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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 29.06.2010

Mahler auf der Couch - Ein Film von Percy und Felix Adlon
Undine Zimmer

Zum 150. Geburtstag Gustav Mahlers bekommt er einen Film ├╝ber seine Ehe mit der 19 Jahre j├╝ngeren Alma Schindler geschenkt. Der eigenbr├Âtlerische geniale Komponist und die junge flatterhafte...



... K├╝nstlermuse - ob das gut gehen kann?

Was haben der klassische Komponist Gustav Mahler und der Begr├╝nder der neuen Architektur des Bauhaus Walter Gropius gemeinsam? Diese beiden kann nur eine Frau in Verbindung bringen: Alma Mahler, ehemalige K├╝nstlermuse, Komponistin und nun junge Mutter und Ehegattin des gro├čen Komponisten. Und warum sollte Gustav Mahler in seinem Gl├╝ck Sigmund Freud aufsuchen, ihn zweimal versetzen, ihm fast aus der T├╝r rennen und schlie├člich doch anbetteln, auf der Couch liegen zu d├╝rfen? Richtig! Weil seine Frau eine Aff├Ąre hat.

Diese Geschichte entfaltet sich in den komischen Anfangsszenen zwischen dem nerv├Âsen Mahler und dem von Mahlers Marotten genervten Siegmund Freud. Schlie├člich liegt hinter der Unzufriedenheit Almas und ihrer schwachen Gesundheit die Ursache ihrer Aff├Ąre mit Walter Gropius. Wir gehen also mit Mahler, der sich als der Betrogene begreift, zur├╝ck zu dem Tag, an dem er aus der eigenwilligen Komponistin eine seinem Genie dienende Ehefrau machte. Auf einmal stellt sich die Schuldfrage ganz anders und Mahler sieht sich selbst von Zweifeln und Vorw├╝rfen attackiert, zum Beispiel daf├╝r, dass er Alma zehn Jahre lang verboten hat zu komponieren.

In langen R├╝ckblenden verfolgen wir das Eheleben der Mahlers von Anfang an. Wie in einem Dokumentarfilm inszeniert sprechen Mahlers Schwester, die die Verbindung missbilligte und Almas Mutter, die beiden wohlgesonnen war, ihren Kommentar frontal in die Kamera. Immer wieder wird eine starke Bildsprache gew├Ąhlt, um die emotionale Konstellation zwischen den Figuren einzufangen. So werden die SchauspielerInnen einmal wie auf einer B├╝hne mit dem R├╝cken zueinander im Dreieck aufgestellt und verweilen in dieser Pose. Als die Krise der Mahler-Ehe auf ihrem H├Âhepunkt angekommen ist, sehen wir das Paar streitend durch eine karge Berglandschaft kraxeln. Das m├╝hsame Abarbeiten wird somit bildlich noch einmal hervorgehoben. Diese k├╝nstlerischen Effekte durchziehen den Film, sind originell gew├Ąhlt und eingesetzt. Leider ├╝berdeckt die Schwere der theatralischen Passagen die besondere Komik und den trockenen Humor, mit dem der Film zu Anfang begeisterte. Percy und Felix Adlon wollten haben sich die Me├člatte hoch gesetzt in diesem Film. Manchmal verliert er sich im Detail, verweilt doch etwas zu lange auf einzelnen Bildern, so dass man den ZuschauerInnen mit einer kleinen Straffung Gutes getan h├Ątte.

Wer jedoch viele Details ├╝ber Mahlers Ehe mit Alma und im besonderen dar├╝ber, was im Sommer 1910 passiert ist, erfahren m├Âchte, ist in diesem Film richtig und bekommt sie sorgf├Ąltig ausgew├Ąhlt pr├Ąsentiert. Mit Tagebuchzitaten Almas, den Notizen Mahlers am Rande seiner 10. Symphonie wird das schwierige Verh├Ąltnis kommentiert. Sorgf├Ąltig wird uns eine Beziehung und vor allem das Dilemma der Alma Mahler vorgef├╝hrt, die wir so noch nicht gesehen haben. "Dass es geschah, ist verb├╝rgt. Wie es geschehen ist, haben wir erfunden.", so die Produzenten und meinen damit vor allem den versehentlich geschickten Liebesbrief von Walter Gropius an Alma, der an Gustav adressiert war und die Begegnung zwischen Mahler und Freud.

Der Film konzentriert sich ganz auf die Liebesgeschichte Mahlers. Seine Erfolge in Europa, weitere ber├╝hmte ZeitgenossInnen, mit denen er umzugehen pflegte, sowie seine Konvertierung vom Judentum zum Katholizismus werden im Film kaum thematisiert, spielen aber f├╝r diesen besonderen Sommer auch keine wesentliche Rolle. Ebenso wird als bekannt vorausgesetzt, dass es unter anderem eine antisemitisch gef├Ąrbte Pressekampagne und letztendlich die Auff├╝hrung von Wagners "Salome" war, die dazu f├╝hrte, dass Mahler seine Stellung am Wiener Hof aufgeben musste.

AVIVA-Tipp: "Mahler auf der Couch" will alles auf einmal sein: Kom├Âdie, Kammerspiel, Doku-Fiktion und Biographie und Fiktion. Besonders witzig und erfrischend sind die Begegnungen zwischen Mahler und Freud: Als einf├Ąltiger egozentrischer Ehemann nimmt Mahler Gropius als den Geliebten seiner Frau jedoch kaum wahr und tritt in jedes erdenkliche Fettn├Ąppchen. Mal tragisch leidend, mal rasend ist Barbara Romaner als seine vernachl├Ąssigte Ehefrau "Almschi". "Mahler auf der Couch" ist trotz einiger L├Ąngen ein interessanter Film, der den schwierigen Eigenarten Mahlers mit viel Sympathie begegnet und den oft als verrucht beschriebenen Charakter Almas von einer neuen Seite beleuchtet. Gewidmet ist der Film Mahler zu seinem 150. Geburtstag, aber auch seiner 10. Sinfonie, an der er im Sommer 1910, w├Ąhrend der Ehekrise, arbeitete. Selbst nannte Mahler seine Frau den Mittelpunkt seines Lebens und h├Ątte einen Film, der sie derart w├╝rdigt, sicherlich begr├╝├čt. Genau wissen werden wir es nie: Herzlichen Gl├╝ckwunsch Herr Mahler!

Lesen Sie auch das AVIVA-Berlin-Interview mit Barbara Romaner als "Almschi".

Mahler auf der Couch
Deutschland, ├ľsterreich 2010
Regie und Drehbuch: Percy Adlon, Felix Adlon
DarstellerInnen: Johannes Silberschneider, Barbara Romaner, Karl Markovics, Eva Mattes, Friedrich M├╝cke, Lena Stolze, Nina Berten, u. a.
Musik: 1. Satz der 10. Symphonie, "Ruhevoll" aus der 4. Symphonie, "Adagietto" aus der 5. Symphonie von Gustav Mahler, dirigiert von Esa-Pekka Salonen mit dem Schwedischen Radio Sinfonie-Orchester
L├Ąnge: 101 Minuten
Verleih: Kinowelt Filmverleih
FSK: Ab 12 Jahren
Filmstart: 07. Juli 2010


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Witwe im Wahn. Das Leben der Alma Wahler-Werfel von Oliver Hilmes

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Kultur Beitrag vom 29.06.2010 Undine Zimmer 





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