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AVIVA-BERLIN.de im Juni 2018 - Beitrag vom 03.08.2010

Am├ęlie Losier und Britta Wauer - Der J├╝dische Friedhof Wei├čensee. The Jewish Cemetery Weissensee. Momente der Geschichte. Moments in History
Sharon Adler

Der gr├Â├čte j├╝dische Friedhof Europas befindet sich in Berlin-Weissensee. Steinerne Zeugen erz├Ąhlen von der wechselvollen Geschichte dieses besonderen Ortes, die mit diesem Bildband (neu) entdeckt...



... werden kann.

1880 wurde der J├╝dische Friedhof Wei├čensee er├Âffnet. Eine letzte Ruhest├Ątte bot er Menschen aller religi├Âser Richtungen, von ultraorthodox, orthodox, konservativ bis liberal und reformiert. Auch die Namen derer, die hier begraben sind, zeigen die ganze Bandbreite j├╝dischen Lebens: K├╝nstlerInnen, Philosophen, ├ärzte, SchriftstellerInnen, LehrerInnen, Juristen, Religionslehrer, Verleger und Unternehmer sind ebenso unter den Toten wie Kartoffelgro├čh├Ąndler oder im 1. Weltkrieg gefallene Soldaten.

Louis Gr├╝nbaum, der ehemalige Inspektor der Altersversorgungsanstalt der J├╝dischen Gemeinde, war der erste, der am 22. September 1880 in Weissensee beigesetzt wurde. Seit diesem Tag wurden etwa 116.000 Menschen hier beerdigt und das Areal wuchs stetig. Schlichte Reihengr├Ąber fanden ihren Platz neben aufwendigen Mausoleen, etwa dem Grab der Eheleute Ruszak aus 1890. Entworfen hatte das filigrane Gittergrab der Architekt Otto Rauschenbach. Weitere Grabst├Ątten wurden von Architektur-Gr├Â├čen wie Ludwig Mies van der Rohe und Walter Gropius gestaltet.

Urspr├╝nglicher Initiator f├╝r dieses Buch war Gabriel Heim, der damalige Fernsehdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg. Dessen Idee war es, die Filmemacherin Britta Wauer ("Gerdas Schweigen") mit einem Film ├╝ber den Friedhof Weissensee zu beauftragen. Hermann Simon schlie├člich regte Britta Wauer an, einen Artikel in der Senats-Zeitschrift "Aktuell" zu ver├Âffentlichen.
Der Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin ÔÇô Centrum Judaicum wusste, dass dieser Beitrag ehemalige BerlinerInnen in aller Welt erreichen w├╝rde ÔÇô haupts├Ąchlich Juden und J├╝dinnen. Vertriebene, ├ťberlebende, Menschen, die hier ihre Heimat, ihre Sprache, ihre Kultur und ihre Familien f├╝r immer verloren hatten.
Im Rahmen ihrer dreij├Ąhrigen Recherche hat die mehrfach f├╝r ihre Arbeiten ausgezeichnete Britta Wauer gemeinsam mit weiteren Beteiligten Schicksale rekonstruiert, unz├Ąhlige Kontakte hergestellt und Informationen ausgewertet.

Aus dem urspr├╝nglichen Filmprojekt wurde so dieses Buch, das Fotografien und Geschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart des j├╝dischen Friedhofs Wei├čensee versammelt. Den historischen Originalaufnahmen aus Archiven und Privatbesitz wurden aktuelle Fotos von Am├ęlie Losier gegen├╝bergestellt. Deutlich wird durch diesen direkten Vergleich der Verfall, aber auch die zeitlose Sch├Ânheit und Eleganz dieses Ortes.

Jeder einzelne Grabstein und jede Inschrift erz├Ąhlen ihre eigene, meist tragische Geschichte. Selbst w├Ąhrend der Nazizeit wurde der Friedhof zu keinem Zeitpunkt geschlossen. Von den zwischen 3257 Menschen, die 1942 in Weissensee bestattet wurden, hatten sich 823 das Leben genommen, um der Deportation zu entgehen. Doch auch beinahe gl├╝ckliche Zeiten erlebte dieser magische Ort: Nachdem im Juni 1942 alle j├╝dischen Schulen geschlossen worden waren, schickte man viele Jugendliche und Kinder zur Zwangsarbeit auf den Friedhof. Einige von ihnen haben ├╝berlebt.
Auch davon sind Zeitdokumente erhalten, die Britta Wauer von noch lebenden Verwandten zugesandt wurden.

Insgesamt wurden in "Der J├╝dische Friedhof Wei├čensee. The Jewish Cemetery Weissensee" Geschichten und bislang nie ver├Âffentlichte Fotografien von ├╝ber 250 ZeitzeugInnen aus aller Welt ver├Âffentlicht, darunter ├╝ber 135 gro├čformatige Fotos, begleitet von Texten in Deutsch und Englisch.
Ein Personenregister und ein ├ťbersichtsplan runden den Bildband ab und geben weitere Informationen auf das Leben und Sterben vieler bekannter aber auch unbekannter Berlin Juden und J├╝dinnen.

Zur Autorin: Britta Wauer, geboren 1974 in Berlin, studierte Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). 2001 wurde sie f├╝r ihre Dokumentation "Heldentod" mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. F├╝r ihren Abschlussfilm an der dffb erhielt sie 2005 zusammen mit Sissi H├╝etlin den Adolf-Grimme-Preis. 2008 hatte sie ihr Kinodeb├╝t mit "Gerdas Schweigen" (nach dem Buch von Knut Elstermann, be.bra verlag). Ausl├Âser f├╝r dieses Buch war ihr Dokumentarfilm ├╝ber den j├╝dischen Friedhof Wei├čensee.
Er befindet sich in Postproduktion. Die Kino-Premiere wird voraussichtlich 2010 stattfinden. Weitere Infos und Kontakt: www.britzka.de
(Quelle: Verlagsinfos)

Zur Fotografin: Am├ęlie Losier, geboren 1976 in Versailles, studierte Germanistik in Paris und Berlin sowie Fotografie bei Arno Fischer an der Schule "Fotografie am Schiffbauerdamm". Seit 2001 arbeitet sie als freiberufliche Fotografin in Berlin f├╝r Zeitungen, Zeitschriften und Verlage, f├╝r die Akademie der K├╝nste, die Stiftung Genshagen, das Deutsch-Franz├Âsische Jugendwerk und andere Institutionen sowie als Standfotografin (u. a. bei Hans Weingartner und Britta Wauer). 2005 war sie Stipendiatin der Akademie der K├╝nste. www.amelielosier.com (Quelle: Verlagsinfos)

AVIVA-Tipp: Der Bildband "Der j├╝dische Friedhof Wei├čensee", erinnert daran, die Toten zu ehren und l├Ądt dazu ein, die Geschichte dieses Ortes (neu) zu entdecken. Dieses wichtige Zeitdokument ist ein Verm├Ąchtnis f├╝r all jene, deren Namen nicht durch Inschriften auf einem Grabmal verewigt wurden.

Am├ęlie Losier, Britta Wauer
Der j├╝dische Friedhof Wei├čensee / The Jewish Cemetery Weissensee

Momente der Geschichte / Moments in History
be.bra verlag, erschienen Juni 2010
ISBN 978-3-8148-0172-8
176 Seiten, 135 z. T. farbige Abbildungen, gebunden
24.95 Euro

Weiterlesen auf AVIVA-Berlin:

"Gerdas Schweigen", der Film von Britta Wauer nach dem Buch von Knut Elstermann

"J├╝dische Friedh├Âfe in Berlin" von Johanna von Koppenfels.

"J├╝disches Berlin - Photos aus Kaiserreich und Weimarer Republik", erschienen im Jaron Verlag, 2008

"Berliner Juden 1941 - Namen und Schicksale", herausgegeben von Hartmut J├Ąckel und Hermann Simon.

"J├╝disches im Gr├╝nen. Ausflugziele im Berliner Umland" herausgegeben von Judith Kessler und Lara D├Ąmmig.

"Deutsche j├╝dische Architekten vor und nach 1933" von Myra Warhaftig.

"Juden. B├╝rger. Berliner. Das Ged├Ąchtnis der Familie Beer - Meyerbeer ÔÇô Richter".

"Juden in Berlin ÔÇô Biografien" herausgegeben von Elke-Vera Kotowski.

"Geschichte des j├╝dischen Alltags in Deutschland", herausgegeben von Marion Kaplan.

Das j├╝dische Berlin. 1. Teil (aus 2004).



Literatur Beitrag vom 03.08.2010 Sharon Adler 





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