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AVIVA-BERLIN.de im Mai 2018 - Beitrag vom 05.05.2010

Ayla
Katharina Liese

Regisseur Su Turhan thematisiert in seinem beeindruckenden Leinwanddeb├╝t, in dem das emanzipierte Leben der jungen, unabh├Ąngigen Deutscht├╝rkin Ayla im Fokus steht, die Zerrissenheit zwischen...



...den beiden Kulturen.

Nach dem Drama Die Fremde von Feo Aladag erscheint im Mai 2010 der Kinofilm "Ayla" des deutsch-t├╝rkischen Regisseurs Su Turhan, der ebenfalls das Thema Ehrenmord in der Parallelgesellschaft aufgreift.

Ayla (Pegah Ferydoni) ist eine emanzipierte Frau, die ein selbstbestimmtes Leben f├╝hrt. Sie lebt in M├╝nchen in ihrer eigenen Wohnung und ist nicht verheiratet. Ein Szenario, das auf den ersten Blick normal scheinen mag. Doch Ayla ist eine Deutscht├╝rkin, die aus einer konservativen Familie stammt. Ihr Vater (Baris Sezer) hat aufgrund ihrer westlichen Wertvorstellungen mit ihr gebrochen.

Tags├╝ber arbeitet sie als Erzieherin in einem Kindergarten und abends jobbt sie als Garderobiere in einem Nachtclub. In den Augen ihres Vaters bringt sie durch ihr rebellisches Verhalten entgegen alter Traditionen Schande ├╝ber die t├╝rkische Familie.

Eines Tages trifft Ayla auf den sympathischen Fotografen Ayhan (Mehdi Moinzadeh), der ebenfalls t├╝rkischer Herkunft ist. Auf den ersten Blick verspricht diese Begegnung der Anfang einer gro├čen Liebe zu sein. Doch schnell l├Ąsst sich vermuten, dass die ├╝berholten Ansichten von Ayhans Familie dem Paar Schwierigkeiten bereiten wird. Vor allem sein j├╝ngerer Bruder Mehmet (Timur Isik) ist, was die Familienehre betrifft, ├Ąu├čerst rigoros und kompromisslos. Daher gibt er Ayhan zu verstehen, dass die Familie eine Frau wie Ayla niemals akzeptieren kann.

Zwischen den frisch Verliebten entfacht eine z├Ąrtliche Liebe, die jedoch nicht lange ungetr├╝bt bleibt. Bei der Arbeit lernt Ayla die kleine, eingesch├╝chterte Elif (Mehtap Yurtseven) kennen. Als sich ihre Mutter Hatice (Sesede Terziyan) eines Tages panisch im Kindergarten vor einem Mann versteckt, begreift Ayla was die junge Frau plagt, fackelt nicht lange und versteckt sie bei sich zu Hause.

Denn auch Hatice m├Âchte ein eigenst├Ąndiges Leben f├╝hren und hat ihren Mann in der T├╝rkei verlassen. Doch der streng muslimischen Familie ist die Ehre wichtiger, als die Liebe zu ihrer Tochter. Dem ├Ąltesten Bruder wurde daher auferlegt, die Schwester mit allen Mitteln "zur Vernunft zu bringen" und noch schlimmer: die Familienehre wiederherzustellen.

Ayla muss durch Zufall schmerzlich feststellen, dass es sich bei dem gef├╝rchteten gro├čen Bruder, vor dem Hatice auf der Flucht ist, um keinen Geringeren als Ayhan handelt. Mit ihrem Gerechtigkeitssinn k├Ąmpft Ayla wie eine L├Âwin f├╝r die Unabh├Ąngigkeit und Freiheit Hatices, nimmt den Verlust ihrer gro├čen Liebe in Kauf und lehnt sich somit erneut gegen die patriarchalischen Br├Ąuche auf.

Im Laufe der Handlung wird die innere Unruhe Aylas immer deutlicher, die durch ihre Lebensweise ein gro├čes Opfer bringen musste: sie verlor ihren Vater und damit auch ein St├╝ck Heimat und Geborgenheit. Ayla ist fortw├Ąhrend auf der Suche nach ihrer eigenen Identit├Ąt und man hofft, dass sie letzten Endes zu sich selbst finden wird.

Die ZuschauerInnen sp├╝ren die Zerrissenheit der mutigen Protagonistinnen, die einen Kampf zwischen den Kulturen ausfechten. Der althergebrachten Tradition stehen in Form von starken Frauenfiguren Mut und Selbstbestimmung gegen├╝ber. Durch das immer wiederkehrende Motiv von Stra├čenbahnschienen wird jedoch die Ausweglosigkeit zum Ausdruck gebracht, die mit der verfahrenen Situation einhergeht.

Wird der sensible Ayhan, der als ├Ąltester Bruder von der Familie geh├Ârig unter Druck gesetzt wird, es ├╝ber`s Herz bringen den Mord an seiner Schwester zu begehen, um die Familienehre wieder herzustellen?

In einer spannenden Erz├Ąhlung bringt der Regisseur Su Turhan mit seinem Spielfilmdeb├╝t eine ernste Thematik auf die Leinwand, die bis zur letzten Sekunde fesselt. Die Schauspielerin Pegah Ferydoni, die unter anderem in der TV-Serie "T├╝rkisch f├╝r Anf├Ąnger" und im Kinofilm "Zweiohrk├╝ken" mitspielte, brilliert in ihrer ersten Kinohauptrolle. Wie Su Turhan in einem Interview erz├Ąhlte, habe sie beim Casting zum Film eine klare Favoritin Turhans regelrecht an die Wand gespielt. Davon ist die Zuschauerin ├╝berzeugt, wenn sie sieht, wie authentisch Ferydoni die durch ihren unb├Ąndigen Willen gesteuerte, moderne Frau verk├Ârpert.

AVIVA-Tipp: "Ayla" ist ein eindrucksvolles Drama, das unter die Haut geht. Es greift die zeitgem├Ą├če Problematik der Zerrissenheit zwischen den Kulturen auf und beleuchtet dabei auf spannende Weise alle Blickwinkel der Beteiligten. Es werden zwar viele Klischees aufgezeigt, die jedoch leider auch in der Realit├Ąt zu oft bedient werden. Daher ist es umso wichtiger, rund um das Thema Ehrenmord und ├╝berholte Traditionen zu diskutieren und mit einem Film dieser Art eine breite ├ľffentlichkeit zu erreichen. Das st├Ąrkste und wirksamste Mittel gegen den grausamen Brauch ist, wie "Ayla" demonstriert, die Liebe - doch leider nicht immer!

Zum Regisseur: Su Turhan kam am 1. Januar 1966 in Istanbul zur Welt. Als er zwei Jahre alt war, wanderte seine Familie nach Deutschland aus. An der LMU M├╝nchen studierte er Neue Deutsche Literaturwissenschaft mit Schwerpunkt Filmphilologie. Von 1995 bis 1999 engagierte er sich als freier Mitarbeiter bei der Taurus Film GmbH (KirchGruppe). Er baute die Abteilung "Deutsche ProduktionÔÇŁ mit auf und betreute internationale Projekte.
Nach dem Kinokurzfilm "Der Schl├╝ssel" (1998) gelang es Su Turhan, den international gefeierten Kameramann Michael Ballhaus f├╝r seinen zweiten Kurzfilm "Gone Underground" (2000) zu begeistern. F├╝r seinen ersten Kinospielfilm "Ayla" (2009) schrieb Su Turhan gemeinsam mit Beatrice Dossi das Drehbuch. Gleichzeitig arbeitete er an dem Drehbuch zur Kom├Âdie "Ali gegen Alle" und adaptierte Verena Wermuths Bestseller "Die verbotene Frau". In Vorbereitung ist derzeit das Projekt "Floating Rita", an dem Su Turhan ebenfalls als Autor und Regisseur beteiligt ist.
(Quelle: Presseinformation)

Ayla
D 2009
85 Minuten
Regie: Su Turhan
Drehbuch: Su Turhan, Beatrice Dossi
DarstellerInnen: Pegah Ferydoni, Mehdi Moinzadeh, Saskia Vester, Timur Isik, T├╝rkiz Talay, Sesede Terziyan, Mehtap Yurtseven, Baris Sezer, Yavuz Asanatucu, Ercan Karacayli, Benedikt H├Âsl, Thomas Honsberg, Thomas Stang
Verleih: Zorro Film GmbH
Kinostart: 6. Mai 2010
Ayla im Netz: www.ayla-film.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Die Fremde, Ein Film von Feo Aladag

Feo Aladag im Interview

Sibel Kekilli im Interview

Kultur Beitrag vom 05.05.2010 AVIVA-Redaktion 





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