14. September auf DVD und Blu-ray

EXTRAS: Interview mit Céline Sciamma, Trailer
Filmlänge: 82 Min. / 85 Min.
FSK: 12
Bestell-Nr.: 6413442, 6413443
EAN: 4042564134421, 4042564134438

www.tomboy-film.de

Den Trailer zum Film finden Sie unter: www.youtube.com

Weiterlesen auf AVIVA Berlin:

Interview mit Céline Sciamma

"Water Lilies", Céline Sciammas Debutfilm


Mehr zum Thema:

Eine Unterschriftenkampagne der britischen Transsexuellen-Aktivistin Katrina Swales f√ľr Alex¬ī Selbstbestimmung finden Sie unter:
Stop the institutionalization

Den ausf√ľhrlichen Artikel "Alex soll in die Psychiatrie" der taz finden Sie unter: www.taz.de


Kultur Beitrag vom 06.09.2012 Marie Heidingsfelder 





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