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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 07.12.2009

Der weisse Rabe - Max Mannheimer. Ein Film von Carolin Otto
Sunna Krause-Leipoldt

Die Shoa forderte die Leben von mehr als 6 Millionen Menschen. In ihrem Portraitfilm begleitet Carolin Otto einen ├ťberlebenden von Auschwitz bei seinem Bem├╝hen, die Erinnerung an diese...



... schreckliche Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die bei der Wannseekonferenz 1942 beschlossene "Endl├Âsung der Judenfrage" markiert den Beginn eines Verbrechens von so unfassbarer Grausamkeit, dass es zuweilen als S├╝ndenfall der menschlichen Zivilisation bezeichnet wird. Massenmorde an Bev├Âlkerungen oder bestimmten Ethnien waren zu diesem Zeitpunkt nichts Neues. Doch die m├Ârderische Perfektionierung im Zusammenspiel von technologischer Entwicklung und akribischer, b├╝rokratischer Organisation, welche zur industriellen Vernichtung menschlichen Lebens f├╝hrte, war und ist bis heute ohne Beispiel.

99728 lautet die H├Ąftlingsnummer, die der damals 23-j├Ąhrige Max Mannheimer erhielt, als er 1943 mit Eltern, Geschwistern und seiner Ehefrau aus Theresienstadt nach Auschwitz-Birkenau verlegt wurde. Vermutlich waren bereits am Abend des ersten Tages nur noch er selbst und seine drei Br├╝der am Leben, da sie als Arbeitskr├Ąfte eingesetzt werden sollten. Bis zur Befreiung durch amerikanische Truppen 1945 ├╝berlebten lediglich er selbst und sein j├╝ngerer Bruder Edgar.

Als die Filmproduzentin Carolin Otto 1988 auf dem Parkplatz von Dachau ihre EC-Karte verlor und Max Mannheimer sie fand, kam es zu ihrer ersten Begegnung. Es entstand eine Freundschaft. Gemeinsam drehten sie drei Dokumentationen, von denen "Der weisse Rabe", die neueste Produktion ist. Die Urauff├╝hrung fand im Juli 2009 im Rahmen des Filmfest M├╝nchen statt.

Der Portraitfilm besteht aus, ├╝ber mehrere Jahre hinweg zusammengetragenem Material, von Vortragsreisen und Exkursionen und aus Aufnahmen aus dem Privatleben von Max Mannheimer. Ausschnitte von seiner ersten Wiederbegegnung mit Auschwitz 1991 sind ebenso Teil der Produktion wie humorvolle Momente. Einem befreundeten Schriftsteller versucht er zum Beispiel zu beweisen, dass er zu jedem beliebigen Stichwort einen Witz kennt. Es gibt jedoch auch immer wieder Augenblicke des Erinnerns, in denen der ├ťberlebende des Holocausts zum Vorschein kommt, der von seinen Gef├╝hlen ├╝berw├Ąltigt wird. Aus diesen verschiedenen Mitschnitten entsteht das Bild eines Menschen, der versucht, mit dem Geschehenen umzugehen und gelernt hat, weiterzuleben.

Die Dokumentation wurde mit sehr einfachen Mitteln produziert und einzelne Szenen wirken zun├Ąchst ├╝berfl├╝ssig, wie zum Beispiel eine Aufnahme von Max Mannheimer beim Lesen einer Zeitung im Zug. Doch gerade die amateurhaft erscheinende Zusammenstellung des Filmmaterials erzeugt eine Authentizit├Ąt und N├Ąhe, die gr├Â├čeren Produktionen fehlt. Diese versuchen meist, den Holocaust als Ganzes zu erfassen und lassen ├ťberlebende lediglich in kurzen Einsch├╝ben als ZeitzeugInnen zu Wort kommen.

Carolin Otto hat mit der Fokussierung ihrer Arbeit auf das Einzelschicksal von Max Mannheimer einen anderen Ansatz gew├Ąhlt. Sie fragt nicht nach detaillierten geschichtlichen Daten, sondern zeigt den ZuschauerInnen, wie ein Leben nach der Shoa aussehen kann und wie ein Mensch mit derart grausamen Erinnerungen trotzdem weiter machen kann.

AVIVA-Tipp: Max Mannheimer erz├Ąhlt, schreibt und malt f├╝r sich selbst und gegen das Vergessen. Seine Biografie ist der unwiderlegbare Beweis f├╝r ein Verbrechen, das manche auch heute noch zu leugnen versuchen. Carolin Otto hat mit ihrer Dokumentation einen sehr pers├Ânlichen Zugang zum Thema Holocaust gefunden. Die ZuschauerInnen nehmen teil an traurigen und fr├Âhlichen Momenten aus einem "Leben nach dem ├ťberleben" und erfahren so ein Gef├╝hl f├╝r die Realit├Ąt der Shoa, wie es blo├če Fakten nicht vermitteln k├Ânnten.


Der weisse Rabe ÔÇô Max Mannheimer
Deutschland 2009
Drehbuch, Regie und Produktion: Carolin Otto
DarstellerInnen: Max Mannheimer, Schwester Elija Bossler, Eva Faessler, Ernst Mannheimer, Ota Filip, Nobuya Otomo u.v.a.
Kamera: Carolin Otto, Rainer Hartmann und Ulrich Gambke
Musik: Dieter Schleip
L├Ąnge: 82 Minuten
FSK: ab sechs Jahren
Verleih: Barnsteiner-Film
Kinostart: 10. Dezember 2009

Mehr zum Film: www.barnsteiner-film.de

Zur Regisseurin: Carolin Otto, 1962 in Hamburg geboren, studierte Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universit├Ąt in M├╝nchen und arbeitete nebenher als freie Journalistin. Ab 1995 begann sie als freie Drehbuchautorin und Regisseurin t├Ątig zu sein. Carolin Otto lehrte an der Hochschule f├╝r Fernsehen und Film in M├╝nchen, dem Drehbuchlabor in Wien und an der Internationalen Filmschule in K├Âln. Sie ist Mitglied des Verbands der deutschen Drehbuchautoren und seit 2007 in dessen Vorstand.
(Quelle: Barnsteiner-Film)
Die Autorin im Netz: www.carolinotto.de


Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Endstation Seeshaupt - der Todeszug von 1945. Ab 25.4.2013 auf DVD

"Menachem und Fred" Ein Film von Ofra Tevet und Ronit Kertsner.

"Beim Gehen entsteht der Weg" von Hanna Mandel.

"Gerdas Schweigen. Die Geschichte einer ├ťberlebenden" von Knut Elstermann.

"Gr├╝├če und K├╝sse an alle - Anne Franks Familiengeschichte in Briefen" von Mirjam Pressler.

"Mich hat man vergessen" von Eva Erben.

"Geschichte meines Lebens" von Aharon Appelfeld.

"Vienna┬┤s Lost Daughters" ein Dokumentarfilm von Mirjam Unger.

"J├╝dische Berliner - Leben nach der Schoa" von Ulrich Eckhardt und Andreas Nachama.

"Bewegtes Schweigen" von Lies Auerbach-Polak und Betty Bausch-Polak.






Kultur Beitrag vom 07.12.2009 AVIVA-Redaktion 





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