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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 15.07.2010

Frauen, einfach genial - Barbara Sichtermann und Ingo Rose
Marie Heidingsfelder

Überrascht stellen die AutorInnen in ihrer Einleitung fest, dass es nicht immer männliche Genies sind, die hinter den Erfindungen des Alltags stecken. Ach was. Ein gut gemeintes, aber...



...anachronistisches Portrait von 18 Erfinderinnen, "die unsere Welt verändert haben".

Glaubt man den Geschichtsb√ľchern, so ist die geistige Sph√§re der Genies M√§nnern vorbehalten: Man spricht von Aristoteles, da Vinci oder Goethe und ihrer au√üerordentlichen Intelligenz, Kreativit√§t und Schaffenskraft. Der Knesebeck-Verlag g√∂nnt den Frauen immerhin das Adjektiv "genial" und stellt 18 Erfinderinnen vor, deren Produkte - ohne dass wir es immer wissen - unseren Alltag pr√§gen: Zu den pr√§sentierten Entwicklungen geh√∂ren der Minirock von Mary Quant, die Einwegwindel von Marion Donovan, der Geschirrsp√ľlautomat von Josephine Cochran, der Teddy von Margarete Steiff, der Kaffeefilter von Melitta Bentz...

Aber Moment, da f√§llt doch etwas auf. Denn die Welt, die dem Buchtitel nach ver√§ndert wurde, passt in mehr als der H√§lfte der F√§lle zwischen vier gro√üe Ks: Kinder, K√ľche, Kirche und der eigene K√∂rper. Zwar werden auch der Scheibenwischer von Mary Anderson, der Paketfallschirm von K√§the Paulus oder das Frequenzsprungverfahren von Hedy Lamarr vorgestellt, aber der Tenor des Buches bleibt doch ein fast ungl√§ubiges Staunen angesichts technisch versierter Frauen.

Das ist schade, denn die Intention, den unz√§hligen Daniel D√ľsentriebs des Kollektivged√§chtnisses ein paar Danielas entgegen zu stellen, ist nicht nur gut, sondern auch wichtig. Subversiv arbeitet der Text von Barbara Sichtermann und Ingo Rose aber gegen seinen eigenen Inhalt: Er quillt vor F√ľllw√∂rtern beinahe √ľber und ist so pathetisch, dass die LeserInnen in einigen Passagen das Gef√ľhl beschleicht, die portraitierten Frauen w√ľrden √ľberhaupt nicht ernst genommen. So liest man zu Marion Donovan: "Sie war eine sehr zugewandte Mutter. Aber das ewige Wechseln der Windeln lag ihr gar nicht - wobei das dabei stets statt findende Spiel mit dem Baby noch seine begl√ľckende Seite hatte. Sie hasste das niederdr√ľckende Gef√ľhl der Vergeblichkeit, wenn, wie es h√§ufig vorkam, die Windel kurz nach dem Wechsel schon wieder ¬īvoll¬ī war - Diese Sisyphusarbeit passte so gar nicht zum Muttergl√ľck.". Und √ľber den Wert der von Josephine Cochrans erfundenen Sp√ľlmaschine hei√üt es: "Hausfrauen in aller Welt sind der Erfinderin dankbar."

Selbstverständlich sind die Erfindungen in vielen Fällen vom häuslichen Erfahrungshorizont der Frauen des 18. und 19. Jahrhunderts geprägt, aber in der sprachlichen Darstellung entsteht teilweise der Eindruck, auch das Interesse der Frauen sei auf eben diesen Horizont beschränkt.
Auf der anderen Seite kann man in "Frauen, einfach genial" einige interessante, √ľberraschende und inspirierende Frauenportraits finden. Der Forscherinnengeist von Hedy Lamarr, die sich neben ihrer Schauspielkarriere dem - ihren Studio-Bossen zufolge - "bizarren Hobby" der Funkverschl√ľsselung widmete und das Frequenzsprungverfahren erfand oder der Mut der Fallschirmerfinderin und -springerin K√§the Paulus demonstrieren, dass die tradierten "M√§nnerdom√§nen" in Frage gestellt und ge√∂ffnet werden m√ľssen.
Ohne Frage wissen das auch die beiden AutorInnen und erkl√§ren im Vorwort die schwierigen gesellschaftlichen Umst√§nde, denen sich ihre Erfinderinnen stellen mussten - an der unangemessenen und unertr√§glich schw√ľlstigen Darstellung √§ndert dieses Wissen aber nichts.

AVIVA-Fazit: Im besten Fall ist "Frauen, einfach genial" ein h√ľbsches Coffee-Table-Buch f√ľr Frauenmagazin-Leserinnen mit intellektuellem Anspruch - im schlechtesten Fall die Propagierung eines mittlerweile hoffentlich √ľberholten Frauenbildes, in dem Intelligenz und Durchsetzungsf√§higkeit als weibliche F√§higkeiten noch immer √ľberraschen.


Zur Autorin: Barbara Sichtermann wurde 1943 in Erfurt geboren und geh√∂rte der Intellektuellen-Szene der 68er an. Sie studierte Sozialwissenschaften und Volkswirtschaftslehre in Berlin und arbeitet seit 1987 als freie Publizistin f√ľr verschiedenen Printmedien und den Rundfunk. Ihre Themenschwerpunkte sind Medienkritik, Geschlechterbeziehung und Leben mit Kindern. 1985 wurde sie mit dem Jean-Am√©ry-Preis f√ľr Essayistik ausgezeichnet. Neben verschiedenen Sachb√ľchern hat sie zwei Romane ver√∂ffentlicht und ist Jurorin des Adolf-Grimme-Preises.
Weitere Informationen zu Barbara Sichtermann finden Sie unter: www.barbarasichtermann.de

Frauen, einfach genial
Barbara Sichtermann und Ingo Rose

Knesebeck-Verlag, erschienen Februar 2010
Gebunden, 128 Seiten
ISBN: 978-3868731170


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Literatur Beitrag vom 15.07.2010 Marie Heidingsfelder 





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