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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.07.2016

Maggies Plan - Buch und Regie von Rebecca Miller. Kinostart: 4. August 2016
Helga Egetenmeier

Maggie ist Mitte Drei├čig und f├╝hlt sich bereit f├╝r ein Kind, doch eine dazu passende Beziehung ist nicht in Sicht. So steigt Rebecca Miller ein in ihre, mit drei gro├čartigen Schauspielerinnen...



...besetzte New York-Kom├Âdie. Nach dem Erfolg mit "Pippa Lee", der 2009 au├čer Konkurrenz im Wettbewerb der Berlinale lief, war Miller mit Maggies Plan im Panorama der Berlinale 2016 zu sehen.

Starke Frauen vor und hinter der Kamera

Mit Greta Gerwig als Maggie und Julianne Moore als Georgette hat Regisseurin Rebecca Miller f├╝r ihre beiden Hauptcharaktere zwei gro├čartige Schauspielerinnen in ihrem auch sonst gut besetzten Cast. Maggie, Mitte Drei├čig, mit einer Karriere in der Univerwaltung, will Mutter werden. Georgette, gut zwanzig Jahre ├Ąlter, erfolgreiche Akademikerin, hat bereits zwei Kinder, und dazu einen Mann, dem sie die Familienarbeit ├╝berl├Ąsst.

In "Pippa Lee", ihrer letzten Regiearbeit aus dem Jahr 2009, zeichnete Rebecca Miller den Lebensweg einer ungew├Âhnlichen Frau durch Reflektionen auf deren Vergangenheit nach. In "Maggies Plan" bleibt sie ganz im Heute und l├Ąsst die zwei Frauen um ihre allt├Ąglichen Probleme kreisen. So leben Maggie und Georgette durch ihren Beruf, ihre Kinder und ihre FreundInnen im Hier und Jetzt des winterlichen New York.

Mit Greta Gerwig besetzte die Regisseurin einen gefeierten Independent-Star, der 2012 in "Frances Ha" als Hauptdarstellerin brillierte. Aus der unabh├Ąngigen Filmbewegung "Mumblecore" kommend, schreibt Gerwig auch Drehb├╝cher und arbeitet als Regisseurin. Zu Julianne Moore, die ihre Vielseitigkeit als Schauspielerin zuletzt in "Freeheld - Jede Liebe ist gleich" und "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern" wieder einmal unter Beweis stellte, sei hier nur erw├Ąhnt, dass sie bereits als Nebenfigur "Maude" in dem Kultfilm "Big Lebowski" von 1998 eine Schwangerschaft ohne Partner plante.

Die romantische Zweierbeziehung in der Screwball-Kom├Âdie

Die Screwball-Kom├Âdie hatte ihren H├Âhepunkt in der 30er und 40er Jahren mit Regisseuren wie Howard Hawks und Filmen wie "Leoparden k├╝sst man nicht", bei dem Katharine Hepburn und Cary Grant wortgewandt die Hauptrollen spielten. Diese Form der Beziehungskom├Âdie zwischen Slapstick und Romantik, einem gleichberechtigten Agieren von Frauen und M├Ąnnern, verbunden mit einem Happy-End, fand, neben einem gro├čen Publikum, auch in neuer Zeit wieder LiebhaberInnen bei diversen RegisseurInnen, besonders bekannt daf├╝r ist Woody Allen. Auch "Maggies Plan" orientiert sich an diesen Vorgaben und bekam daf├╝r das Label Neo-Screwball-Kom├Âdie.

Miller kreiert f├╝r ihre Verstrickungen drei freundliche, emotional ungleiche Charaktere, deren Beziehungen zueinander sie im Laufe der Zeit hin und her wechseln l├Ąsst. Das Leben aller Beteiligter ├Ąndert sich, als Maggie, die gerade die Samenspende eines fr├╝heren Verehrers anwendet, trotzdem f├╝r John die Wohnungst├╝r ├Âffnet. Sie hatte John (Ethan Hawke), den verkannten Schriftsteller und Mann von Georgette, bereits einige Zeit vorher durch ihren Job an der Uni kennengelernt. Als hilfsbereite Single lektorierte sie seinen Romanentwurf und h├Ârte sich die Geschichte seiner verkorksten Ehe an. Dies f├╝hrte dann zu diesem abendlichen Besuch, der unweigerlich in einem Ausbruch der Leidenschaft samt Sex endete.

Dann spult der Film vor, drei Jahre sind vergangen, Maggie hat mit Lily eine kleine Tochter und ist mit John verheiratet. Sie plant den Ausstieg aus ihrer lahmen Ehe. Denn John zeigt nur noch Interesse f├╝r seine zuk├╝nftige Schriftstellerkarriere und so ├╝bernimmt Maggie auch noch seinen Anteil der Kinderversorgung aus seiner vorheriger Ehe. Als sie zuf├Ąllig Georgette n├Ąher kennenlernt, gesteht ihr diese ihre gro├če Liebe zu John und so entwerfen sie gemeinsam eine Strategie, um ihn wieder zu ihr zur├╝ckzubringen. Damit tritt Julianne Moore als elegante, exzentrische d├Ąnische Akademikerin in den Vordergrund und gibt das Gegenst├╝ck zur leisen, zuh├Ârenden Maggie mit ihrem Planungswahn.

Kommunikation unter AkademikerInnen

Diese drei AkademikerInnen, sehr kommunikativ im Job, wie auch im Alltag, durchaus progressiv in ihren Einstellungen und sp├Ąter im stillen Einvernehmen als Patchwork-Familie lebend, schaffen es dennoch nicht, offen ├╝ber ihre intimen Gef├╝hle zu reden, geschweige denn, einander zuzuh├Âren. Gespr├Ąche ├╝ber alternative Lebensformen, wie dies in Vinterbergs 70er Jahre-Drama "Die Kommune" vorkommt, sind ihnen fern und waren auch f├╝r Maggies anf├Ąnglichen Kinderplan kein Thema, indem sie sich nur als gl├╝ckliche alleinerziehende Mutter sah.

Es kommt, wie es kommen muss und John gesteht Maggie zerknirscht seinen Bruch des monogamen Ehegebots. Als Maggie jedoch ihre Freude dar├╝ber kaum verbergen kann, kommt er langsam hinter die Zusammenarbeit der beiden Frauen. Hier eilt der Film leider bereits seinem Ende zu und h├Ątte doch noch ein paar spritzige Dialoge, samt Irrungen und Wirrungen zwischen Begehren, Liebe und Loyalit├Ąt vertragen.

AVIVA-Tipp: Eine unterhaltsame, leichte Screwball-Kom├Âdie, die auch ├╝ber ihre hervorragende Besetzung an Attraktivit├Ąt gewinnt. Im Spiegel herk├Âmmlicher Zweierbeziehungen bleibend, werden diese zwar immer wieder in Frage gestellt, schweben aber letztendlich doch als romantisches Ideal ├╝ber den etwas biederen Charakteren.

Zur Regisseurin: Rebecca Miller, 1962 als Tochter der Fotografin Inge Morath und des Schriftstellers Arthur Miller in Roxbury, Connecticut, geboren, arbeitet auch als Bildhauerin, Schriftstellerin und Malerin. Ihre Karriere als Schauspielerin begann sie 1989 mit dem Spielfilm "Georg Elser - Einer aus Deutschland" unter der Regie von Klaus Maria Brandauer. Sie f├╝hrte bis heute bei f├╝nf Spielfilmen Regie und schrieb dazu das Drehbuch, wie auch f├╝r "Pippa Lee" (2009) mit Robin Wright in der Hauptrolle.

Hauptdarstellerin Greta Gerwig, 1983 in Kalifornien geboren, arbeitet als Drehbuchautorin, Filmregisseurin und Schauspielerin. Neben dem Studium der Philosophie und Englisch begann sie Theaterst├╝cke zu schreiben und schloss sich der US-Amerikanischen Mumblecore-Bewegung an, die einen eigenen Filmstil pr├Ągte. Dort gab sie mit der Tragikom├Âdie "LOL" 2006 ihr Spielfilmdeb├╝t und war auf der Berlinale 2010 in dem Independentfilm "Greenberg" zu sehen. Gefeiert wurde sie 2012 f├╝r ihre Hauptrolle im Film "Frances Ha", f├╝r den sie auch als Co-Autorin schrieb, im gleichen Jahr spielte sie f├╝r Woody Allen in "To Rome with Love".

Julianne Moore, 1960 in North Carolina geboren, wirkte bereits in mehr als sechzig Filmen mit und spielt auch Theater. Sie wurde bereits f├╝nf Mal f├╝r den Oscar nominiert und erhielt ihn 2015 erstmals als Beste Hauptdarstellerin f├╝r "Still Alice - Mein Leben ohne Gestern". F├╝r "Freeheld - jede Liebe ist gleich" stand sie 2015 mit Ellen Page vor der Kamera, mit Rebecca Miller arbeitete sie in einer Nebenrolle in "Pippa Lee" bereits zusammen.

Rachael Horovitz, Produzentin, 1961 geboren als Tochter des Drehbuchautoren Israel Horovitz und der Malerin Doris Keefe, war ├╝ber viele Jahre als leitende Produktionsmanagerin t├Ątig und gewann als Produzentin mit ihren Filmen mehrere Auszeichnungen. Ihr Bruder Adam Horovitz, Gitarrist der Beastie Boys, ist f├╝r die Musikgestaltung von "Maggies Plan" verantwortlich.

Sabine Hoffmann, Schnitt, ist seit ├╝ber zwanzig Jahren Cutterin f├╝r Independent-Spielfilme, hat in Berlin Philosophie und Theaterwissenschaften studiert. Nun lebt und arbeitet sie in New York und ist auch als Story-Beraterin und Lehrbeauftragte an der Columbia University t├Ątig. F├╝r Rebecca Miller ist sie auch f├╝r den Schnitt bei "Pippa Lee" verantwortlich.

(Quelle: Verleihinformationen)

Maggies Plan
USA / UK 2015
Buch und Regie: Rebecca Miller
DarstellerInnen: Greta Gerwig, Julianne Moore, Ethan Hawke, Maya Rudolph, u.a.
Verleih: MFA
Laufl├Ąnge: 98 Minuten
Kinostart: 04.08.2016

Mehr Infos zum Film und der Trailer unter:
maggiesplan.mfa-film.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Freeheld. Jede Liebe ist gleich. Die Liebesgeschichte mit Julianne Moore und Ellen Page basiert auf einer wahren Geschichte. Die an Krebs erkrankte Polizistin Laurel Hester wird zur politischen Aktivistin, als ihrer Lebensgef├Ąhrtin Stacie Andree der Anspruch auf Hinterbliebenenversorgung verwehrt wird. (2016)

Still Alice - Mein Leben ohne Gestern. Dass die Hauptdarstellerin Julianne Moore hei├čt, ist fast ein Garant daf├╝r, dass dieser Film unter die Haut geht. Denn Moore verk├Ârpert ihre Rollen so eindringlich wie kaum eine andere. In diesem Fall sorgt au├čerdem das Thema daf├╝r, dass niemand den Kinosaal unger├╝hrt verl├Ąsst. (2015)

Pippa Lee - Ein Film von Rebecca Miller. Nach ihrem Bestseller "The private lives of Pippa Lee" hat Autorin Rebecca Miller das Drehbuch zum Film verfasst und dabei Regie gef├╝hrt. Mit einem hochkar├Ątigen Ensemble in schrulligen Nebenrollen, hat sie die Geschichte einer Frau inszeniert, die auf ihr fast ganz normales Leben zur├╝ckblickt. In "Pippa Lee" beweist Robin Wright Penn Hollywood wieder einmal, wie attraktiv eine Schauspielerin sein kann, wenn sie die 40 ├╝berschritten hat. (2010)

Als sie seine Schuhe sah, wusste sie, dass sie ihren Mann verlassen w├╝rde ÔÇô Erz├Ąhlungen von Rebecca Miller. Rebecca Miller, Tochter des ber├╝hmten amerikanischen Dramatikers Arthur Miller und der bekannten Fotografin Inge Morath, ist mit ihrem literarischen Erstlingswerk "Als sie seine Schuhe sah, wusste sie, dass sie ihren Mann verlassen w├╝rde" (Originaltitel: "Personal Velocity") aus dem Schatten ihres Vaters herausgetreten. (2002)

Kultur Beitrag vom 29.07.2016 Helga Egetenmeier 





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