Lydie Salvayre - Weine nicht - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de
AVIVA-Berlin .
.
P
R
.
.

AVIVA_gegen_AFD
AVIVA-Berlin > Literatur AVIVA-Newsletter bestellen
AVIVA-Berlin auf Facebook AVIVA-Berlin auf twitter
   Aviva - Home
   Veranstaltungen in Berlin
   Women + Work
   Public Affairs
   Kultur
   J├╝disches Leben
   Interviews
   Literatur
   Romane + Belletristik
   Biographien
   J├╝disches Leben
   Sachbuch
   Graphic Novels
   Art + Design
   Lesungen in Berlin
   Music
   Sport
   E-cards
   Gewinnspiele
   Werben bei uns
   About us
   Frauennetze
 


Happy Birthday AVIVA




AVIVA wishes you a happy and peaceful New Year 2018




Aviva-Berlin.de

Versatel






 



AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 26.09.2016

Lydie Salvayre - Weine nicht
Helga Egetenmeier

80 Jahre zur├╝ck liegt der spanische Sommer 1936, in dem ein gro├čer gesellschaftlicher Umbruch m├Âglich schien. Sp├Ąt hat die 2014 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnete Lydie Salvayre ihre damit verbundene Familiengeschichte kennengelernt,...



...als das Einzige, an das sich ihre demente Mutter heute noch erinnert. Das Gl├╝cksgef├╝hl der damals 15-J├Ąhrigen, erzeugt durch die anarchistischen Freiheitsideale wie auch die Gr├Ąueltaten dieser Zeit, verarbeitet sie literarisch beeindruckend als eine Mischung von pers├Ânlicher Lebensgeschichte und historischem Zeugnis.

Die franz├Âsische Autorin, die f├╝r ihren ersten Roman "La d├ęclaration" (1990) den Deb├╝tantInnenpreis "Prix Herm├Ęs du premier roman" erhielt, hat in den vergangenen 40 Jahren ├╝ber 20 B├╝cher geschrieben, von denen bisher drei auf Deutsch erschienen sind. Mit "Weine nicht" wagte sie sich nun in leichtem Ton an die politisch brisante, wie auch schmerzhafte Lebensgeschichte ihrer Mutter. Daf├╝r erhielt sie 2014 den wichtigsten franz├Âsischen Literaturpreis "Prix Goncourt", der damit, nachdem ihn 2009 Marie NDiaye erhielt, wieder an eine Frau ging.

Das Freiheitsgef├╝hl, das das junge M├Ądchen aus einem kleinen, katholisch gepr├Ągten Dorf erlebte, als sie mit ihrem Bruder in das sommerliche Barcelona des Jahres 1936 eintauchte, ist das ausstrahlende Zentrum der Erinnerungen, die der Mutter heute noch m├Âglich sind. Die Begeisterung f├╝r den Anarchismus und die f├╝r Frauen damit m├Âglich erscheinende Gleichberechtigung, pr├Ągten ihr weiteres Leben, obwohl sie, schwanger von einem anderen, in eine arrangierte Heirat mit einem Kommunisten, dem Vater der Autorin, einwilligte.

Trotz der Romanstruktur bleibt die Erz├Ąhlung folgerichtig fragmentarisch und verl├Ąsst dennoch durch den fl├╝ssigen Schreibstil die Ebene der Dokumentation. Sich auf einen verdr├Ąngten Teil der spanischen Geschichte beziehend, nimmt die Autorin darin den weiblichen Hoffnungsschimmer auf, den auch Almudena Grandes in ihrem historischen Roman "In├ęs und die Freude" beschreibt.

Die Gr├Ąueltaten des im Juli 1936 beginnenden spanischen B├╝rgerkriegs unterstreicht Salvayre mit eingef├╝gten Beschreibungen aus dem ersch├╝tternden Zeugnis "Die gro├čen Friedh├Âfe unter dem Mond" von Georges Bernanos. Der damals als rechtsgerichtet geltende Intellektuelle lebte mit seiner Familie zwischen 1934 und 1937 auf Mallorca. Er beschreibt in dem Buch sein Entsetzen ├╝ber das m├Ârderischen W├╝ten der spanischen Rechten gegen die mallorquinische Bev├Âlkerung und deren verabscheuungsw├╝rdige Freisprechung durch die katholische Kirche.

Durch diese politische Betrachtung des beobachtenden Schriftstellers erweitert Salvayre den Blick auf die spanische Geschichte und zeigt damit die Verkn├╝pfungen der Lebensentscheidungen der einander verbundenen Familienmitglieder mit dem grausamen B├╝rgerkrieg. Anhand von Generationenkonflikten und Geschlechterbildern kontrastiert sie den hegemonialen gesellschaftlichen Diskurs mit den, gegen dessen Vorherrschaft k├Ąmpfenden, politischen Ideologien.

AVIVA-Tipp: Lebendig, ernst, wie auch heiter, gelingt Lydie Salvayre anhand der Geschichte einer jungen Frau, ihrer Mutter, die unverzichtbare Darstellung der Einzelnen in Verkn├╝pfung und Kontrast zur Gesellschaft des spanischen B├╝rgerkriegs. Solche Literatur geh├Ârt in den Geschichtslehrplan der Schulen, um den m├Ąnnlichen Kriegserz├Ąhlungen die Dominanz zu nehmen.


Zur Autorin: Lydie Salvayre, wurde 1948 in Autainville, Frankreich, geboren, da ihre spanischen Eltern aus politischen Gr├╝nden emigrieren mussten und wuchs deshalb in einer Gegend auf, in der sich haupts├Ąchlich aus Spanien gefl├╝chtete RepublikanerInnen angesiedelt hatten. Sie studierte Literaturwissenschaft und Medizin, spezialisierte sich in der Psychiatrie, arbeitete sp├Ąter als P├Ądiaterin und begann in den 1970er Jahren mit dem Schreiben. F├╝r "La compagnie des spectres" erhielt sie 1997 den Prix Novembre, ein Preis f├╝r nonkonformistische, franz├Âsische Literatur. Ihre Romane wurden in viele Sprachen ├╝bersetzt, auf Deutsch erschienen "Milas Methode" (2006), "Die Macht der Fliegen" (2001) und "Das Gewicht der Erinnerung" (1999). F├╝r "Weine nicht" wurde sie 2014 mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet.
Quelle: Verlagsinformationen

Lydie Salvayre
Weine nicht

Originaltitel: Pas pleurer
├ťbersetzerin: Hanna van Laak
Blessing Verlag, erschienen im Februar 2016
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 256 Seiten
ISBN-13: 978-3896675644
19,90 Euro
www.randomhouse.de

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

Carmen Laforet - Nada
Der Klassiker der 1921 in Barcelona geborenen Schriftstellerin, die 1944 als erste Autorin mit dem Nadal-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Im Zentrum des Romans steht eine junge Frau, Andrea, die 1944 aus der Provinz in die graue, pr├╝de und vom spanischen B├╝rgerkrieg gezeichnete Gro├čstadt Barcelona kommt. (2016)

Almudena Grandes - In├ęs und die Freude
Eine au├čergew├Âhnliche Lebens- und Liebesgeschichte webt die spanische Autorin in die schwere Zeit des spanischen B├╝rgerkriegs und der nachfolgenden Milit├Ąrdiktatur ein und erschafft damit einen leichtg├Ąngigen und detailreichen historischen Roman. Als Kristallisationspunkt w├Ąhlt sie ein bis heute kaum bekanntes Ereignis im Kampf gegen das faschistische Franco-Spanien, das sich kurz nach der Landung der Alliierten und der Befreiung S├╝dfrankreichs 1944 in den Pyren├Ąen abspielte. (2015)

Amanda Vaill - Hotel Florida. Wahrheit, Liebe und Verrat im Spanischen B├╝rgerkrieg.
Am 18. Juli 1936 hielt die Welt den Atem an. Der Milit├Ąrputsch in Spanien mobilisierte viele progressive Intellektuelle, die Spanische Republik zu unterst├╝tzen. Anhand von Briefen und Erinnerungen erz├Ąhlt die mehrfach ausgezeichnete Autorin davon. (2015)

Weitere Informationen

Freiheit im Fokus - Auf den Spuren der Fotojournalistin Gerda Taro (1910 - 1937).
├ťber die erste Frau, die als Kriegsfotografin direkt im Gefecht fotografierte, wird innerhalb der Veranstaltungsreihe "80 Jahre Spanischer B├╝rgerkrieg" eine Fotoausstellung zu ihren Bildern in der Rosa Luxemburg Stiftung gezeigt (bis 27.09.2016).
www.rosalux.de

Literatur Beitrag vom 26.09.2016 Helga Egetenmeier 





  © AVIVA-Berlin 2018 
zum Seitenanfang suche sitemap impressum datenschutz home Seite weiterempfehlenSeite drucken