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AVIVA-BERLIN.de im Juli 2018 - Beitrag vom 08.05.2018

Der Buchladen der Florence Green - Regie und Drehbuch Isabel Coixet nach dem gleichnamigen Roman von Penelope Fitzgerald, Kinostart am 10. Mai 2018
Helga Egetenmeier

Mit der Verfilmung von Penelope Fitzgeralds 1978 erschienenen, für den Booker Prize nominierten Roman "Die Buchhandlung" gelingt der Drehbuchautorin und Regisseurin Isabel Coixet eine charmante und sozialkritische Entfaltung der literarischen Vorlage. Die Berlinale präsentierte die Geschichte um britische Klassengrenzen und die Verwirklichung des Lebenstraums der Florence Green 2018 in der Special Gala.



Um sich ihren Traum einer eigenen Buchhandlung zu erfüllen, kauft sich die Witwe Florence Green ein verwittertes altes Haus in dem kleinen ost-englischen Küstenort Hardborough, genannt "The Old House". Es ist Ende der 1950er Jahre, sie hat ihren Ehemann durch den 2. Weltkrieg verloren und die Leidenschaft zu Büchern ist alles, was ihr von ihrer großen Liebe noch geblieben ist.

Die bürgerliche Witwe, die Lady und das Arbeitermädchen

Mit der Buchhandlung möchte sie einen Neuanfang wagen und dabei die Zeit der Trauer hinter sich lassen. Doch das kleine Dorf, in dem sich Florence Green (Emily Mortimer) dazu niedergelassen hat, besitzt seine eigenen unausgesprochenen Hierarchien. Langsam und mit Blick fürs Detail, stellt uns Drehbuchautorin und Regisseurin Isabel Coixet mit Lady Violet Gamart (Patricia Clarkson) und dem proletarischen Schulmädchen Christine (Honor Kneafsey) - die als Aushilfe in der Buchhandlung arbeitet - zwei weitere Vertreterinnen des Dorfes und der britischen Klassengesellschaft vor.

Die ungleichen Lebensstile dieser drei Frauen spiegeln eine britische Gesellschaft wieder, die sich aus der historischen Gewachsenheit von Klassenprivilegien und der Deutungshoheit in der Kultur speist. Doch seit der 2. Weltkrieg nachhaltige Veränderungen für die Rolle der Frau brachte, sind diese unterschiedlichen Lebensweisen nicht mehr so einfach gegeneinander abzugrenzen. Wie auch Lone Scherfig in ihrem im England der 1940er Jahre spielenden Film "Ihre beste Stunde" (2017) zeigt, wurden Frauen aus wirtschaftlicher Notwendigkeiten während des Krieges als Arbeitskräfte angeworben und ließen sich danach nicht mehr aus der Arbeitswelt verdrängen.

Zeitgenössische Literatur und gesellschaftliche Auseinandersetzungen

Florence Green merkt nur langsam, dass sie mit ihrem bescheidenen Aufbau einer Existenz an den unsichtbaren Klassengrenzen rüttelt. Die hervorragende Besetzung mit Emily Mortimer, Patricia Clarkson und Honor Kneafsey steigt hier in ihre unterschiedlichen Rollen mühelos ein. Und so stehen sich drei Frauen gegenüber, deren Lebensweise und literarischer Geschmack sich selten kreuzen und die jetzt durch die Gründung einer Buchhandlung aufeinander treffen.

Obwohl die Buchhandlung über die zeitgenössische Literatur, wie Ray Bradburys "Fahrenheit 451" und Nabokovs "Lolita", auch gesellschaftliche Auseinandersetzungen in die Provinz der Fünfzigerjahre bringt, legt weder der Film noch das Buch den Augenmerk darauf. Nur durch Mr. Brundish (Bill Nighy), einem von der Welt zurückgezogen lebenden älteren Herrn, erhält die Geschichte einen begeisterten Leser. Über diese liebenswerte Figur werden aufkommende gesellschaftliche Fragen der aktuellen Literatur ansatzweise diskutiert und somit bekommt die Buchhandlung als Ort für Bücher eine Bedeutung. Doch der Film über eine moderne Buchhandlung bleibt ein Film, in dem es nicht um Bücher geht, sondern um "The Old House". (Fast möchte ich schreiben "es geht um weit mehr als Bücher", doch als Buchliebhaberin bringe ich das nicht über mein Herz.)

Für die drei Frauen verfestigt sich an "The Old House" die Auseinandersetzung um alte Traditionen und neue gesellschaftliche Entwicklungen. So verlangt Lady Gamart nach jahrelanger Nichtbeachtung dieses Gebäude als regionales Denkmal für die Gemeinde zurück. Christine weiß um den mächtigen Arm von Lady Gamart, hat aber die ruhige Buchhändlerin ins Herz geschlossen und verhält sich ihr gegenüber so solidarisch, wie es ein Schulmädchen nur kann.

AVIVA-Tipp: In dieser kleinen Auseinandersetzung um eine Buchhandlung in der englischen Provinz steckt der große Kampf des nostalgischen Konservativismus gegen den liberalen Fortschritt. Und so präsentiert diese Geschichte eine inhaltliche Auseinandersetzung um gesellschaftliche Macht entlang kultureller Symbole. Im Angesicht des Brexit und der sich in Europa verbreitenden Nationalismen bezieht der Film damit klar Stellung gegen die sich als unhinterfragbare Traditionen verkleideten Unterdrückungsmechanismen.

Auszeichnungen:
2017: Preis der Frankfurter Buchmesse für die beste Literaturverfilmung
2018: spanischer Filmpreis Goya mit drei Auszeichnungen: bester Film, beste Regie, bestes Drehbuch

Zur Drehbuchautorin und Regisseurin: Isabel Coixet, geboren 1960 in Barcelona, wuchs in einer kommunistischen Familie unter dem Franco-Regime auf und studierte Zeitgeschichte an der Universität von Barcelona. Bereits mit 19 Jahren arbeitete sie als Werbetexterin, später als Kreativdirektorin und Werbespotregisseurin, gründete eine Kreativ-Agentur, sowie zwei Produktionsfirmen und schrieb für eine Filmzeitschrift. Ihr Spielfilmdebüt gab sie 1989 mit "Demasiado viejo para morir joven", für das sie auch das Drehbuch schrieb. Bekannt wurde sie 2003 mit "Mein Leben ohne mich", sie gewann für den 2005 erschienenen "Das geheime Leben der Worte" in drei Kategorien den spanischen Filmpreis Goya 2006 und eröffnete 2015 mit "Nobody Wants the Night" die 65. Berlinale. "Der Buchladen der Florence Green" erhielt ebenfalls in drei Kategorien den Filmpreis Goya 2018 und damit ist sie die erste Frau, die zweimal diese spanische Auszeichnung bekam. Bereits 2017 wurde sie dafür auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis für die beste Literaturverfilmung ausgezeichnet. Aktuell ist sie Präsidentin von EWA, European Women´s Audiovisual Network und stellt gerade ihren nächsten Film, "Elisa y Marcela", über die erste gleichgeschlechtliche Heirat im Jahr 1901 in Spanien fertig.

Zur Autorin der Romanvorlage: Penelope Fitzgerald, geboren 1916 in Lincoln, gestorben 2000 in London, war nach ihrem Studium an der Universität Oxford während des Zweiten Weltkriegs Mitarbeiterin der BBC. In den 1960er Jahren arbeitete sie als Dozentin an der Italia Conti Academy of Theatre Arts, als Lehrerin an einer Londoner Schule und als Mitarbeiterin einer Buchhandlung in Southwold. Ihre schriftstellerische Tätigkeit begann 1975 mit fast sechzig Jahren mit einer Biografie des britischen Malers Edward Burne-Jones. 1978 erschien "Die Buchhandlung" für den sie für den Booker Prize nominiert wurde. Als erste nichtamerikanische Schriftstellerin erhielt sie 1997 den National Book Critics Circle Award for Fiction für den 1995 erschienenen Roman "Die blaue Blume" über die Liebesbeziehung zwischen Novalis und Sophie von Kühn.

Zur Hauptdarstellerin: Emily Mortimer wurde 1971 in London geboren und studierte Englisch sowie Russisch an der Oxford University. Ihren Durchbruch erlebte sie mit "Lovely & Amazing" (2001) und der Auszeichnung "Independent Spirit Award" für die Beste Nebenrolle. Es folgten weitere Kino-, Film- und Theaterauftritte, wie in Woody Allens "Match Point" (2005), Martin Scorseses "Shutter Island" (2010) und Sally Potters "The Party" (2017). Zusammen mit ihrem Ehemann Alessandro Nivola gründete die Schauspielerin, Drehbuchautorin und Filmproduzentin die Produktionsfirma "King Bee Productions".

Zur Darstellerin: Patricia Clarkson wurde 1959 in New Orleans geboren und schloss mit einem Master of Fine Arts an der Yale School of Drama ab. Danach folgte ihr Filmdebüt in Brian De Palmas "Die Unbestechlichen" (1987), dem viele weitere Kinofilme folgten, wie "The Green Mile" (1999), "Lars und die Frauen" (2007) und "The Party" (2017) - in den beiden letztgenannten stand sie bereits gemeinsam mit Emily Mortimer vor der Kamera. Sie spielte auch in TV-Serien, wie "Six Feed Under" und "House of Cards" und am Broadway Theatre.

Zur Darstellerin: Honor Kneafsey, die 2004 geborene britische Kinder- und Jugendschauspielerin, spielte bereits im Alter von sieben Jahren als "Little Samantha" in "It´s a Don-derful Life" (2011). Seitdem spielt sie in Kinofilmen, wie "Im Himmel trägt man hohe Schuhe" (2016) und TV-Serien, wie "Sherlock" (2012, 2017).

Der Buchladen der Florence Green
Originaltitel: The Bookshop
Spanien, Großbritannien, Deutschland 2017
Regie und Drehbuch: Isabel Coixet
Nach dem Roman "Die Buchhandlung" von Penelope Fitzgerald
Darsteller*innen: Emily Mortimer, Patricia Clarkson, Bill Nighy, Honor Kneafsey, u.a.
Verleih: capelight pictures
Lauflänge: 110 Minuten
Kinostart: 10.05.2018
Mehr Infos zum Film und der Trailer unter: www.facebook.com/DerBuchladenDerFlorenceGreen

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The Party. Written and directed by Sally Potter, in interview with AVIVA-Berlin.
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Eine Auftragskillerin mit Doppelleben verliebt sich in ihr Opfer - Aber was sich nach "Action, Love and Fun" anhört, ist nur die Basis für eine bild- und tonverliebte Auseinandersetzung mit Tokio und dem Leben in der ebenso glitzernden wie anonymen Metropole. (2010)

Lars und die Frauen
Dem Werbefilmregisseur ist hier ein zauberhaftes Spielfilmdebüt geglückt. Eine Tragikomödie mit Emily Mortimer und Patricia Clarkson nach allen Regeln der Kunst. (2008)

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