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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 21.12.2010

Ihr Kinderlein kommet - Wo bleiben sie nur
Isabell Serauky

Die Deutschen vergreisen und sterben letztlich aus. Diese Schreckensvision dr├Ąngt sich beim Blick auf die aktuelle Geburtenstatistik auf. Aber warum blo├č? Gerade das Elterngeld sollte die letzten..



... Zweifel wegwischen und uns zur Tat schreiten lassen. Aber auch dieses Mittel blieb fruchtlos. Dennoch gibt es gerade in Berlin Gegenden, die uns eine andere Welt zeigen.

Es scheint es noch zu geben, das Idealbild unserer Gesellschaft - Vater, Mutter, Kind. Allein, schon dessen blo├če Existenz ist doch irgendwie beruhigend. Diese Keimzelle des Gl├╝cks trifft man gern und h├Ąufig im Berliner Prenzlauer Berg. Schlendere ich dort zwischen L├Ąden wie "Buddelkiste", "Unsere s├╝├čen Knirpse", Oasen f├╝r Kinderyoga und gigantische Outdoor Anlagen, ehemals Spielplatz genannt, dann ist vom kalten Hauch unserer aussterbenden Spezies nichts zu sp├╝ren. Ganz im Gegenteil. Ich, das kinderlose Wesen, f├╝hle mich geradezu ausgegrenzt. Als wahrhaftig legitimierte/r PrenzlauerbergerIn schiebt man mindestens einen Kinderwagen vor sich her. Besser noch, fest an die Brust gegurtet, baumelt bereits der fidele Spr├Âssling Nummer zwei.

Dieses Idyll ist einmalig unwirklich. Denn die Statistik straft diese Kiezpopulation L├╝gen. 2009 sind satte 17.000 Kinder weniger als im Vorjahr geboren worden und das trotz Einf├╝hrung des Elterngeldes vor drei Jahren. Nun sollte gerade jenes die lustlosen Akademikerinnen in Kinderlaune versetzen. Vergebens. Wir werfen doch nicht unseren ausget├╝ftelten Lebensplan f├╝r schn├Âden Mammon auf den Haufen!
Nein. Erst die Ausbildung, dann Studium, Auslandserfahrung, die richtige Stadt, ein nettes Heim und endlich noch den perfekten Mann. Dann fangen wir an nachzudenken, ob ein Kind in unser gezimmertes Leben ├╝berhaupt passt.

Dementsprechend ist der einzige Aufw├Ąrtstrend bei der Geburtenstatistik: Das Alter der M├╝tter. Die Zahl der Geburten stieg im Vorjahresvergleich ab dem 33. Lebensjahr an.

Sind wir einfach zu langsam in unseren Lebensentw├╝rfen? Zu langsam, dass es am Ende, wenn ├╝berhaupt, eh nur noch f├╝r ein Kind reicht? Zu lange am T├╝fteln, dass wir den Vater unserer Kinder nicht erkennen oder er ├╝ber unseren beruflichen Lebensentwurf das Weite sucht? Sind die Gr├╝nde so erschreckend profan?

Unsere Ausbildung hat sich in den letzten Jahren sicher nicht wesentlich verl├Ąngert. Und Mann und Frau missverstehen sich heute genauso gut, wie gestern und vorgestern. Nein, da muss es noch etwas anderes geben, das uns den Kindersegen vermiest.

Betrachte ich meinen Freundeskreis, f├Ąllt das Dilemma in statistischen Dimensionen auf. Meist sind die umworbenen Akademikerinnen kinderlos geblieben und diejenigen, die es doch zur Mutterschaft gebracht haben, erziehen das hei├čgeliebte Einzelkind. Allein zu den Weihnachtsfeiertagen ist es mir trotz unz├Ąhliger Besuche bei Freunden nicht gelungen, ein vor Freude glucksendes Kind unter einem Weihnachtsbaum zu bewundern. Nichts. Tiefsch├╝rfende Gespr├Ąche ├╝ber Stuttgart 21, Wikileaks Hin oder Her und der schier unertr├Ągliche Weltschmerz konnten umfassend er├Ârtert werden. Keine Ablehnung durch kleckernden M├Âhrenbrei oder markersch├╝tterndes Kindergebr├╝ll. Wir Erwachsenen waren unter uns und blieben es. Soweit so gut und f├╝r viele bleibt es dabei.

Allein die staatliche Kohle bringt uns also nicht in hormonelle Schwingungen. Dazu braucht es mehr. Viele scheitern bereits am passenden m├Ąnnlichen Mitstreiter. Er muss ja schlie├člich mitziehen, zwischen Wickeltisch und Milchpumpe. Und genau dazu gibt es Umfragen, die erneut dunkle Wolken aufziehen lassen. Denn anders als gedacht, will die m├Ąnnliche Spezies ihre Gene nicht mehr zwingend weiterreichen. Die Herrschaften haben doch heute, genauso wie wir Frauen, so wunderbare Ablenkungen, dass das Vatersein nur eine von vielen Optionen der Selbstverwirklichung darstellt. Aber selbst wenn wir Mr. Perfekt ergattert haben, sich auf ihn einzulassen, bedeutet ja schon Einschr├Ąnkung. Denn nichts anderes ist schlie├člich der uns eingebl├Ąute Heilige Gral namens: Kompromiss. Wie mag da erst ein Kind unser wohl geordnetes Leben zerlegen?

Vielleicht fehlt es schlicht am Mut. Mut, sich das auch nur vorzustellen. Und die Ver├Ąnderungen nicht als Verzicht, sondern als Gewinn zu begreifen. ├ändern w├╝rde sich so ziemlich alles, da sind wir uns Kinderlose sicher.

Das Leben, so ohne Nachwuchs, kann rund sein. Wenn nichts fehlt, dann sollte auch nichts ver├Ąndert werden. Mag man diese Haltung als Mutlosigkeit oder ganz, ganz b├Âse, als Egoismus begreifen. Ich mag Kinder, solange es die Kinder der anderen sind. Sehr sogar. Meine Neffen, Nichten und Patenkinder. Gleichzeitig bewundere ich deren Eltern f├╝r ihre unglaubliche Engelsgeduld. Allein - beim Beobachten der "Raubtierf├╝tterung" werde ich hibbelig. Nichts ist planbar und alles ist m├Âglich. Ich bin eine Supertante und diesen Status werde ich ÔÇô trotz wedelnder Scheine aus dem Hause Schr├Âder - nicht upgraden. Schlie├člich muss es ja auch die geben, die spontan zum Babysitten gerufen werden k├Ânnen. Denn da war doch noch was ÔÇô der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz f├╝r Kinder unter drei Jahren. Immer noch eine Wunschvorstellung!

Die Autorin Isabell Serauky ist in ihrem anderen Leben Rechtsanw├Ąltin und hat eine Kanzlei im Berliner Prenzlauer Berg.

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Kultur Beitrag vom 21.12.2010 AVIVA-Redaktion 





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